Air New Zealand warnt vor größtem Jahresverlust seit vier Jahren
Explodierende Kerosinpreise durch den Nahost-Konflikt treiben Air New Zealand in den roten Bereich – Verlust von bis zu NZ$390 Millionen erwartet.

Air New Zealand hat am Donnerstag eine drastische Gewinnwarnung herausgegeben. Die neuseeländische Fluggesellschaft erwartet für das am 30. Juni endende Geschäftsjahr einen Vorsteuerverlust von NZ$340 Millionen bis NZ$390 Millionen (umgerechnet rund 201 bis 231 Millionen US-Dollar). Im Vorjahr hatte die Airline noch einen Gewinn von NZ$189 Millionen ausgewiesen.
Der prognostizierte Verlust wäre der größte seit dem Jahr 2022 und übertrifft die Konsensschätzung des Analyseanbieters Visible Alpha, der einen Verlust von NZ$308,2 Millionen erwartet hatte. Die Aktie der nationalen Fluggesellschaft reagierte prompt und fiel um bis zu 3,5 Prozent auf NZ$0,425 – einer der schwächsten Werte im neuseeländischen Leitindex S&P/NZX50, der seinerseits um 0,3 Prozent nachgab.
Kerosinpreise vervielfachen sich durch Nahost-Konflikt
Als Hauptursache für die Misere nennt Air New Zealand die massiv gestiegenen Treibstoffkosten infolge des Nahost-Konflikts. In den vergangenen zehn Wochen kostete Kerosin zwischen 160 und 230 US-Dollar pro Barrel – ein dramatischer Anstieg gegenüber den 85 bis 90 US-Dollar pro Barrel, die vor Ausbruch des Konflikts gezahlt wurden. Die Fluggesellschaft kalkuliert ihre Prognose auf Basis eines durchschnittlichen Kerosinpreises von 145 US-Dollar pro Barrel für die zweite Jahreshälfte.
„Das Ausmaß und die Geschwindigkeit der jüngsten Bewegungen bei den Kerosinpreisen und Raffineriemargen haben einen erheblichen externen Schock für den globalen Luftfahrtsektor verursacht", erklärte Air New Zealand in einer Börsenmitteilung. Treibstoff macht bis zu einem Viertel der Betriebskosten einer Fluggesellschaft aus – Preissprünge dieser Größenordnung schlagen daher unmittelbar auf das Ergebnis durch.
Für das zweite Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres rechnet Air New Zealand mit Treibstoffkosten von NZ$980 Millionen – rund 32 Prozent mehr als noch im Februar prognostiziert. Die Gesamtrechnung für das Jahr steigt damit auf NZ$1,75 Milliarden, nach NZ$1,48 Milliarden im Vorjahr.
Mehrere Gegenwindfaktoren belasten die Airline gleichzeitig
Die hohen Treibstoffpreise treffen Air New Zealand in einer ohnehin schwierigen Phase. Die Fluggesellschaft kämpft gleichzeitig mit Flottenengpässen aufgrund von Triebwerkswartungsproblemen sowie mit einer schwachen Inlandsnachfrage. Diese Kombination aus externen und internen Belastungen verschärft den Druck auf das Unternehmen erheblich.
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Zur AktienanalyseJeremy Sullivan, Anlageberater bei Hamilton Hindin Greene, sieht die Talsohle für die Fluggesellschaft noch nicht erreicht. Er verwies auf eine schwierige Kombination aus hohen Treibstoffpreisen, einem langsameren Buchungsaufkommen, Problemen bei der Flugzeugverfügbarkeit und einer begrenzten kurzfristigen Preismacht.
Als Gegenmaßnahmen hat Air New Zealand bereits die Ticketpreise erhöht und die Kapazitäten dreimal konsolidiert – zwei klassische Instrumente, mit denen Airlines auf steigende Treibstoffkosten reagieren. Das Unternehmen warnte jedoch, dass bei anhaltend hohen Treibstoffpreisen weitere Kapazitätskürzungen folgen könnten.
Darüber hinaus kündigte die Fluggesellschaft an, ihre Investitionspläne sowie die geplanten Zeitpunkte für Flugzeugauslieferungen zu überprüfen, um diese besser an die aktuelle Nachfrage und die Marktbedingungen anzupassen. Für Anleger und die neuseeländische Luftfahrtbranche bleibt die Entwicklung der Rohölpreise und der geopolitischen Lage im Nahen Osten damit der entscheidende Faktor in den kommenden Monaten.


