Airbus senkt Produktionsziele wegen Triebwerksstreit mit Pratt & Whitney
Europäischer Luftfahrtkonzern kämpft mit erheblichen Engpässen bei Triebwerkslieferungen und verschiebt Hochlaufziele für Schmalrumpfflugzeuge.

Airbus hat seine ambitionierten Produktionsziele für Schmalrumpfflugzeuge nach unten korrigiert und macht dafür öffentlich den US-Triebwerkshersteller Pratt & Whitney verantwortlich. Der europäische Luftfahrtkonzern strebt nun bis Ende 2026 eine monatliche Produktionsrate zwischen 70 und 75 Maschinen an, die sich ab 2027 bei 75 Flugzeugen stabilisieren soll. Ursprünglich war bereits für 2027 eine feste Rate von 75 Maschinen pro Monat geplant gewesen.
Der weltweit größte Flugzeugbauer konfrontierte Pratt & Whitney, eine Tochtergesellschaft von RTX, in einer für die Branche ungewöhnlich scharfen öffentlichen Kritik. "Das Versäumnis von Pratt & Whitney, sich auf die von Airbus bestellte Anzahl von Triebwerken festzulegen, beeinflusst die diesjährige Prognose und den Hochlaufpfad negativ", erklärte das Unternehmen zusammen mit der Veröffentlichung der Jahresergebnisse. Beide Konzerne haben nach eigenen Angaben noch keine Einigung über die Liefervolumina für 2026 und 2027 erzielt.
Die Spannungen zwischen den Partnern haben sich in den vergangenen Monaten verschärft. Pratt & Whitney liefert Triebwerke für rund 40 Prozent der Airbus-Schmalrumpfflugzeuge der A320neo-Serie und kämpft mit einem Rückstau bei Inspektionen infolge eines Produktionsproblems. Das in Connecticut ansässige Unternehmen steht im Wettbewerb um knappe Bauteile und muss laut RTX-CEO Chris Calio das richtige Gleichgewicht angesichts der hohen Nachfrage der Fluggesellschaften finden.
Finanzielle Ergebnisse übertreffen Erwartungen
Trotz der Produktionsherausforderungen konnte Airbus solide Geschäftszahlen vorlegen. Im vierten Quartal stieg der bereinigte Betriebsgewinn um 17 Prozent auf 2,98 Milliarden Euro, während der Umsatz um 5 Prozent auf 25,98 Milliarden Euro zulegte. Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Gewinn von 2,87 Milliarden Euro bei Erlösen von 26,51 Milliarden Euro gerechnet. Für das laufende Jahr 2026 prognostiziert der Konzern 870 Flugzeugauslieferungen nach 793 im Vorjahr sowie einen bereinigten Betriebsgewinn von rund 7,5 Milliarden Euro.
Branchenweite Lieferkettenprobleme
Die Triebwerksindustrie kämpft seit der COVID-19-Pandemie mit erheblichen Anlaufschwierigkeiten. Airbus hatte sich bereits vor gut einem Jahr mit seinem größten Triebwerkslieferanten CFM über Verzögerungen gestritten, bevor im Januar erstmals öffentlich Bedenken zu Pratt & Whitney geäußert wurden. CFM, ein Joint Venture von Safran und GE Aerospace, signalisierte vergangene Woche, nicht bereit zu sein, in den Streit einzugreifen und die eigenen Lieferungen zu erhöhen.
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Zur AktienanalyseRick Deurloo, Präsident von Pratt & Whitney Commercial Engines, zeigte sich auf der Singapore Airshow diesen Monat zuversichtlich, eine Einigung mit Airbus zu erzielen. Das Unternehmen betonte, in ständigem Dialog mit dem Flugzeugbauer zu stehen. Pratt & Whitney konnte die Triebwerksauslieferungen im vergangenen Jahr insgesamt um 50 Prozent steigern.
Triebwerke sind nicht das einzige industrielle Problem für Airbus. Im Dezember musste der Konzern seine Auslieferungsprognosen bereits senken, nachdem Mängel an Paneelen eines spanischen Zulieferers entdeckt worden waren. Die Lieferkettenprobleme verdeutlichen die Herausforderungen der gesamten Luftfahrtindustrie beim Hochlauf nach der Pandemie.


