Amazon eröffnet Mega-Store: Direkter Angriff auf Walmart und Costco
Der E-Commerce-Riese setzt auf 21.000 Quadratmeter große Filialen und konsolidiert seine Lebensmittelkette.

Amazon verstärkt seine Offensive im stationären Lebensmittelhandel mit einer neuen Strategie: Der Konzern plant einen 21.000 Quadratmeter großen Mega-Store außerhalb von Chicago, der erste seiner Art. Die Filiale soll direkt mit Branchenriesen wie Walmart und Costco konkurrieren und gleichzeitig als Vertriebszentrum für Same-Day-Lieferungen dienen.
Analysten erwarten für das vierte Quartal einen Anstieg der stationären Einzelhandelsumsätze um 5,4 Prozent auf 5,9 Milliarden Dollar, wenn Amazon am Donnerstag seine Ergebnisse präsentiert. Dies umfasst die Verkäufe von Whole Foods, Amazon Fresh und Amazon Go. Der Gesamtgewinn wird bei 1,97 Dollar pro Aktie erwartet.
Die neue Strategie markiert einen deutlichen Kurswechsel: Im vergangenen Monat kündigte Amazon die Schließung aller Amazon Fresh- und Amazon Go-Standorte an, um diese in Whole Foods Market-Filialen umzuwandeln. Das Unternehmen räumte ein, dass die bisherige Strategie kein unverwechselbares Einkaufserlebnis geschaffen habe, das eine groß angelegte Expansion ermöglichen würde.
Walmart als dominante Kraft im Einzelhandel
Die Herausforderung für Amazon ist beträchtlich: Walmart verbuchte im dritten Quartal 177,8 Milliarden Dollar an Einzelhandelsumsatz, während Amazons kombinierte Online- und stationäre Umsätze knapp 80 Milliarden Dollar betrugen. Der traditionelle Einzelhändler hat zudem seinen E-Commerce massiv ausgebaut – mit einem Wachstum von 28 Prozent im jüngsten Quartal.
Walmarts entscheidender Vorteil liegt in seiner physischen Präsenz: 4.600 Filialen erfüllen Abholaufträge und Same-Day-Lieferungen. 90 Prozent der US-Bevölkerung leben innerhalb von 16 Kilometern von einer Walmart-Filiale. Dies ermöglicht erhebliche Kosteneinsparungen bei der Zustellung auf der letzten Meile – genau das, was Amazon mit seiner neuen Strategie erreichen möchte.
Mitgliedschaftsprogramme als Schlüssel zum Erfolg
Walmart+ hat sich seit seiner Einführung im September 2020 als Erfolgsmodell erwiesen. Laut Morgan Stanley zählte das Mitgliedschaftsprogramm 2025 bereits 26,5 Millionen Mitglieder. "Amazon weiß, dass es im Lebensmittelhandel erfolgreich sein muss, da Kunden, die dazu neigen, Lebensmittel und schnelllebige Konsumgüter zu kaufen, tendenziell den höchsten Kundenlebenszeitwert aufweisen", erklärt Martin Heubel, Berater für Amazon-Verkäufer.
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Zur AktienanalyseAmazon verfolgt seine Ambitionen im stationären Handel seit der Eröffnung des ersten Amazon Go-Geschäfts 2016, gefolgt von der 13,7 Milliarden Dollar teuren Übernahme von Whole Foods Market 2017 und der Einführung von Amazon Fresh 2020. Doch bisher scheint nur Whole Foods die Umstrukturierung zu überleben.
"Ich denke, voll auf den stationären Handel zu setzen, ist wahrscheinlich nicht die langfristige Strategie für Amazon", sagt Bea Chiem, Analystin bei S&P Global. "Es wird einige Zeit dauern, bis sie aufholen." Asit Sharma vom Finanzdienstleister The Motley Fool ergänzt: "Amazon würde gerne in einer Welt mitspielen, in der Kunden in ein Geschäft kommen und dieses Problem der letzten Meile selbst lösen."


