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Anleiherenditen auf Rekordhoch setzen globale Aktienmärkte unter Druck

Ein weltweiter Ausverkauf am Anleihenmarkt treibt Renditen auf historische Höchststände und belastet Aktien – besonders den Technologiesektor.

Anleiherenditen auf Rekordhoch setzen globale Aktienmärkte unter Druck

Die globalen Aktienmärkte gerieten am Montag unter erheblichen Druck, nachdem ein sich verschärfender Ausverkauf am weltweiten Anleihenmarkt die Renditen auf historische Höchststände trieb. Besonders der Technologiesektor litt: Der Philadelphia-Halbleiterindex verlor 2,5 Prozent, Micron Technology brach um 6 Prozent ein, und auch Nvidia gab 1,3 Prozent nach – kurz vor dem mit Spannung erwarteten Quartalsbericht des KI-Chipherstellers im weiteren Wochenverlauf.

An den Aktienmärkten zeigte sich ein gemischtes Bild. In Asien verloren Japan rund 1 Prozent und Australien sogar 1,5 Prozent. Europäische Märkte konnten sich dagegen behaupten: Großbritannien legte 1 Prozent zu, Europa insgesamt 0,5 Prozent. In den USA schlossen S&P 500 und Nasdaq im Minus, während der Dow Jones ein Plus von 0,3 Prozent verbuchen konnte. Auf Sektorebene fielen vier der elf S&P-500-Sektoren, sieben stiegen. Technologie verlor 1 Prozent, während Energie um 1,8 Prozent zulegte. Dominion Energy gewann 9,5 Prozent, 3M stieg um 4 Prozent.

Anleiherenditen auf Jahrzehnte-Hochs

Der eigentliche Schock kam vom Anleihenmarkt. Die Rendite 30-jähriger japanischer Staatsanleihen (JGB) erreichte den höchsten Stand aller Zeiten. Die Rendite 30-jähriger deutscher Bundesanleihen kletterte auf den höchsten Stand seit 2011, und die Rendite 30-jähriger britischer Gilts stieg auf das höchste Niveau seit 1998. US-Treasuries schlossen dagegen relativ unverändert, nachdem sie zuvor ebenfalls neue Hochs markiert hatten.

Die steigenden Renditen signalisieren, dass Investoren die Inflationsaussichten zunehmend pessimistisch einschätzen. Am kurzen Ende der Zinskurve verstärken sich die Erwartungen an Zinserhöhungen, während am langen Ende die Inflationserwartungen Gefahr laufen, sich zu entkoppeln. Die Mischung aus Energieschock, Angebotsengpässen und fiskalischen Sorgen belastet die Märkte erheblich. Zentralbanken weltweit stehen vor dem Problem negativer Realzinsen – ein stark stimulierender Effekt, der angesichts anziehender Inflation das Letzte ist, was die Währungshüter gebrauchen können.

Schwache Wirtschaftsdaten aus China

Zusätzlichen Gegenwind lieferten die chinesischen Wirtschaftsdaten für April. Laut Barclays stellten sie einen „besonders besorgniserregenden Realitätscheck" dar. Einzelhandelsumsätze, Industrieproduktion und Kreditnachfrage blieben allesamt hinter den Erwartungen zurück. Die Ökonomen von Barclays identifizierten drei zentrale Problembereiche: die sich verlangsamende Industrieproduktion trotz starken Exportwachstums, die deutliche Verschlechterung des privaten Konsums sowie die zunehmende Entschuldung der privaten Haushalte, die zu den größten Nettokreditrückzahlungen seit Beginn der Aufzeichnungen führte.

Der anhaltende Iran-Krieg belastet die Unternehmensgewinne zusätzlich. Eine Reuters-Analyse von 279 Unternehmensberichten aus den USA, Europa und Asien ergab, dass die Kosten für Unternehmen bereits mindestens 25 Milliarden US-Dollar erreicht haben – und weiter steigen. Zum Vergleich: Durch die Zölle von Präsident Donald Trump hatten hunderte Unternehmen bis zum vergangenen Oktober Kosten von mehr als 35 Milliarden US-Dollar für 2025 gemeldet. Zusammen mit den steigenden Anleiherenditen gerät die Rentabilität der Unternehmen damit von mehreren Seiten gleichzeitig unter Druck.

Devisen und Rohstoffe im Überblick

Am Devisenmarkt erreichte der Dollar-Index zunächst ein 6-Wochen-Hoch, schloss dann aber zum ersten Mal seit sechs Tagen niedriger. Das Pfund Sterling entwickelte sich als größter Gewinner unter den G10-Währungen. Bitcoin fiel den vierten Tag in Folge. Bei den Rohstoffen legte Öl zu, Gold gewann 0,5 Prozent.

Für den weiteren Wochenverlauf richten sich die Blicke der Anleger auf mehrere wichtige Ereignisse: Entwicklungen im Nahen Osten, Reden von EZB-Vertretern Philip Lane und Claudia Buch sowie Aussagen mehrerer Fed-Gouverneure, darunter Christopher Waller. Im Mittelpunkt dürfte jedoch der Quartalsbericht von Nvidia stehen, der als Stimmungstest für die gesamte KI-Rally gilt.

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