Apple enttäuscht mit Prognose – Lieferkettenprobleme belasten Ausblick
Lieferengpässe bei Chips drücken Apples Quartalsprognose unter Wall-Street-Erwartungen – Aktie fällt nachbörslich um 5,5 Prozent.

Apple hat für das laufende, im September endende Quartal ein Umsatzwachstum von 9% bis 11% im Vergleich zum Vorjahr in Aussicht gestellt. Das liegt deutlich unter den Erwartungen der Wall Street, die einen Anstieg von 12% prognostiziert hatte. Die Aktie des iPhone-Herstellers reagierte prompt und fiel im nachbörslichen Handel um 5,5%.
Finanzvorstand Kevan Parekh erläuterte Analysten in einer Telefonkonferenz, dass der iPhone-Umsatz mit einer Rate im mittleren Zehnerbereich wachsen soll – weit entfernt vom Wall-Street-Ziel von 17,6%. Die Bruttomargen sollen sich laut Prognose zwischen 47% und 48% bewegen.
Lieferkette als Hauptproblem – nicht die Nachfrage
Apple-Chef Tim Cook machte unmissverständlich klar, dass nicht eine schwächelnde Nachfrage hinter der verhaltenen Prognose steckt, sondern Engpässe in der Lieferkette. „Wir sehen derzeit einige sehr erhebliche Beschränkungen bei begrenzter Flexibilität in der Lieferkette, um dem entgegenzuwirken", sagte Cook während der Telefonkonferenz. Er fügte hinzu, dass Apple „alle Optionen" für alternative Lieferanten von Speicherchips prüfe.
Im Interview mit Reuters konkretisierte Cook das Problem: Der Hauptengpass im gerade abgelaufenen dritten Geschäftsquartal sei ein branchenweiter Mangel an fortschrittlicher Chiptechnologie gewesen – jener Technologie, die für die Apple-Silicon-Chips im Zentrum seiner Geräte verwendet wird. „Wenn man sich die Ursachen ansieht, liegt es daran, dass wir einen unglaublich starken Produktzyklus haben, der unsere Erwartungen übertrifft, und die Lieferkette schlichtweg weniger Flexibilität aufweist, um die hohe Nachfrage zu bedienen", so Cook.
Apple ist dabei kein Einzelfall. Die gesamte Technologiebranche kämpft derzeit darum, die Nachfrage nach neuen Produkten zu decken – insbesondere nach solchen mit High-End-Prozessoren und modernen Speicherlösungen. Die Engpässe betreffen damit ein strukturelles Problem, das über das einzelne Unternehmen hinausgeht.
Starke Quartalszahlen trotz trüber Prognose
Trotz des enttäuschenden Ausblicks lieferte Apple für das abgelaufene dritte Geschäftsquartal, das am 27. Juni endete, starke Zahlen. Der Umsatz stieg um 16,4% auf 109,42 Milliarden US-Dollar – und übertraf damit die Analystenschätzungen, die einen Anstieg von 15,5% erwartet hatten.
Besonders die Mac-Sparte glänzte: Deren Umsatz legte trotz Preiserhöhungen um beeindruckende 29% zu. Als Treiber nannte Cook die Stärke des MacBook Neo für Einsteiger sowie des High-End-Modells MacBook Pro. Auch hier war der Engpass bei fortschrittlichen Chips spürbar – die Nachfrage überstieg die verfügbaren Kapazitäten.
Dennoch verunsicherten einige Anleger die relativ schwachen Umsätze im Dienstleistungsbereich. Zudem wächst die Skepsis, ob die enorme Nachfrage anhalten würde, falls Apple die iPhone-Preise weiter erhöht.
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Zur AktienanalyseHohe Erwartungen nach Rückkehr an die Weltspitze
Die Messlatte für Apple liegt derzeit besonders hoch. Das Unternehmen hat kürzlich den Titel als wertvollstes Unternehmen der Welt vom KI-Chip-Marktführer Nvidia zurückerobert. Die Apple-Aktie ist im laufenden Jahr bereits um mehr als 22% gestiegen – ein Kursanstieg, der entsprechend hohe Erwartungen an Wachstum und Lieferfähigkeit schürt.
Für deutsche Anleger bleibt Apple damit ein zweischneidiges Schwert: Starke Fundamentaldaten und ein robuster Produktzyklus stehen einem strukturellen Lieferproblem gegenüber, das kurzfristig auf die Wachstumsdynamik drückt.


