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Amazon reduziert USPS-Pakete: Ländliche USA droht Versorgungslücke

Eine neue Vereinbarung zwischen Amazon und dem US-Postdienst könnte Millionen ländlicher Amerikaner mit höheren Versandkosten und schlechterem Service belasten.

Amazon reduziert USPS-Pakete: Ländliche USA droht Versorgungslücke

Amazon plant, künftig deutlich weniger Pakete über den U.S. Postal Service (USPS) zu versenden. Eine kürzlich vorgeschlagene Vereinbarung sieht vor, dass Amazon rund 20 Prozent seiner über den USPS versandten Pakete einspart – das entspricht etwa 200 Millionen Sendungen pro Jahr. Das Unternehmen verlagert diese Zustellungen stattdessen in sein eigenes Logistiknetzwerk. Die Vereinbarung bedarf noch der Genehmigung durch die Postal Regulatory Commission.

Die Folgen dieser Verschiebung könnten vor allem Kleinunternehmen und Verbraucher in ländlichen Regionen der USA hart treffen. Denn der USPS müsste die Fixkosten seines landesweiten Zustellnetzes künftig auf eine geringere Anzahl von Paketen verteilen – was sowohl die Preise als auch die Servicequalität unter Druck setzt. Für viele ländliche Gemeinden ist der USPS die einzige verlässliche Zustelloption.

Die Ökonomie der letzten Meile

Manish Kapoor, Gründer und CEO der Growth Catalyst Group, einem auf Lieferkettenberatung sowie Fulfillment und Logistik spezialisierten Unternehmen, erklärt die strukturellen Ursachen des Problems. Kapoor leitete zuvor bei Amazon die Bereiche „Last-Mile", Amazon Fresh und die Sonntagszustellung und gründete außerdem FedEx SameDay City. Er sieht die Entwicklung als wirtschaftlich nahezu unvermeidlich an.

„Die beiden Faktoren, die die Ökonomie auf der letzten Meile bestimmen, sind das Volumen und die Dichte", so Kapoor. „Zwanzig Prozent der Amerikaner leben in ländlichen Gebieten. Amazon könnte dort zustellen, aber das Volumen und die Dichte sinken. Infolgedessen würde die Frequenz abnehmen und die Kosten würden steigen." Eine Aufteilung des Zustellservices nach Standort werde laut Kapoor wahrscheinlich immer deutlicher sichtbar werden.

Versandexperten bestätigen dieses Bild: Die Zustellung im ländlichen Raum ist grundsätzlich teurer, weil Fahrer dort deutlich weniger Stopps pro gefahrener Meile einlegen können als in dicht besiedelten Städten oder Vororten. Ohne ausreichendes Paketvolumen lässt sich dieses strukturelle Kostenproblem kaum lösen.

Amazons Milliarden-Investition in Kleinstädte

Amazon ist sich der Herausforderung im ländlichen Raum durchaus bewusst. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben mehrere Anstrengungen unternommen, um die Lieferungen in Kleinstädte zu verbessern, und kündigte im vergangenen Jahr an, vier Milliarden US-Dollar für dieses Vorhaben auszugeben. Ob diese Investitionen die negativen Effekte der reduzierten USPS-Zusammenarbeit ausgleichen können, bleibt jedoch offen.

Für deutsche Beobachter lässt sich die Situation mit der Debatte um die Grundversorgung durch die Deutsche Post vergleichen: Auch hierzulande steht die Frage im Raum, wie eine flächendeckende, bezahlbare Paketzustellung in dünn besiedelten Regionen langfristig finanziert werden kann, wenn private Anbieter ihre Netzwerke zunehmend auf profitablere Ballungsräume konzentrieren. Die Entwicklung in den USA könnte als Warnsignal für ähnliche Strukturveränderungen in anderen Märkten dienen.

Die endgültige Entscheidung über die neue Amazon-USPS-Vereinbarung liegt nun bei der Postal Regulatory Commission. Deren Genehmigung wird darüber entscheiden, wie stark sich die Versorgungslücke zwischen städtischen und ländlichen Regionen in den USA künftig ausweiten wird.

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