Air Products streicht Wasserstoffprojekt und schreibt 2,9 Milliarden Dollar ab
Der Industriegase-Konzern gibt sein umstrittenes Louisiana-Projekt auf – Anleger feiern die Entscheidung mit einem Kurssprung von 10 Prozent.

Air Products & Chemicals zieht die Reißleine: Der US-amerikanische Industriegase-Konzern gibt seine Pläne für eine Anlage zur Erzeugung von kohlenstoffarmem Wasserstoff im US-Bundesstaat Louisiana auf. Im Zuge dieser Entscheidung kündigt das Unternehmen Abschreibungen von bis zu 2,9 Milliarden US-Dollar an – ein schmerzhafter, aber offenbar von Investoren erwarteter Schritt.
Die Reaktion an der Börse fiel eindeutig aus: Die Aktien von Air Products stiegen um rund 10 Prozent. Anleger begrüßten das Ende eines Projekts, das im Zuge des Dekarbonisierungs-Hypes gestartet wurde, jedoch zunehmend in Schwierigkeiten geraten war. Für viele Investoren scheint der Abschreibungsschmerz geringer zu wiegen als die Aussicht auf ein Ende der Kostenüberschreitungen.
Ehrgeiziges Projekt mit technischen und wirtschaftlichen Hürden
Das Vorhaben war im Jahr 2021 vorgestellt worden – zu einer Zeit, als die Begeisterung für grüne und kohlenstoffarme Energietechnologien auf dem Höhepunkt war. Der ursprüngliche Plan sah vor, Wasserstoff aus Erdgas zu gewinnen und die dabei entstehenden CO2-Emissionen abzuscheiden und dauerhaft unter einem See zu speichern – ein Verfahren, das als Carbon Capture and Storage (CCS) bekannt ist.
Doch das Projekt kämpfte von Beginn an gegen mehrere Widerstände. Ökologische Bedenken gegenüber der unterirdischen CO2-Speicherung, steigende Baukosten sowie ein eklatanter Mangel an Abnehmern für den produzierten Wasserstoff machten das Vorhaben zunehmend unwirtschaftlich. Diese Kombination aus technischen, regulatorischen und marktbezogenen Problemen ließ das Projekt letztlich scheitern.
Wasserstoff: Zukunftstechnologie mit Marktproblemen
Das Scheitern des Louisiana-Projekts wirft ein Schlaglicht auf die grundlegenden Herausforderungen der Wasserstoffwirtschaft. Wasserstoff gilt theoretisch als vielversprechender Energieträger, der fossile Brennstoffe in zahlreichen Anwendungsbereichen ersetzen könnte – von der Stahlherstellung über die Chemieindustrie bis hin zu Schiffstreibstoffen.
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Zur AktienanalyseDas zentrale Problem bleibt jedoch die Wirtschaftlichkeit. Ohne massive staatliche Subventionen ist Wasserstoff schlicht zu teuer, um auf dem freien Markt konkurrenzfähig zu sein. Dieses strukturelle Dilemma betrifft nicht nur Air Products, sondern die gesamte Wasserstoffbranche weltweit – auch in Deutschland und Europa, wo ambitionierte Wasserstoffstrategien auf ähnliche Marktbarrieren stoßen.
Die Entscheidung von Air Products dürfte daher als Warnsignal für die gesamte Branche gewertet werden. Projekte, die in Zeiten des Dekarbonisierungs-Enthusiasmus ohne gesicherte Abnehmerstruktur und tragfähige Kostenkalkulationen gestartet wurden, stehen nun vor einer harten Realitätsprüfung. Für Anleger bedeutet das Aus in Louisiana zumindest kurzfristig eine Entlastung – die langfristigen Fragen zur Strategie des Konzerns bleiben jedoch offen.

