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Anthropic wirft Alibaba illegalen Diebstahl von KI-Fähigkeiten vor

Fast 29 Millionen Interaktionen über Tausende betrügerischer Konten: Anthropic beschuldigt Alibaba der größten KI-Extraktionskampagne aller Zeiten.

Anthropic wirft Alibaba illegalen Diebstahl von KI-Fähigkeiten vor

Der US-amerikanische KI-Entwickler Anthropic hat dem chinesischen Technologie- und E-Commerce-Konzern Alibaba schwere Vorwürfe gemacht. In einem Brief an zwei US-Senatoren beschuldigt das in San Francisco ansässige Unternehmen Alibaba, die Fähigkeiten seines KI-Modells Claude „dreist" und „illegal" extrahiert zu haben. Der auf den 10. Juni datierte Brief richtet sich an die Senatoren Tim Scott und Elizabeth Warren.

Laut Anthropic führten mit Alibaba verbundene Akteure fast 29 Millionen Interaktionen mit Claude über Tausende von betrügerischen Konten durch. Das Unternehmen bezeichnet dies als „die größte Kampagne zur illegalen Extraktion der Fähigkeiten von Claude", die je dokumentiert wurde. Die BBC hat Alibaba um eine Stellungnahme gebeten und weitere Details von Anthropic angefordert.

So funktionieren sogenannte Distillation-Angriffe

Die Kampagne erfolgte laut Anthropic durch sogenannte „Distillation-Angriffe". Dabei werden Antworten eines leistungsstärkeren KI-Modells systematisch extrahiert, um damit ein schwächeres Modell zu trainieren. Ziel ist es, die Fähigkeiten des überlegenen Modells kostengünstig zu kopieren, ohne die enormen Investitionen in Forschung und Entwicklung selbst tätigen zu müssen.

Die mit Alibaba verbundenen Akteure hätten es dabei gezielt auf die wertvollsten Fähigkeiten von Claude abgesehen, darunter die Bewältigung längerer und komplexerer Aufgaben sowie die Entscheidungsfindung. Diese Art von Angriffen werde in „industriellem Maßstab" durchgeführt, um es chinesischen Unternehmen zu ermöglichen, US-KI-Fähigkeiten zu ernten und als ihre eigenen neu zu verpacken, so Anthropic.

„Distillation-Angriffe verwandeln hunderte Milliarden US-Dollar an amerikanischen Investitionen sowie Forschung und Entwicklung in eine massive Subvention für unsere geopolitischen Konkurrenten", heißt es in dem Schreiben. Anthropic forderte den Kongress auf, Unternehmen zu bestrafen, die hinter solchen Angriffen stehen, und die Maßnahmen zum Schutz von US-Technologie zu verstärken.

Militärische Verbindungen und Pentagon-Schwarzliste

Der Brief enthält zudem weitere angebliche Angriffe, die laut Anthropic eine Bedrohung für das US-Militär darstellen. Das Unternehmen verwies auf Behauptungen des US-Verteidigungsministeriums, wonach Alibaba sowie weitere große Firmen wie der Automobilhersteller BYD und das Technologieunternehmen Baidu Verbindungen zum chinesischen Militär unterhalten sollen. Die betroffenen Unternehmen haben derartige Anschuldigungen zurückgewiesen. Alibaba hat diese Woche sogar die US-Regierung verklagt, um von der schwarzen Liste des Pentagons gestrichen zu werden.

Anthropic ist nicht das erste US-Unternehmen, das chinesische Konkurrenten solcher Praktiken beschuldigt. Auch OpenAI, der Entwickler von ChatGPT, hat chinesischen Gruppen bereits früher vorgeworfen, dieselbe Methode anzuwenden, um eigene Modelle zu trainieren und so mit amerikanischer KI-Technologie zu einem Bruchteil der Kosten zu konkurrieren.

Anthropic selbst steht vor gewaltigem Börsengang

Anthropic zählt zu den führenden KI-Entwicklern weltweit und bereitet sich gemeinsam mit OpenAI auf einen spektakulären Börsengang vor, der das Unternehmen zu einem der wertvollsten der Welt machen könnte. Für deutsche Anleger ist das Unternehmen damit zunehmend relevant, auch wenn es bislang nicht an einer europäischen Börse notiert ist.

Alibaba hingegen ist an der New Yorker Börse notiert und für internationale Investoren direkt handelbar. Die aktuellen Vorwürfe dürften das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen US-amerikanischen und chinesischen Technologieunternehmen weiter belasten und könnten regulatorische Konsequenzen nach sich ziehen.

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