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ADNOC liefert US-Gas nach Indien

Chinas Zölle auf US-Waren verändern globale LPG-Handelsströme deutlich

 ADNOC liefert US-Gas nach Indien

Die Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) wird ab Juni damit beginnen, einen Teil ihres Flüssiggasangebots (LPG) an Indien durch günstigere Lieferungen aus den Vereinigten Staaten zu ersetzen. Das gaben mit der Angelegenheit vertraute Personen an. Hintergrund dieser Entwicklung ist die veränderte Lage auf den globalen Märkten infolge von Strafzöllen, die China auf US-Waren erhoben hat. Diese Maßnahme Pekings hat die Handelsströme für Flüssiggas spürbar beeinflusst.

Durch die Umstellung kann ADNOC künftig mehr LPG aus eigener Förderung nach China liefern. Dort zahlen Abnehmer derzeit höhere Aufschläge, um US-Lieferungen zu ersetzen. Gleichzeitig sinken für Indien die Bezugskosten für Flüssiggas, da die Lieferungen aus den Vereinigten Staaten zu niedrigeren Preisen als dem Nahost-Benchmark Saudi Contract Price (CP) erfolgen. Indien ist nach China der zweitgrößte Importeur von Flüssiggas weltweit.

Indien bezieht über 80 Prozent seines Flüssiggasbedarfs aus dem Nahen Osten. Zu den wichtigsten Lieferländern zählen neben den Vereinigten Arabischen Emiraten auch Saudi-Arabien, Katar und Kuwait. Die Lieferungen erfolgen in der Regel im Rahmen langfristiger Jahresverträge. Anfang des Monats hatten indische Raffinerien den ungewöhnlichen Schritt unternommen, bei ihren nahöstlichen Lieferanten den Austausch eines Teils der vertraglich vereinbarten Liefermengen gegen US-LPG anzufragen. Dabei wurde ausdrücklich um einen Preisnachlass gegenüber dem CP gebeten.

ADNOC hat laut informierten Kreisen dieser Bitte entsprochen und wird demnach im Zeitraum Juni bis Juli einige US-LPG-Ladungen im Rahmen bestehender Verträge nach Indien liefern. Der Handelskonflikt zwischen China und den USA hat die Preisdifferenz zwischen Flüssiggas aus dem Nahen Osten und aus den Vereinigten Staaten weiter vergrößert. Dennoch sei es laut einer Quelle schwierig, die gesamten Mengen durch US-Lieferungen zu ersetzen.

Ein Analyst von Sparta Commodities erläuterte, dass Indiens Flüssiggasverbrauch im Gegensatz zu China vorwiegend auf die häusliche Nutzung entfalle. Dies erfordere einen höheren Butananteil im Gemisch. Indien könne daher zwar von zusätzlichen US-Lieferungen profitieren, jedoch nicht in gleichem Maß von Propanlieferungen. Die betroffenen Unternehmen, darunter die indischen Raffinerien IOC, BPCL und HPCL sowie ADNOC selbst, äußerten sich auf Anfrage nicht. Nach Regierungsangaben deckte Indien im Haushaltsjahr 2023/24 rund 60 Prozent seines gesamten LPG-Bedarfs durch Importe in Höhe von 29,66 Millionen Tonnen.

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