Archer Aviation: Boeing-Deal treibt Aktie um 50 Prozent
Nach starkem Kursrückgang dreht das Momentum bei Archer Aviation – dank einer strategischen Partnerschaft mit Boeing und neuen Verteidigungsaufträgen.

Archer Aviation (ACHR) erlebt eine bemerkenswerte Kurserholung. Die Aktie des eVTOL-Unternehmens – eVTOL steht für elektrische senkrechtstartende und -landende Flugzeuge – stieg innerhalb eines Monats von rund 4,50 US-Dollar auf knapp 7 US-Dollar. Das entspricht einem Kursanstieg von rund 50 Prozent. Auslöser ist eine weitreichende Partnerschaft mit dem Luftfahrtkonzern Boeing.
Im Rahmen der Vereinbarung überträgt Boeing drei seiner Tochtergesellschaften an Archer Aviation: Wisk, Skygrid und Insitu. Diese Unternehmen sind in den Bereichen fortschrittliches Flugverkehrsmanagement, Drohnentechnologie und eVTOL-Entwicklung tätig. Im Gegenzug erhält Boeing 20 Prozent der ausstehenden Stammaktien von Archer sowie Warrants – also Optionsscheine – zum Erwerb weiterer Anteile, sofern der Aktienkurs von Archer steigt.
Boeing-Partnerschaft: Strategischer Meilenstein für Archer
Für Archer bedeutet das Geschäft mit Boeing vor allem eines: erste Umsätze in der Gewinn- und Verlustrechnung. Das Unternehmen befindet sich mit seinen eVTOL-Ambitionen bislang noch in der Vorkommerzialisierungsphase und hat noch keine nennenswerten Erlöse erzielt. Die Unterstützung durch Boeing soll Archer dabei helfen, seine Technologie für den städtischen Luftverkehr in bestehende weltweite Luftfahrt-Ökosysteme zu integrieren.
Die Bedeutung eines solchen Partners ist kaum zu unterschätzen. Boeing verfügt über jahrzehntelange Erfahrung in der Zertifizierung von Luftfahrzeugen, enge Beziehungen zu Regulierungsbehörden weltweit und ein etabliertes Netzwerk in der Luftfahrtindustrie. Für ein junges Unternehmen wie Archer kann dieser Rückhalt entscheidend sein, um die komplexen Zulassungsprozesse zu navigieren.
Zusätzlich zum Boeing-Deal gab Archer im Juli bekannt, dass Anduril Technologies – ein Start-up im Bereich Verteidigungsgüter – gemeinsam mit Archer an einem verteidigungsorientierten eVTOL-Produkt arbeiten wird. Dieser Fokus auf Verteidigungsaufträge stimmt viele Anleger optimistisch. Der Grund: Der Weg zur kommerziellen Nutzung von eVTOLs im militärischen Bereich gilt als deutlich direkter und weniger regulatorisch aufwendig als im zivilen städtischen Luftverkehr.
Hohe Bewertung trifft auf massiven Kapitalbedarf
Trotz der positiven Nachrichten mahnen Analysten zur Vorsicht. Nach dem Kurssprung beläuft sich die Marktkapitalisierung von Archer auf rund 5,2 Milliarden US-Dollar – und das bei einem Unternehmen, das noch kaum Umsatz generiert. Hinzu kommt, dass die Boeing-Übernahme von Anteilen die bestehenden Aktionäre weiter verwässert.
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Zur AktienanalyseDer freie Cashflow von Archer belief sich in den vergangenen zwölf Monaten bei nahezu null Umsatz auf minus 615 Millionen US-Dollar. Das Unternehmen verbrennt also erhebliche Mengen an Kapital, ohne ein von Regulierungsbehörden zugelassenes Produkt vorweisen zu können. Experten gehen davon aus, dass Archer in den kommenden Jahren weiteres Kapital aufnehmen muss, da Verluste anhalten werden, während Flugzeugzertifizierungen und der Hochlauf der Fertigung voranschreiten.
Auch wenn Boeing Archer beim Wachstum helfen könnte, bleibt die Bewertung der Aktie eine große Herausforderung. Ein Unternehmen, das so viel Kapital verbrennt und noch kein regulatorisch zugelassenes Produkt hat, birgt erhebliche Risiken für Anleger. Die Empfehlung lautet daher vorerst klar: Das Risiko eines Kaufs von Archer-Aviation-Aktien sollte vermieden werden – zumindest bis das Unternehmen greifbare Fortschritte bei Zertifizierung und Umsatzgenerierung vorweisen kann.


