Abercrombie & Fitch warnt vor US-Zöllen und senkt Jahresprognose
Der US-Modehändler rechnet 2026 nur mit 3 bis 5 Prozent Umsatzwachstum – und beziffert erstmals den konkreten Zolleffekt.

Abercrombie & Fitch (A&F) hat für das Geschäftsjahr 2026 eine gedämpfte Prognose vorgelegt. Der US-Modehändler erwartet ein Nettoumsatzwachstum von lediglich 3 bis 5 Prozent – und bleibt damit hinter den durchschnittlichen Analystenerwartungen von 4,2 Prozent zurück, die das Datenanbieter LSEG ermittelt hatte. Die Aktie reagierte prompt: Im vorbörslichen Handel verlor das Papier rund 7 Prozent.
Besonders auffällig ist, dass A&F die finanziellen Auswirkungen des neuen US-Importzolls von 15 Prozent explizit in seine offizielle Prognose eingerechnet hat. Das Unternehmen geht davon aus, dass dieser Zoll das Ergebnis um rund 70 Basispunkte gemessen am Nettoumsatz belastet – und zwar auf Jahresbasis. Mögliche Rückerstattungen aus zuvor vom Obersten Gerichtshof gekippten Zöllen sind in dieser Kalkulation nicht berücksichtigt.
Hintergrund: Neue Zölle nach Gerichtsurteil
Der Kontext ist komplex: Der US-Supreme Court hatte zuvor weitreichende Importzölle gekippt, die die Trump-Administration auf Basis des sogenannten International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) verhängt hatte. Daraufhin kündigte Präsident Trump Ende Februar an, den gesetzlich zulässigen Höchstsatz von 15 Prozent als temporären Zoll auf alle importierten Waren einzuführen. US-Finanzminister Scott Bessent bestätigte, dass dieser Satz noch in dieser Woche in Kraft tritt.
Der neue Satz von 15 Prozent liegt dabei deutlich unter den zuvor zusätzlich verhängten 20 Prozent auf Importe aus wichtigen Produktionsstandorten wie Vietnam und Indonesien – Länder, die für Modehändler wie A&F zentrale Lieferketten darstellen. Zum Vergleich: Noch zu Jahresbeginn hatte A&F vor einer Zollbelastung von 170 Basispunkten für das Geschäftsjahr 2025 gewarnt. Die nun einkalkulierten 70 Basispunkte signalisieren damit eine relative Entspannung gegenüber dem früheren Worst-Case-Szenario.
Unterschiedliche Strategien im Einzelhandel
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseDie Art und Weise, wie Einzelhändler mit der Zollunsicherheit umgehen, variiert erheblich. Während A&F den Zolleffekt konkret beziffert und in die Guidance integriert hat, wählen andere Unternehmen einen anderen Weg. Sowohl der Schweizer Sneaker-Hersteller On Holding als auch der US-Elektronikhändler Best Buy haben entschieden, Zollauswirkungen aus ihren jeweiligen Jahresprognosen herauszuhalten – mit Verweis auf das volatile Handelsumfeld.
Trotz des verhaltenen Umsatzausblicks zeigt sich A&F beim Gewinn etwas optimistischer als erwartet. Das Unternehmen prognostiziert einen Gewinn je Aktie zwischen 10,20 und 11,00 US-Dollar. Der Mittelpunkt dieser Spanne von 10,50 US-Dollar liegt leicht über dem Analysten-Konsens von 10,36 US-Dollar – ein kleiner Lichtblick für Investoren in einem insgesamt schwierigen Handelsumfeld.


