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Anleihenmarkt sendet Warnsignal für den Aktienmarkt

Hochzinsanleihen schwächeln, die zweijährige US-Rendite klettert auf Jahreshöchststände – Experten mahnen Aktienanleger zur Vorsicht.

Anleihenmarkt sendet Warnsignal für den Aktienmarkt

Der Anleihenmarkt sendet zunehmend Warnsignale für Aktienanleger. Hochzinsanleihen, gemessen am iShares iBoxx $ High Yield Corporate Bond ETF (HYG), verzeichnen im laufenden Monat ein Minus von fast 1%. Damit steuert der ETF auf den dritten monatlichen Rückgang in Folge und den fünften in den letzten sechs Monaten zu.

Diese anhaltende Schwäche fällt in eine Phase, in der auch der Aktienmarkt unter Druck steht. Der S&P 500 ist um mehr als 2% gefallen, seit er Anfang Juni ein Intraday-Allzeithoch erreichte. Zwar verharrt der US-Leitindex noch in der Nähe dieser Niveaus, doch die Anleger schichten ihre Mittel zunehmend innerhalb des Marktes um.

Experten warnen vor „großem Topping-Prozess"

Rob Ginsberg, technischer Stratege bei Wolfe Research, schlägt angesichts der Schwäche bei Hochzins-Unternehmensanleihen Alarm. „Der Anleihenmarkt wirkt besorgt", schrieb er an seine Kunden. Er fügte hinzu, dass der Chart des HYG „sicherlich beginnt, wie ein großer Topping-Prozess auszusehen". Die Tiefststände vom März rücken für den HYG wieder ins Blickfeld, da der Druck auf den Anleihenmarkt zunimmt.

Als wesentlicher Treiber dieser Entwicklung gilt der anhaltende Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Dieser schürt die Sorge vor einer dauerhaft hohen Inflation und weckt Befürchtungen, dass die US-Notenbank Federal Reserve die Zinsen weiter anheben könnte. Das FedWatch-Tool der CME Group zeigt, dass Fed-Funds-Futures aktuell eine Wahrscheinlichkeit von 34% einpreisen, dass die Fed ihren Leitzins bei der geldpolitischen Sitzung in dieser Woche anheben wird. Vor einer Woche lag dieser Wert noch bei lediglich 16% – ein deutlicher Anstieg der Zinserwartungen innerhalb kürzester Zeit.

Zweijährige US-Rendite auf Jahreshöchststand

Auch US-Staatsanleihen belasten die Aktienmärkte spürbar. Jessica Inskip, Direktorin für Investorenforschung bei StockBrokers.com, wies darauf hin, dass der S&P 500 Schwierigkeiten habe, auf neue Höchststände auszubrechen, solange die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen auf neue Jahreshöchststände klettert. Zur Erinnerung: Renditen und Anleihekurse entwickeln sich gegenläufig – steigende Renditen signalisieren fallende Kurse und damit höhere Finanzierungskosten.

Die zweijährige US-Rendite erreichte in der vergangenen Woche einen Höchststand von über 4,3% und verharrte am Montag bei rund 4,322%. Inskip erklärte in der CNBC-Sendung „Morning Call": „Die Begründung liegt vor allem beim Öl und den kurzfristigen Inflationserwartungen, die auf die Märkte durchschlagen. Unabhängig von guten Gewinnen ist es daher unmöglich, weiter zu steigen, wenn [die zweijährige Rendite] beginnt, neue Höchststände zu erreichen."

Für deutsche Anleger ist die Entwicklung am US-Anleihenmarkt besonders relevant, da die Wall Street als globaler Taktgeber gilt. Steigende US-Renditen und eine mögliche weitere Zinserhöhung der Fed können auch europäische Märkte unter Druck setzen und die Risikobereitschaft der Investoren weltweit dämpfen. Die kommende Fed-Sitzung dürfte daher auch hierzulande mit Spannung verfolgt werden.

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