Alphabet begibt 100-Jahres-Anleihe: Signal für lockere Geldpolitik am Markt
Google-Mutter nutzt günstige Finanzierungsbedingungen für seltene Century Bond mit 6,05 Prozent Rendite in britischen Pfund.

Alphabet, die Muttergesellschaft von Google, hat eine seltene 100-jährige Anleihe am Markt platziert. Die auf britische Pfund lautende Century Bond bietet Investoren eine Rendite von 6,05 Prozent und signalisiert, dass Unternehmensfinanzierungen derzeit zu attraktiven Konditionen möglich sind.
Die Emission wirft auf den ersten Blick Fragen auf: Wird Google in 100 Jahren noch existieren? Wird das Internet noch genutzt werden? Doch für Anleger sind diese langfristigen Szenarien weniger relevant als die aktuellen Marktbedingungen. Die Mathematik von Anleihen macht solche fernen Risiken kalkulierbar.
Relevanter für Investoren sind die mittelfristigen Aussichten: die Entwicklung der künstlichen Intelligenz, die wachsende Verschuldung großer Technologiekonzerne und das Risiko, sich einem Anlegertrend anzuschließen, der möglicherweise überhitzt ist.
Historische Parallelen zu Niedrigzinsphasen
Century Bonds werden typischerweise in Phasen günstiger Finanzierungsbedingungen begeben. Die erste Welle kam Mitte bis Ende der 1990er Jahre, als Unternehmensanleihen im Vergleich zu Staatsanleihen historisch niedrige Renditeaufschläge aufwiesen. Coca-Cola emittierte im Mai 1998 die letzte dieser Anleihen, kurz nach Motorolas Technologie-Emission.
Der Markt für Unternehmensanleihen brach jedoch zusammen, nachdem der Hedgefonds Long-Term Capital Management implodierte. Die Risikoaufschläge stiegen sprunghaft an und machten langfristige Finanzierungen deutlich teurer.
Die zweite Welle folgte während der Nullzinsphase nach der Finanzkrise 2008. Österreich gelang es 2020 sogar, 100-jährige Nullkupon-Anleihen zu platzieren. Investoren liehen Ende der 2010er Jahre Universitäten und Mexiko Geld für ein Jahrhundert und wurden schließlich sogar bei riskanteren Schuldnern wie Argentinien aktiv.
Warnsignale aus der jüngsten Vergangenheit
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Zur AktienanalyseDie Ergebnisse dieser Emissionswelle waren gemischt bis katastrophal. Argentinien meldete bereits nach drei Jahren Zahlungsausfall an. Österreichs Nullkupon-Anleihen haben heute nur noch fünf Prozent ihres ursprünglichen Wertes, da sich die Nullzinsen als temporäres Phänomen erwiesen.
Ob Alphabets Sterling-Anleihe der Vorbote einer neuen Emissionswelle ist, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch, dass der Technologiekonzern einen günstigen Zeitpunkt für die Kapitalbeschaffung gewählt hat. Die aktuellen Marktbedingungen ermöglichen es Unternehmen mit starker Bonität, sich langfristig zu vergleichsweise niedrigen Kosten zu finanzieren.
Für Anleger stellt sich die Frage, ob die angebotene Rendite von 6,05 Prozent die langfristigen Risiken angemessen kompensiert – insbesondere vor dem Hintergrund der Unsicherheiten rund um die Entwicklung der Technologiebranche und mögliche Zinsänderungen in den kommenden Jahrzehnten.


