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Arla und DMK fusionieren: Europas größtes Molkerei-Imperium entsteht

Die EU-Kommission genehmigt den Zusammenschluss – ein Konzern mit über 20 Milliarden Euro Jahresumsatz entsteht.

Der Milchkonsum in Deutschland sinkt seit Jahren. Trank ein Deutscher vor 20 Jahren noch durchschnittlich 52 Liter Milch pro Jahr, waren es 2025 nur noch 45 Liter. Doch die Branche ist keineswegs am Ende: Verarbeitete Milchprodukte wie Käse, Quark, Kefir und Skyr gewinnen an Beliebtheit. Noch dynamischer wächst der Markt für Proteinpulver auf Molkebasis – ein Trend, den zwei europäische Molkereiriesen früh erkannt haben.

Die deutsche DMK Group und der dänisch-schwedische Konzern Arla Foods arbeiten bereits seit 2014 zusammen. Damals gründeten sie das Joint Venture Arnoco zur Herstellung von Molkespezialitäten wie Milchprotein – jeweils mit einem Anteil von 50 Prozent. Produziert wird in Nordhackstedt nahe der dänischen Grenze, direkt neben einer DMK-Mozzarellafabrik. Die bei der Käseproduktion anfallende Molke liefert DMK an Arnoco, wo sie mithilfe von Arlas Technologie zu Milchprotein und Lactose weiterverarbeitet wird.

Fusion genehmigt: Ein Gigant mit 20 Milliarden Euro Umsatz

Was als Kooperation begann, wird nun zur vollständigen Fusion. Seit Donnerstagabend ist der Zusammenschluss offiziell – nach einem Jahr Planung und grünem Licht von der EU-Kommission. Unter dem Namen Arla entsteht die größte Molkereigenossenschaft Europas mit einem Jahresumsatz von mehr als 20 Milliarden Euro, rund 11.200 Landwirten und 28.800 Mitarbeitern in sieben Ländern.

Zum Portfolio gehören bekannte Marken wie Milram, Buko, Humana, Osterland und Alete sowie zahlreiche Handelsmarken. An der Spitze des fusionierten Unternehmens steht der bisherige Arla-Chef Peder Tuborg, während DMK-Chef Ingo Müller in die Arla-Geschäftsleitung einzieht. Der Hauptsitz des neuen Konzerns soll im dänischen Viby angesiedelt sein. Zum 1. Juni tritt der Zusammenschluss in Kraft – DMK wird zunächst als Tochtergesellschaft integriert und schrittweise eingegliedert.

Das strategische Herzstück des Deals ist das Proteingeschäft. Werner Motyka, Lebensmittelexperte der Beratungsfirma Munich Strategy, bringt es auf den Punkt: „Aus Molke produzierte Proteine sind am Milchmarkt derzeit die Lizenz zum Gelddrucken. Da geht die Post ab, da wird richtig viel Geld verdient." Arla-Chef Tuborg sieht im Proteinbereich zwar „nur wenige Kostensynergien", dafür aber erhebliche „Innovations- und Wachstumschancen" – und erklärt ihn zum wichtigsten Fokusbereich des neuen Konzerns.

Milliarden-Investitionen geplant – vor allem in Mitteleuropa

Der fusionierte Konzern will seine Investitionen deutlich hochfahren. Derzeit investieren beide Unternehmen zusammen rund 800 Millionen Euro pro Jahr. Tuborg kündigte an, diesen Betrag in den nächsten zwei Jahren schrittweise auf über eine Milliarde Euro zu steigern – ein großer Teil davon soll in Mitteleuropa fließen. Sorgen vor Werksschließungen versuchte der Arla-Chef zu zerstreuen: „Wir haben hier keine Liste von Molkereien, die geschlossen werden müssen – ganz und gar nicht." Optimierungen wie die Verlagerung von Anlagen oder der Aufbau von Kompetenzzentren seien jedoch möglich.

Kritik kommt dennoch aus der Branche. Karsten Hansen, Vorsitzender des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter, bezeichnete die Fusion als „weiteren Schritt hin zu einem oligopolistischen Markt". Die versprochene Stärkung des Wettbewerbs sei eine Illusion – in Wahrheit entstehe eine Machtkonzentration, die es wenigen großen Unternehmen erlaube, die Bedingungen zu diktieren. Auch der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels warnte: Gemeinsam würden DMK und Arla in Deutschland mehr Rohmilch aufnehmen als die drei nächstgrößeren Molkereien zusammen.

EU-Kommission sieht keinen Wettbewerbsschaden

Die EU-Kommission ließ diese Bedenken nicht gelten und genehmigte die Fusion ohne Auflagen. Geprüft wurden die Folgen für die Rohmilchbeschaffung sowie die Belieferung von Einzel- und Großhändlern in Dänemark, Finnland, Deutschland, den Niederlanden und Schweden. Das Ergebnis: Der Wettbewerb werde durch den Zusammenschluss nicht erheblich geschwächt. Ausschlaggebend war unter anderem die Genossenschaftsstruktur – Arla ist verpflichtet, die gesamte Milch seiner Mitglieder abzunehmen und allen Landwirten denselben Preis zu zahlen, unabhängig vom Standort.

Die Fusion fällt in eine angespannte Phase am Milchmarkt. Lange lagen die Preise auf historischem Höchststand, doch das hat sich gedreht. Bernhard Pointner, Geschäftsführer der Molkerei Berchtesgadener Land, spricht von einem „toxischen Cocktail": Hohes Angebot trifft auf schwache Nachfrage – nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. In China bremst die schwächelnde Wirtschaft den Konsum, in den USA hat die stark geförderte Landwirtschaft aktuell selbst so viel Milch, dass kaum noch Importe nötig sind.

Die Folge: „Wir haben zu viel Milch. Und wie alles, was im Überfluss vorhanden ist, ist sie nicht viel wert", so Pointner. Der Milchpreis habe sich inzwischen halbiert. Kleinere Molkereien leiden besonders: Überschüsse müssten zu „lächerlichen Preisen im Tankzug nach Italien verkauft" werden. Die zunehmende Marktkonzentration verschärfe den Druck zusätzlich. Berater Motyka rechnet mit Nachahmern: „Eine Elefantenhochzeit wie diese ist ein Signal, das man nicht unterschätzen sollte."

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