ASML vor Quartalszahlen: KI-Boom, China-Risiken und Kapazitätsgrenzen
Der weltgrößte Chipausrüster ASML legt Quartalszahlen vor – Analysten erwarten starke Ergebnisse und eine Prognoseanhebung.

ASML, das wertvollste börsennotierte Unternehmen Europas, präsentiert am Mittwoch seine Quartalsergebnisse. Mit einer Marktkapitalisierung von 610 Milliarden Euro steht der niederländische Chipausrüster unter besonderer Beobachtung. Investoren wollen wissen, wie das Unternehmen seine anspruchsvolle Bewertung rechtfertigt und mit den wachsenden Exportbeschränkungen gegenüber China umgeht.
Der KI-Boom hat dem ASML-Aktienkurs im laufenden Jahr ein Plus von fast 70 Prozent beschert. Speicherchiphersteller wie SK Hynix, Samsung und Micron bauen ihre Kapazitäten massiv aus. Auch der größte ASML-Kunde TSMC, der Chips für Nvidia fertigt, expandiert weiter – ebenso könnten die Erholung von Intel und Elon Musks TeraFab-Pläne die Nachfrage zusätzlich ankurbeln.
Laut Schätzungen des Datendienstleisters LSEG wird für das zweite Quartal ein Anstieg des Nettogewinns um 8,8 Prozent auf 2,61 Milliarden Euro erwartet. Der Umsatz soll demnach um 14 Prozent auf 8,8 Milliarden Euro zulegen. Besonders im Fokus steht eine mögliche Anhebung der Jahresprognose, die derzeit zwischen 36 und 40 Milliarden Euro liegt.
Analysten erwarten Prognoseanhebung
Mehdi Hosseini, Analyst beim Broker Susquehanna, zeigt sich optimistisch: „Wir erwarten von ASML einen Quartalsbericht, der die Erwartungen übertrifft und mit einer Prognoseanhebung einhergeht." Er ergänzte, dass die Kapazitäten von ASML bis Ende 2027 bereits vollständig ausgebucht sein könnten.
Noch weiter blickt Javier Correonero von Morningstar. Das bisherige Umsatzziel von ASML für 2030 von mindestens 44 Milliarden Euro erscheine mittlerweile übermäßig konservativ. „Es ist sehr realistisch anzunehmen, dass diese Prognose veraltet ist", sagte er. „Ich prognostiziere für 2030 einen Umsatz von 60 Milliarden Euro."
ASML ist der einzige Hersteller von EUV-Lithographiesystemen – jenen gewaltigen Maschinen zum Preis von rund 300 Millionen US-Dollar, die für die Produktion modernster Chips unerlässlich sind. Der Bau einer einzelnen Anlage dauert etwa ein Jahr, was das Expansionstempo der KI-Infrastruktur weltweit bremst. Vorstandschef Christophe Fouquet hatte im April erklärt, ASML tue alles in seiner Macht Stehende, um nicht erneut – wie während der COVID-19-Pandemie – zum Engpass für die gesamte Branche zu werden.
Kapazitätsausbau mit „kreativen Wegen"
ASML plant, in diesem Jahr 60 EUV-Systeme auszuliefern und im nächsten Jahr 80. Theoretisch könnten ohne zusätzliche physische Kapazitäten bis zu 90 Einheiten geliefert werden – Analysten von JPMorgan halten sogar 110 für möglich. „Über die 90 Einheiten hinaus suchen wir nach kreativen Wegen, um unseren Kunden zu helfen", erklärte ASML gegenüber Reuters. Zu den Optionen zählen Upgrades älterer Anlagen sowie eine schnellere Montage und Installation.
Das Unternehmen hat sich zudem zusätzliche Lieferungen von Komponenten mit langen Vorlaufzeiten gesichert – darunter Linsen und Spiegel vom deutschen Zulieferer Zeiss sowie Hochleistungslaser der deutschen Firma Trumpf. „Wir sind bestens darauf vorbereitet, die EUV-Nachfrage von ASML in den nächsten drei Jahren zu bedienen", sagte Trumpf-Sprecher Manuel Thoma. Zeiss lehnte eine Stellungnahme zu den eigenen Kapazitäten ab, hat seine Aktivitäten im Bereich der DUV- und EUV-Optik jedoch ausgeweitet.
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Zur AktienanalyseChina-Risiko und Exportkontrollen belasten den Ausblick
Die Aussichten werden durch einen geplanten US-Gesetzentwurf getrübt, der von US-Verbündeten fordert, sich den Exportkontrollen anzuschließen und Chinas Fähigkeit zur Herstellung fortschrittlicher Chips einzuschränken. ASML wird in der Gesetzgebung explizit genannt. Das Unternehmen betont zwar, keine modernsten EUV-Systeme nach China zu verkaufen. Dennoch wird prognostiziert, dass China in diesem Jahr bis zu 20 Prozent des ASML-Umsatzes ausmachen wird – durch legale Käufe weniger fortschrittlicher DUV-Anlagen für die Automobil-, Industrie- und Elektronikindustrie.
Nicht alle Analysten teilen den Optimismus rund um die ASML-Aktie. KBC-Analyst Thomas Couvreur warnte: „Wir glauben, dass ein Großteil des Aufwärtspotenzials bereits im aktuellen Kurs eingepreist ist, und behalten daher unsere Empfehlung ‚Halten' bei." Die Aktie wird derzeit mit dem 49-fachen der geschätzten Gewinne für 2027 bewertet. ING-Analyst Marc Hesselink sieht hingegen noch Aufholpotenzial, da ASML im bisherigen Jahresverlauf hinter dem Philadelphia Semiconductor Index zurückgeblieben ist: „Starke Ergebnisse in Kombination mit einem weiteren Kapazitätsausbau könnten eine Aufholjagd unterstützen."

