Anthropics Börsengang wird erster großer Test für KI-Bewertungen
Mit einer Bewertung von fast einer Billion Dollar testet Anthropic den Appetit der öffentlichen Märkte auf reine KI-Unternehmen.

Anthropic hat in dieser Woche einen entscheidenden Schritt in Richtung Börsengang unternommen und damit den Wettlauf mit Rivale OpenAI eröffnet. Das KI-Unternehmen reichte am Montag vertraulich seinen Börsenprospekt bei der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC ein. Die Notierung gilt als erster großer Prüfstein dafür, wie viel Anleger bereit sind, für reine „Frontier AI"-Unternehmen zu zahlen.
Anthropic erreichte Ende Mai eine Bewertung von 965 Milliarden US-Dollar und meldete eine annualisierte Umsatzrate (Revenue Run Rate) von 47 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen versucht damit offenbar, das enorme Momentum der vergangenen Monate zu nutzen. Die vertrauliche SEC-Einreichung krönte einige bemerkenswerte Monate für Anthropic, nachdem es im Februar zu einer sehr öffentlichen Auseinandersetzung mit dem US-Verteidigungsministerium gekommen war.
Milliardenbewertungen auf dem Prüfstand
Gil Luria, Leiter der Technologieanalyse bei D. A. Davidson, erklärte gegenüber CNBC, dass das beispiellose Wachstum von Anthropic die hohe Bewertung stütze. Er fügte hinzu, dass das Unternehmen im Markt für Frontier-KI-Modelle „die Nase vorn zu haben scheint". Gleichzeitig warnte er jedoch: Mehrere sehr gut finanzierte Wettbewerber – darunter Google, Meta, OpenAI und SpaceX – könnten diesen Vorsprung zunichtemachen.
Luria äußerte zudem Bedenken hinsichtlich der Nachhaltigkeit der aktuellen Nutzung: „Ein Großteil der derzeitigen Nutzung entfällt auf Tests und Experimente, und das ist möglicherweise nicht von Dauer." Für Anleger ist das eine wichtige Einschränkung, denn die Kosten für die Bereitstellung von KI-Diensten sind astronomisch hoch. Entscheidend ist daher der Prozentsatz des Umsatzes, der nach Abzug dieser Kosten verbleibt – eine Kennzahl, die über die langfristige Profitabilität entscheidet.
Der Börsengang von Anthropic wird zusammen mit dem von SpaceX weitreichende Auswirkungen über das einzelne Unternehmen hinaus haben. SpaceX legte den Preis für seinen Börsengang auf 135 US-Dollar pro Aktie fest, was dem Unternehmen eine Rekordbewertung von 1,77 Billionen US-Dollar beschert. Laut Marktbeobachter Rolfes wird der kombinierte Antrag beider Unternehmen wahrscheinlich die größte Kapitalmenge sein, die jemals gleichzeitig an den Markt gebracht wurde.
Weitere Nachrichten aus der Tech- und KI-Welt
Neben den aufsehenerregenden Börsengängen gab es in dieser Woche weitere bedeutende Entwicklungen im Technologiesektor. Anthropic gab bekannt, dass weitere 150 Partner Zugang zu Mythos erhalten werden – seinem leistungsstarken KI-Modell, das sich als fähig erwiesen hat, Software-Schwachstellen zu finden. Das Fintech-Startup Ramp, das Unternehmen bei der Kontrolle ihrer KI-Ausgaben unterstützt, wird nun mit 44 Milliarden US-Dollar bewertet.
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Zur AktienanalyseDie Aktie von Broadcom brach am Donnerstag ein, nachdem das Unternehmen für sein zweites Geschäftsquartal einen hinter den Erwartungen zurückbleibenden Umsatz gemeldet hatte. Anleger hatten eine stärkere KI-Prognose erwartet. Der Hersteller maßgeschneiderter KI-Chips löste damit einen breiten Ausverkauf im Halbleitersektor aus.
Auf politischer Ebene schlug die Europäische Kommission am Mittwoch eine Reihe von Maßnahmen vor, um heimische Chips, KI- und Cloud-Dienste zu stärken. Der Hintergrund: Europa ringt angesichts massiver Abhängigkeit von US-amerikanischen und chinesischen Produkten und Dienstleistungen um technologische Souveränität. Uber wiederum strich 23 Prozent der Stellen in seiner Personalabteilung, um unter der Leitung der neuen Präsidentin Jill Hazelbaker die Betriebsabläufe zu rationalisieren.


