Aldi DX: 1.250 Stellen weg – Wachstum kommt aus dem Ausland
Aldi Süd streicht bis Ende 2027 in Mülheim 1.250 Stellen – vor allem bei der IT-Einheit Aldi DX. Das Wachstum soll künftig im Ausland entstehen.

Als Aldi Süd im November 2024 seine neue IT-Einheit „Aldi DX" (kurz für „Digital Experience") ins Leben rief, klangen die Ambitionen groß. Man wolle „den Handel mit IT- und Datenlösungen neu denken", hieß es damals. Gesucht wurden Experten in den Bereichen Data & Analytics, elektronische Preisetiketten und das kassenlose Einkaufsformat „Shop & Go". Mittelfristig sollten 3.700 IT-Fachkräfte bei Aldi DX arbeiten – zu Spitzenzeiten waren es sogar rund 4.000.
Doch nun folgt die ernüchternde Kehrtwende. Am Montag informierte die Geschäftsleitung die Belegschaft in einer virtuellen Mitarbeiterversammlung: Am Firmensitz in Mülheim an der Ruhr sollen bis Ende 2027 insgesamt 1.250 Stellen gestrichen werden – der Großteil davon bei Aldi DX.
Stellenabbau in Wellen
Es ist nicht der erste Einschnitt dieser Art. Bereits im Dezember 2025 berichteten mehrere Medien über den Abbau von rund 400 Stellen bei Aldi DX. Laut der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (WAZ) soll Aldi Süd dabei Aufgaben an einen Dienstleister der indischen Tata-Gruppe ausgelagert haben. Im Januar folgte die Bestätigung weiterer Stellenstreichungen in der Deutschlandzentrale Mülheim sowie im Bereich Internationaler Einkauf im Stadtteil Saarn – betroffen waren vor allem Buchhaltung, Personal und Einkauf.
Der eigentliche Treiber hinter diesen Einschnitten liegt in Salzburg. Seit 2023 baut Aldi Süd dort eine neue Holdingstruktur auf, die zentral Aufgaben für alle elf Landesgesellschaften bündeln soll. Bereits 2014 hatte Aldi Süd in Salzburg eine internationale Holding gegründet – unter anderem mit Verweis auf die Effizienz der österreichischen Tochter Hofer. Doch erst in den vergangenen Jahren wurden der Salzburger Holding deutlich mehr Kompetenzen übertragen, darunter der Einkauf und offenbar künftig auch Teile der IT. Laut WAZ sollen zudem einige Aldi-DX-Aufgaben nach Ungarn ausgelagert werden. Aldi Süd wollte sich dazu auf Anfrage nicht äußern.
Wachstum kommt aus dem Ausland
Hinter dem Umbau steckt eine strategische Neuausrichtung. Das künftige Wachstum von Aldi Süd wird nicht mehr aus Deutschland kommen. Im Heimatmarkt betreibt der Discounter zwar rund 2.000 Filialen, doch der Wettbewerb mit der Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland), Edeka (mit Netto) und Rewe (mit Penny) ist intensiv. Neueröffnungen sind selten, unrentable Märkte werden regelmäßig geschlossen.
Ganz anders das Bild im Ausland. In den USA, wo Aldi Süd bereits seit 1976 aktiv ist, betreibt der Discounter heute mehr als 2.600 Filialen. Bis Ende 2026 sollen dort über 180 weitere Standorte hinzukommen. In Großbritannien zählt Aldi Süd mit rund 1.080 Filialen zu den am schnellsten wachsenden Einzelhändlern. Im September kündigte das Unternehmen an, in den kommenden zwei Jahren 1,6 Milliarden Pfund (rund 1,9 Milliarden Euro) auf der Insel zu investieren – langfristiges Ziel sind 1.500 Standorte. Auch in China, wo Aldi Süd bislang rund 90 Filialen betreibt, ist das Potenzial erheblich. Insgesamt erwirtschaftete Aldi Süd 2024 einen Umsatz von rund 90 Milliarden Euro.
Für diese internationale Expansion setzt Aldi Süd auf eine starke zentrale Steuerung aus Salzburg. Auf einer Lieferantenkonferenz im September 2025 warb der Discounter mit dem Motto „Growing together". Symbolisch für den neuen Kurs ist auch die Personalie Jason Hart: Der frühere Chef von Aldi USA, der das Geschäft dort über zehn Jahre massiv ausgebaut hatte, wechselte im September 2025 in das Executive Board in Salzburg.
Vorbild Aldi Nord – und kritische Fragen
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Zur AktienanalyseAls Blaupause für den Umbau gilt Aldi Nord. Der historisch verwandte, aber kleinere Discounter hatte bereits im Herbst 2023 seine Auslandsaktivitäten der sieben Landesgesellschaften in einer Holding in Essen gebündelt, während das Deutschlandgeschäft in einer separaten Stiftung verblieb.
Was Mitarbeiter von Aldi Süd jedoch kritisch sehen dürften: die offensichtliche Planlosigkeit beim Aufbau von Aldi DX. War nicht absehbar, dass man keine 4.000 IT-Spezialisten in Mülheim braucht, wenn parallel eine zentrale Holding in Salzburg entsteht? Diese Fragen muss sich das Unternehmen nun gefallen lassen.
Hinzu kommt ein weiteres Detail: Die Mitarbeiter von Aldi DX wählen demnächst einen Betriebsrat. Ende März wurde in Essen ein Wahlvorstand bestimmt. Wann genau die Betriebsratswahlen stattfinden und wie die Beteiligten in mögliche Sozialverhandlungen eingebunden werden, ließ Aldi Süd International unbeantwortet.


