Agnès b: Kunstsammlerin, Modepionierin und Rebellin mit Prinzipien
Die französische Designerin spricht über ihre 6.000 Werke umfassende Kunstsammlung und ihre unkonventionelle Karriere.

Die französische Modeikone Agnès b, die 1976 ihre erste Boutique eröffnete, hat sich nie als klassische Modedesignerin verstanden. "Ich sage immer, ich mache keine Mode; ich mache Kleidung", erklärt die Unternehmerin in einem ausführlichen Interview. Ihre Karriere begann als Stylistin mit Kleidung im Arbeitsstil – ein Konzept, das ohne Werbung allein durch Presseberichterstattung zum Erfolg wurde.
Die heute über 80-Jährige wuchs in Versailles auf, nur 150 Meter vom berühmten Schloss entfernt. Diese Nähe zur Geschichte prägte ihren ästhetischen Geschmack nachhaltig. "Ich liebe das 18. Jahrhundert", sagt Agnès b und schwärmt von den eleganten Silhouetten der Frauen unter Ludwig XV. Ihre künstlerische Ader zeigte sich früh: Statt mit ihrer Mutter zu nähen, besuchte sie die École des Beaux-Arts in Versailles.
Heute besitzt die Designerin eine beeindruckende Kunstsammlung von rund 6.000 Werken, die sie über drei Jahrzehnte zusammengetragen hat. Darunter befinden sich Polaroids von Andy Warhol, Werke von Alexander Calder und ein Selbstporträt von Jean-Michel Basquiat aus dem Jahr 1983. "Ich habe ihn geliebt", erinnert sich Agnès b an ihre Begegnung mit dem damals noch unbekannten Künstler. Statt zu einem geplanten Dinner zu gehen, verbrachten die beiden Stunden in einer Pizzeria.
Kunstförderung statt Bankgeschäfte
Die meisten Werke ihrer Sammlung lagern in einem speziellen Depot, einige verleiht sie an Museen. Besonders am Herzen liegt ihr die Förderung junger Künstler. Kürzlich erwarb sie zwei Skulpturen von Max Coulon, einem jungen Bildhauer der Académie des Beaux-Arts in Paris. "Ich kaufe gerne Werke junger Künstler, weil es für sie eine Ermutigung und für mich gleichzeitig ein Geschenk ist", erklärt sie ihre Philosophie.
Ihre sozialen Prinzipien sind ebenso klar wie ihre ästhetischen Vorlieben. "Menschen nicht zu bezahlen, keine Steuern zu zahlen und Anwälte zu bezahlen, um keine Steuern zu zahlen, ist für mich unmoralisch", sagt Agnès b deutlich. Sie selbst arbeitet zu 65 Prozent für den Staat – eine Haltung, die ihr zahlreiche Orden eingebracht hat. "Ich denke, reiche Leute müssen teilen", fügt sie hinzu.
Die Designerin trägt gerne Anstecknadeln aus der Zeit des Vietnamkriegs mit Aufschriften wie "Peace now". "Sie sind eine Möglichkeit, den Menschen zu zeigen, wofür man steht", erklärt sie. Ihr persönlicher Stil ist geprägt von zwei besonderen Ringen: einem selbst angefertigten Goldring und einem kleinen Diamantring, den sie auf der Straße in Paris fand.
Inspiration aus dem Kino der Nouvelle Vague
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Zur AktienanalyseIhre Stilikonen sind Männer wie Marcello Mastroianni und Jean-Paul Belmondo. Die Filme der französischen Nouvelle Vague prägten sie nachhaltig. "Ich bin in einer konservativen Familie aufgewachsen, daher war die Entdeckung von Jean-Luc Godard eine großartige Möglichkeit, die Welt anders zu sehen", erinnert sie sich an die Zeit, als sie gegen den Algerienkrieg demonstrierte.
Derzeit bereitet Agnès b die Ausstellung "Humanité" in ihrer Galerie La Fab an der Place Jean-Michel Basquiat vor. Die Schau präsentiert bis zum 22. März Werke von Warhol und Harmony Korine sowie afrikanische Künstler wie Malick Sidibé. "Ich liebe es, alles aufzuhängen – die Dinge so zusammenzustellen, dass die Menschen sie verstehen", beschreibt sie ihre kuratorische Arbeit.
Trotz ihres Erfolgs bleibt die Designerin bodenständig. Ihr wichtigstes Werkzeug ist ein Tradio Pulaman Stift von Pentel für fünf Euro, mit dem sie alle ihre Entwürfe zeichnet. Und ihr größter Genuss? "Ein gutes Baguette mit Butter am Morgen. Voilà!"


