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Atlanta Fed: Inflation zu hoch – Nahostkonflikt beeinflusst Preisdruck

Interimspräsidentin Cheryl Venable warnt vor anhaltend hoher Inflation und sieht geopolitische Risiken als entscheidenden Faktor.

Atlanta Fed: Inflation zu hoch – Nahostkonflikt beeinflusst Preisdruck

Die Interimspräsidentin der Atlanta Fed, Cheryl Venable, hat am Dienstag eine klare Botschaft gesendet: Die Inflation in den USA bleibt zu hoch. Diese Einschätzung stützt sich auf Rückmeldungen von Kontakten aus dem gesamten Südosten der Vereinigten Staaten und wurde in einem von der Atlanta Fed veröffentlichten Aufsatz dargelegt.

Besonders auffällig ist Venables Verknüpfung der Inflationsaussichten mit der geopolitischen Lage im Nahen Osten. Ein mögliches Nachlassen des Preisdrucks sei an „unvorhersehbare geopolitische Ereignisse, insbesondere den Nahostkonflikt", gebunden. Die Abhängigkeit der globalen Energiemärkte von der Stabilität in der Region macht diesen Faktor für die US-Geldpolitik besonders relevant.

„Eine klare Lösung des Krieges würde wahrscheinlich dazu führen, dass Öllieferungen ungehinderter fließen, das Angebot erhöhen und somit die Energiepreise senken", schrieb Venable. Sie ergänzte jedoch: „Anhaltende Spannungen und Konflikte hätten wahrscheinlich den gegenteiligen Effekt." Damit zeichnet sie ein Szenario, in dem die Inflationsentwicklung maßgeblich von Faktoren abhängt, die außerhalb der Kontrolle der US-Notenbank liegen.

Arbeitsmarkt: Stabil, aber mit Besonderheiten

Trotz überraschend schwacher Arbeitsmarktdaten bezeichnete Venable den US-Arbeitsmarkt als „weitgehend stabil". Im Juli bauten Arbeitgeber unerwartet schätzungsweise 23.000 Stellen ab, während die Arbeitslosenquote auf 4,1 Prozent sank – ein scheinbarer Widerspruch, der sich durch einen Rückgang der Arbeitssuchenden um rund 250.000 Personen erklärt.

Venable hob einen strukturellen Wandel hervor, der die traditionellen Maßstäbe für Vollbeschäftigung verändert: die Stagnation der Erwerbsbevölkerung. Als Ursachen nannte sie die restriktive Einwanderungspolitik der Trump-Regierung sowie die Alterung der verbleibenden Bevölkerung – beides Faktoren, die das Arbeitskräfteangebot dauerhaft verknappen.

Dies sei ein „ungewöhnlicher Umstand" für die USA, so Venable. In den vergangenen Jahren hatte Einwanderung eine sinkende Geburtenrate ausgeglichen. Diese Verschiebung „verändert die Formel zur Bestimmung dessen, was Vollbeschäftigung ausmacht", da selbst ein schwaches oder negatives Beschäftigungswachstum nun in der Lage sei, die Arbeitslosenquote zu senken.

Zinsentscheidung im September rückt näher

Venable ist derzeit kein stimmberechtigtes Mitglied im zinspolitischen Ausschuss der Fed (FOMC) und äußerte sich in ihrem Aufsatz bewusst nicht dazu, ob eine Zinserhöhung erforderlich sei. Diese Frage steht jedoch im Mittelpunkt der nächsten Fed-Sitzung am 15. und 16. September.

Zur Erinnerung: Die Fed hatte die Zinsen Ende Juli unverändert gelassen. Allerdings stimmten drei Ausschussmitglieder für eine Zinserhöhung – ein Signal, dass die Debatte innerhalb der Notenbank keineswegs abgeschlossen ist. Für Anleger und Märkte bleibt die Septembersitzung damit ein entscheidender Termin.

Venable selbst bekleidet ihre Position nur interimistisch. Sie führt die Atlanta Fed, während die Suche nach einem dauerhaften Nachfolger für den ehemaligen Präsidenten Raphael Bostic fortgesetzt wird. Trotz ihres vorläufigen Status sendet ihre Analyse klare Signale über die Herausforderungen, mit denen die US-Notenbank derzeit konfrontiert ist: eine hartnäckig hohe Inflation, ein sich strukturell wandelnder Arbeitsmarkt und geopolitische Unsicherheiten, die weit über die Grenzen der USA hinausreichen.

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