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Anleihemarkt unter Druck: Was steigende Renditen für Anleger bedeuten

Bundesanleihen rentieren so hoch wie seit 2011 nicht mehr. Was der globale Abverkauf am Bondmarkt für Privatanleger bedeutet.

Anleihemarkt unter Druck: Was steigende Renditen für Anleger bedeuten

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: An den globalen Anleihemärkten herrscht Ausverkaufsstimmung. Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen kletterten am Montag zwischenzeitlich auf über 3,19 Prozent – ein Niveau, das zuletzt Anfang 2011 erreicht wurde. Auch in anderen großen Volkswirtschaften steigen die Renditen spürbar an.

US-Staatsanleihen mit vergleichbarer Laufzeit, sogenannte Treasuries, rentieren aktuell bei mehr als 4,6 Prozent – so hoch wie zuletzt 2023. Besonders auffällig: US-Finanzminister Scott Bessent musste vergangene Woche erstmals seit 2007 eine 30-jährige Anleihe mit einem Kupon von fünf Prozent am Primärmarkt begeben. Auch britische Gilts und japanische Staatsanleihen geraten zunehmend unter Druck.

Britische Gilts rentieren im Zuge der Regierungskrise um Premier Keir Starmer deutlich über 5,1 Prozent. Selbst Japan, das jahrelang für seine Niedrigzinspolitik bekannt war, sieht sich mittlerweile mit Anleiherenditen von mehr als 2,7 Prozent konfrontiert. Das Bild ist eindeutig: Investoren weltweit verlieren das Vertrauen in den Bondmarkt.

Warum fallen Anleihekurse, wenn Renditen steigen?

Der Mechanismus dahinter ist grundlegend: Kurs und Rendite einer Anleihe bewegen sich stets in entgegengesetzte Richtungen. Wenn viele Investoren ihre Papiere verkaufen, sinkt der Kurs – und die bis zur Fälligkeit erwartete Rendite steigt entsprechend. Anleger antizipieren derzeit, dass steigende Inflationsraten die Zentralbanken zu Leitzinserhöhungen zwingen könnten. Bereits ausgegebene Anleihen werden dann gegenüber neu emittierten, höher verzinsten Papieren unattraktiver.

Experten sehen diesen Trend als strukturell und nicht nur vorübergehend. „Die Renditen bleiben langfristig höher", schreibt Torsten Slok, Chefökonom des Vermögensverwalters Apollo Global Management. „Die Ära der künstlich niedrigen Zinsen liegt hinter uns", so Slok weiter. Ähnlich bewertet es Harald Preißler, Chefökonom des Vermögensverwalters Bantleon: Bundesanleihen hätten bei der Marke von 3,1 Prozent einen „starken Widerstand" überwunden. Er rechnet im zweiten Halbjahr mit Renditehöchstständen von bis zu 3,5 Prozent.

Staatsschulden und fehlende Notenbank-Käufer als Treiber

Neben der Inflationserwartung nennt Apollo-Ökonom Slok weitere Belastungsfaktoren. Besonders die wachsenden Staatsschulden der Industrieländer rücken wieder in den Fokus. Je höher das Haushaltsdefizit, desto mehr neue Anleihen müssen Finanzminister am Markt platzieren – das steigende Angebot drückt die Kurse zusätzlich nach unten.

Deutlich sichtbar wird das bei britischen Gilts. Investoren befürchten, dass ein möglicher Nachfolger von Premierminister Starmer Reformen über höhere Schulden finanzieren könnte – und das ohnehin schon hohe Haushaltsdefizit von zuletzt über fünf Prozent weiter ausweitet. Hinzu kommt ein weiterer struktureller Wandel: Notenbanken wie die EZB oder die US-Federal Reserve stehen nicht mehr als Käufer in der Not bereit. Im Gegenteil – sie bauen ihre Bilanzen aktiv ab und entziehen dem Markt damit Liquidität. Investoren verlangen deshalb höhere Risikoprämien und müssen sich auf stärkere Schwankungen einstellen.

Attraktive Renditen – aber der Haken liegt im Detail

Auf den ersten Blick klingen mehr als drei Prozent für ausfallsichere Bundesanleihen oder fast fünf Prozent für US-Treasuries verlockend – zumindest für Anleger, die ihre Papiere bis zur Endfälligkeit halten. Sie müssen sich über Kursschwankungen keine Gedanken machen, da die Rückzahlung zum Nennwert garantiert ist.

Doch die Inflationserwartungen trüben das Bild. In Deutschland lag die Inflationsrate zuletzt bei 2,9 Prozent. Wer sich für zehn Jahre in Bundesanleihen festlegt, erzielt damit aktuell nur eine reale Rendite von gerade einmal 0,27 Prozent. In den USA sieht es mit rund 0,8 Prozent realer Rendite etwas besser aus – allerdings lauern dort weitere Risiken.

Ein relevanter Teil der US-Treasuries wird von japanischen Investoren gehalten, etwa Pensionsfonds. Da die Renditen japanischer Anleihen ebenfalls steigen, könnten viele dieser Investoren ihre Treasuries verkaufen und stattdessen am heimischen Markt anlegen. Das würde den Abwärtsdruck auf US-Bonds weiter verstärken. Zudem müssen europäische Käufer von Treasuries das Währungsrisiko einkalkulieren: Eine Abwertung des Dollars gegenüber dem Euro würde die Rendite zusätzlich schmälern.

Was bedeutet das für Aktienanleger?

Grundsätzlich belasten steigende Anleiherenditen die Aktienmärkte. Ein vergleichsweise sicherer Festzins wird gegenüber Aktien attraktiver, und höhere Zinsen belasten zudem die Unternehmensgewinne. Bislang hält sich die Belastung jedoch in Grenzen.

Deutsche Bank-Ökonom Jim Reid verweist auf den Move-Index, einen Gradmesser für die Schwankungsintensität am Bondmarkt. Dieser liege aktuell bei rund 80 und damit „relativ niedrig". Während der Anleihenkrise habe der Wert teilweise bei 150 gelegen. „Das begrenzt den Einfluss des Renditeschocks", so Reid. Für Privatanleger bedeutet das: Die Lage ist angespannt, aber noch kein Grund zur Panik – Wachsamkeit ist dennoch geboten.

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