Andy Burnham und die britische Wissenschaftspolitik: Erste Kritik
Zwei Wochen nach Amtsantritt zeigt der neue britische Premier noch wenig Interesse an der Förderung von Grundlagenforschung.

Andy Burnham ist seit zwei Wochen britischer Premierminister – doch die Wissenschaftsgemeinschaft wartet noch auf ein klares Bekenntnis zu ihrer Arbeit. Obwohl Burnham in seinen ersten Botschaften Technologie und Künstliche Intelligenz erwähnte, hat er sich bislang nicht zur Notwendigkeit geäußert, die Grundlagenforschung zu stärken, die als Fundament für Innovation und Wohlstandsbildung gilt.
Das Schweigen des neuen Regierungschefs zur Wissenschaftspolitik sorgt in Fachkreisen für Unmut. Viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind besorgt, dass die strategische Ausrichtung der britischen Forschungsförderung unter der neuen Regierung ins Hintertreffen geraten könnte – gerade in einer Zeit, in der internationale Konkurrenz im Bereich Forschung und Entwicklung zunimmt.
Ministerium für Wissenschaft in der Kritik
Besonders aufgebracht sind Fachleute über eine institutionelle Entscheidung: Das Ministerium für Wissenschaft, Innovation und Technologie, das erst 2023 von der vorherigen konservativen Regierung eingerichtet worden war und gerade erst an Fahrt aufnahm, soll nun mit dem Wirtschaftsministerium zusammengelegt werden. Diese Entwicklung wird von vielen Beobachtern als Signal gewertet, dass die eigenständige Bedeutung der Wissenschaft in der neuen Regierungsstruktur geschwächt werden könnte.
Das 2023 gegründete Ministerium war ein bewusstes Signal der damaligen Regierung, Wissenschaft, Innovation und Technologie als eigenständige Priorität zu behandeln. Eine Eingliederung in ein breiteres Wirtschaftsministerium könnte bedeuten, dass wissenschaftliche Belange künftig stärker unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten bewertet werden – und weniger nach dem Eigenwert der Grundlagenforschung.
Grundlagenforschung als Basis für Wohlstand
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseFür Deutschland und andere europäische Länder ist die Entwicklung in Großbritannien von Interesse, da sie ein Schlaglicht auf eine grundsätzliche Debatte wirft: Wie viel staatliche Unterstützung braucht die Wissenschaft, die nicht unmittelbar wirtschaftlich verwertbar ist, aber langfristig die Basis für Innovationen legt? Grundlagenforschung gilt in der Wissenschaftspolitik als unverzichtbar, auch wenn ihre Ergebnisse oft erst nach Jahren oder Jahrzehnten in konkrete Anwendungen münden.
Burnhams bisheriges Handeln hat die Wissenschaftsgemeinde jedenfalls nicht beruhigt. Die Erwartungen an den neuen Premier sind hoch – und die Geduld der Forschenden, so scheint es, ist begrenzt. Ob Burnham in den kommenden Wochen ein klares Bekenntnis zur Wissenschaftsförderung abgibt, bleibt abzuwarten.


