ANZEIGEDie kleine Aktie ist aktuell gnadenlos unterbewertet. So profitieren deutsche Anleger…

Anleihen als sicherer Hafen: Fondsmanager sehen Wendepunkt

Geopolitische Spannungen haben alte Anlagestrategien erschüttert – doch Experten sehen Anleihen vor einem Comeback als sicherer Hafen.

Anleihen haben Anleger während des Iran-Krieges kaum geschützt. Doch nun mehren sich die Stimmen unter Fondsmanagern, die einen Wendepunkt sehen: Festverzinsliche Wertpapiere könnten ihre Rolle als sicherer Hafen zurückgewinnen – insbesondere dann, wenn die Inflation das Wirtschaftswachstum spürbar belastet.

Die Weltaktienmärkte haben sich nach anfänglichen Verlusten zu Kriegsbeginn erholt und notieren dank der Begeisterung über Künstliche Intelligenz und starke Unternehmensgewinne wieder nahe Rekordhöhen. Staatsanleihen hingegen stehen unter erheblichem Druck: Die Angst vor einem anhaltenden Inflationsanstieg hat die Kreditkosten der Staaten auf Mehrjahres- und teils sogar Rekordhochs getrieben.

Trotz dieser Belastungen fließt weiterhin Kapital in den Anleihenmarkt. Daten des Finanzdienstleisters Lipper zeigen, dass seit Ausbruch des Krieges netto 12 Milliarden US-Dollar in Staatsanleihenfonds der Industrieländer geflossen sind – und damit sämtliche Zuflüsse des laufenden Jahres ausmachen.

Herbe Verluste für Anleihehalter

Die Zahlen verdeutlichen das Dilemma: 10-jährige US-Staatsanleihen, die traditionell als sicherer Hafen gelten, haben seit Ende Februar eine negative Rendite von 1,5 Prozent erzielt – auf das Jahr hochgerechnet entspricht das einem Minus von 5,4 Prozent. Noch deutlicher fällt der Rückgang bei deutschen Bundesanleihen aus: Minus 2,4 Prozent seit Kriegsbeginn, was auf Jahresbasis einem Verlust von 8,7 Prozent entspricht.

Zum Vergleich: Der S&P 500 erzielte im gleichen Zeitraum eine Rendite von 9 Prozent – oder rund 39 Prozent auf annualisierter Basis. Aktien sind damit klar im Vorteil, doch Experten warnen vor überzogenen Bewertungen. Die jüngste Umfrage der Bank of America unter globalen Fondsmanagern ergab, dass Anleger bei Anleihen so stark untergewichtet sind wie seit Juni 2022 nicht mehr.

„Wenn man sich weltweit umschaut, wirken die Rentenmärkte sehr attraktiv; das gilt auch für Regionen, die historisch gesehen nicht übermäßig attraktiv waren, wie Europa und Japan", sagte Konstantin Veit, Portfoliomanager beim weltgrößten Anleiheinvestor PIMCO. „Es ist schwer zu argumentieren, dass Aktien derzeit sehr überzeugend wirken", fügte er hinzu.

Renditen auf Mehrjahreshochs – Einstiegschance für Anleger?

Die gestiegenen Renditen machen Anleihen aus Bewertungssicht so günstig wie seit Jahren nicht mehr. Bundesanleihen rentieren mit 3,1 Prozent nahe einem 15-Jahres-Hoch. Noch markanter ist die Entwicklung in Japan: 10-jährige japanische Staatsanleihen werfen mit 2,6 Prozent so viel ab wie seit fast 30 Jahren nicht mehr.

Das Glattstellen einer Short-Position in festverzinslichen Wertpapieren würde derzeit als sogenannter Contrarian-Trade gelten – also als Wette gegen den Markttrend. Doch genau solche Gegenpositionen können sich auszahlen, wenn sich die Stimmung dreht.

Entscheidend für die weitere Entwicklung ist die Straße von Hormus. Über diesen Engpass werden rund 20 Prozent des täglichen weltweiten Treibstoffbedarfs abgewickelt. Sollte sie wieder geöffnet werden, könnten sich aktuelle Wetten auf Zinserhöhungen auflösen – was Anleihen zugutekäme. Bleibt sie hingegen lange geschlossen und gefährdet das Weltwirtschaftswachstum, könnten Anleihen ebenfalls profitieren.

Die Strategen der HSBC Private Bank schrieben in ihrem Ausblick zur Jahresmitte Ende Mai: „Die Inflation schlägt sich bereits in den globalen Daten nieder, wobei das Risiko von Zweitrundeneffekten über Lieferketten und Inputkosten besteht. Wachstumsrisiken scheinen jedoch noch nicht vollständig eingepreist zu sein, was bedeutet, dass die Anleiherenditen wieder sinken könnten, sobald die Inflationsängste ihren Höhepunkt erreicht haben."

Ölpreisschock als möglicher Katalysator

Eine weitere Eskalation des Konflikts könnte den Ölpreis weit über 100 US-Dollar pro Barrel treiben. Andrew Sheets, globaler Leiter der Rentenforschung bei Morgan Stanley, sieht darin einen möglichen Wendepunkt für Anleihen: „Obwohl die Diversifizierung durch Anleihen bisher enttäuschend war, glauben wir, dass sie sich verbessern und dann zum Tragen kommen wird, wenn es wirklich darauf ankommt."

Sheets ergänzte: „Sollte der Ölpreis im Bear-Case-Szenario unseres Rohstoffteams auf 130 bis 150 US-Dollar pro Barrel steigen, gehen wir davon aus, dass die Renditen zu sinken beginnen, da sich die Märkte stärker um die Auswirkungen auf das Wachstum sorgen werden."

Neben dem Ölmarkt rücken auch andere geopolitische Risiken in den Fokus. Yoram Lustig, Leiter der globalen Investmentlösungen für EMEA bei T. Rowe Price, warnte vor den Folgen möglicher Lieferkettenstörungen: „Ein geopolitisches Ereignis, das die Produktion von Halbleitern beeinträchtigt, wird massive Auswirkungen auf die Finanzmärkte haben" – mit dem Technologiesektor an vorderster Front. Steigende Spannungen rund um Taiwan oder erneute Konflikte zwischen den USA und China könnten Engpässe bei kritischen Vorprodukten wie Seltenerdmetallen oder Chips auslösen und die Unternehmensgewinne empfindlich treffen.

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