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Amazon drängt DHL in die Defensive

US-Konzern wächst mit eigener Logistik und setzt Maßstäbe bei Automatisierung und Zustellung

Amazon drängt DHL in die Defensive

Amazon treibt seine Expansion in der Logistikbranche konsequent voran und macht der DHL Group zunehmend das Geschäft streitig. Während der deutsche Konzern in seinen Lagern Roboter wie den Regalwagen „Chuck“ oder den Verladeautomaten „Stretch“ präsentiert, baut Amazon seine Kapazitäten in Eigenregie massiv aus. Der US-Konzern zählt weltweit zwar weiterhin zu den wichtigsten Kunden von DHL, doch gleichzeitig entwickelt er sich immer stärker zu einem ernsthaften Wettbewerber. In Deutschland übernimmt Amazon bereits 15 bis 25 Prozent der Paketzustellungen, während DHL mit 40 Prozent noch Marktführer ist.

Die Beziehung zwischen beiden Unternehmen ist von einer Mischung aus Partnerschaft und Rivalität geprägt. Zwar erzielt DHL Milliardenumsätze mit Amazon, doch der Onlinehändler verlagert immer mehr Leistungen in den eigenen Zuständigkeitsbereich. So beliefert Amazon inzwischen zahlreiche Händler, die über seinen Marketplace verkaufen, direkt – ein Feld, das bisher als Kernmarkt von DHL galt. Mit einem Anteil von 63 Prozent am deutschen Onlinehandel und einem wachsenden Marktplatzgeschäft drängt der US-Konzern immer stärker in Bereiche vor, die früher fest in der Hand von DHL waren.

Amazon investiert seit Jahren in eine eigene Logistikinfrastruktur und setzt dabei stark auf Automatisierung. Der Kauf des Roboterherstellers Kiva im Jahr 2012 verschaffte dem Konzern einen entscheidenden Vorteil: Heute betreibt Amazon über 750.000 Roboter weltweit, während DHL auf 8000 Einheiten kommt. In Dortmund arbeitet Amazon in einem eigenen Innovationszentrum an der Weiterentwicklung seiner Robotik. Der neu entwickelte Roboter „Vulcan“ kann erstmals Produkte direkt aus Regalen entnehmen und wieder einräumen – eine Aufgabe, die lange als kaum lösbar galt.

Während DHL seine Logistiklösungen individuell für Großkunden wie Johnson & Johnson oder Clorox anpasst, setzt Amazon auf weitgehend standardisierte Prozesse. Das beschleunigt den Einsatz neuer Technologien und senkt die Kosten. Ein Beispiel ist der Same-Day-Delivery-Service, den Amazon bereits in 30 deutschen Städten anbietet. Während der Konzern damit ein lukratives Geschäftsfeld übernimmt, bleibt für DHL oft die weniger rentable Zustellung in ländlichen Regionen.

DHL reagiert mit eigenen Investitionen in Sortiertechnik und Automatisierung, doch der Vorsprung von Amazon wächst. Gleichzeitig verstärkt der US-Konzern seine Aktivitäten auf der sogenannten „letzten Meile“ und plant europaweit 700 Millionen Euro für Lieferstationen. In Dortmund testet Amazon zusätzlich Systeme wie ZancaSort, die das Vorsortieren von Päckchen für Fahrer beschleunigen und Arbeitsabläufe effizienter gestalten.

Die Folge ist eine zunehmend angespannte Geschäftsbeziehung, in der DHL zwar weiterhin ein wichtiger Partner bleibt, aber zugleich immer stärker ins Hintertreffen gerät. Während in den DHL-Lagern noch komplizierte, sperrige Waren wie Satellitenschüsseln oder Katzenstreu für Amazon gelagert werden, baut der US-Konzern seine Marktanteile systematisch aus – und entscheidet immer häufiger, die Logistik selbst zu übernehmen.

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