Asiens Kraftkohle-Importe erreichen Sechsmonatshoch im Juni
China, Japan und Südkorea treiben Asiens Kohlenachfrage auf den höchsten Stand seit sechs Monaten – mit einem Jahresplus von 22,3 Prozent.

Asiens Importe von Kraftkohle auf dem Seeweg erholen sich deutlich. Für Juni prognostiziert das Rohstoffanalysehaus Kpler Ankünfte von 77,37 Millionen Tonnen – der höchste Stand seit sechs Monaten. Im Vergleich zum Mai (68,39 Millionen Tonnen) entspricht das einem kräftigen Anstieg, und gegenüber dem Vorjahresmonat (63,24 Millionen Tonnen) liegt das Plus bei robusten 22,3 Prozent. Treiber dieser Entwicklung sind drei der weltgrößten Energieverbraucher: China, Japan und Südkorea.
Die Hintergründe für den Anstieg sind dabei unterschiedlich. Japan und Südkorea reagieren auf die Folgen des US-israelischen Angriffs auf den Iran vom 28. Februar, der die Straße von Hormus faktisch blockierte. Dadurch wurden rund 20 Prozent des weltweiten LNG-Angebots – produziert von Katar – vom Markt abgeschnitten. Der Spot-LNG-Preis für Nordasien schnellte daraufhin von 10,40 US-Dollar pro Million britischer Wärmeeinheiten (mmBtu) um 143 Prozent auf ein Hoch von 25,30 US-Dollar bis zum 20. März hoch. Zuletzt notierte er bei 15,30 US-Dollar pro mmBtu – immer noch 47 Prozent über dem Vorkriegsniveau.
Kohle als günstigere Alternative zu LNG
Angesichts dieser Preisentwicklung wechselten Japan und Südkorea verstärkt von LNG auf Kraftkohle. Hochwertige australische Kohle aus dem Hafen Newcastle stieg zwar ebenfalls um 30 Prozent von 115,96 auf ein Hoch von 150,25 US-Dollar pro Tonne Mitte Juni. Zuletzt wurde sie jedoch von globalCOAL mit 134,09 US-Dollar pro Tonne bewertet – ein Plus von 15,7 Prozent gegenüber dem Vorkriegsniveau, aber deutlich moderater als der LNG-Preisanstieg. Kraftkohle erwies sich damit als relativ günstigere Energiequelle, was sich direkt in den Handelsströmen widerspiegelt.
Für Japan, den weltweit drittgrößten Kohleimporteur, prognostiziert Kpler für Juni Ankünfte von 7,82 Millionen Tonnen Kraftkohle – der dritte Anstieg in Folge und ein Plus von 33 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat (5,89 Millionen Tonnen). Südkorea kommt laut Kpler im Juni auf geschätzte 7,30 Millionen Tonnen, den höchsten Stand seit Januar und 41 Prozent mehr als im gleichen Monat des Vorjahres (5,16 Millionen Tonnen).
China kauft wegen schwacher Inlandsproduktion mehr
Chinas steigende Kohleimporte haben andere Ursachen als der Iran-Konflikt. Der weltgrößte Kohleimporteur kämpft mit einer schwächelnden heimischen Produktion bei gleichzeitig steigender Stromnachfrage. Die thermische Stromerzeugung – überwiegend aus Kohle – legte im Mai um 2,1 Prozent zu; in den ersten fünf Monaten des Jahres summierte sich das Plus auf 3,4 Prozent. Gleichzeitig sank die Kohleproduktion im Mai um 1,7 Prozent auf 397,22 Millionen Tonnen, und in den ersten fünf Monaten des Jahres ging sie um 0,3 Prozent auf 1,98 Milliarden Tonnen zurück.
Ein tödlicher Minenunfall mit 82 Opfern löste in China weitreichende Sicherheitsinspektionen aus, was die Produktion zusätzlich drosselte und die Inlandspreise in die Höhe trieb. Kraftkohle in Qinhuangdao erreichte diese Woche mit 860 Yuan (umgerechnet rund 126,28 US-Dollar) pro Tonne den höchsten Stand seit Oktober 2024. Zu diesem Preisniveau sind sowohl indonesische als auch australische Importkohle gegenüber chinesischen Inlandsangeboten wettbewerbsfähig. Kpler prognostiziert für China im Juni Kraftkohle-Ankünfte von 27,65 Millionen Tonnen – ein Sechsmonatshoch und ein Anstieg von 48 Prozent gegenüber dem Juni des Vorjahres (18,62 Millionen Tonnen).
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Zur AktienanalyseIndien bleibt zurückhaltend
Anders als seine Nachbarn steigert Indien seine Kohleimporte nicht. Für Juni werden Ankünfte von 12,32 Millionen Tonnen erwartet – in etwa auf dem Niveau des Vormonats (12,27 Millionen Tonnen), aber unter den 14,14 Millionen Tonnen des Vorjahres. Die höheren Weltmarktpreise dürften indische Stromerzeuger von Mehrkäufen abgehalten haben. Stattdessen greift Indien auf bestehende Kohlelagerbestände zurück und setzt verstärkt auf erneuerbare Energien: Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen stieg im Mai um 29,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat und erreichte mit 17,9 Prozent einen Rekordanteil an der gesamten indischen Stromerzeugung.

