Anglo American: Ex-CEO Penny als Favorit für De-Beers-Kauf
Ein Konsortium unter Führung von Ex-De-Beers-Chef Gareth Penny gilt laut botswanischem Minister als bevorzugter Bieter.

Anglo American hat laut einem botswanischen Minister ein Konsortium unter der Leitung des ehemaligen De-Beers-Vorstandsvorsitzenden Gareth Penny als Top-Kandidaten für den Verkauf seines Diamantengeschäfts identifiziert. Moeti Mohwasa, Botswanas Minister für Staat und Verteidigung, teilte den Abgeordneten am Freitag mit, dass das von Penny geführte Global Diamond Consortium von Anglo American als „bevorzugter Bieter" eingestuft worden sei. Es ist das bisher deutlichste Signal für einen bevorstehenden Abschluss des Deals.
Penny leitete De Beers bereits von 2006 bis 2010 und gilt laut zwei mit der Angelegenheit vertrauten Personen seit Längerem als Favorit im Bieterprozess. Eine Stellungnahme lehnte er am Freitag ab. Anglo American selbst bestätigte die Aussagen des Ministers nicht und erklärte lediglich, man treibe den „wettbewerbsorientierten Verkaufsprozess mit einer Reihe von Bietern voran und werde zu gegebener Zeit über Neuigkeiten informieren".
Botswana als Schlüsselakteur im Verkaufsprozess
Botswana spielt beim Verkauf von De Beers eine zentrale Rolle. Rund 70 Prozent der Diamanten des Unternehmens stammen aus dem afrikanischen Land, und die Regierung hält derzeit einen Anteil von 15 Prozent an der Gruppe – den sie lautstark erhöhen möchte. Mohwasa erklärte den Abgeordneten, dass die Regierung derzeit eine detaillierte Analyse durchführe, um den „Wert von De Beers zu bestimmen". Diese solle als Grundlage für Gespräche mit Anglo American sowie dessen „potenziellen Partnern aus dem staatlichen und privaten Sektor" dienen.
Auch die Regierungen von Angola und Namibia haben Interesse an einer Beteiligung an De Beers bekundet. Mohwasa bestätigte, dass das Angebot von Global Diamond eine „Beteiligung" beider Länder vorsehe, was Botswana ausdrücklich „begrüße". Personen, die dem Konsortium nahestehen, wiesen jedoch darauf hin, dass jedes erfolgreiche Gebot weiterhin davon abhänge, ob man sich mit den staatlichen Partnern auf angemessene Bedingungen einigen könne.
Weitere Konsortien im Rennen
Neben dem Penny-Konsortium befinden sich laut mit dem Prozess vertrauten Personen zwei weitere Bietergruppen im Rennen. Nir Livnat, Exekutivvorsitzender des Diamantenunternehmens Diacore Group, sowie Michael O'Keeffe, nicht geschäftsführender Vorsitzender von Burgundy Diamond Mines, führen jeweils ein eigenes Konsortium an.
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Zur AktienanalyseDe Beers steht unterdessen unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Das Unternehmen gab diese Woche bekannt, dass die Produktion in Südafrikas größter Diamantenmine eingestellt wird – als Reaktion auf die anhaltend schwache Marktlage. Der Rohdiamanten-Preisindex von WWW International Diamond Consultants liegt derzeit rund 50 Prozent unter den Rekordhochs aus dem Jahr 2022. Hintergrund sind eine geringere Nachfrage aus China sowie die wachsende Konkurrenz durch im Labor gezüchtete Diamanten, die deutlich günstiger in der Herstellung und im Kauf sind.
De Beers gilt als eines der weltweit bekanntesten und wertvollsten Edelsteinunternehmen. Für Anglo American ist der Verkauf Teil einer umfassenderen Umstrukturierung des Konzerns. Für deutsche Anleger, die den Rohstoffsektor und insbesondere den Diamantenmarkt beobachten, verdeutlicht der Fall eindrücklich, wie stark veränderte Konsumgewohnheiten und technologische Entwicklungen – wie synthetische Diamanten – selbst traditionsreiche Branchenriesen unter Druck setzen können.

