Audi-Dieselskandal: Ex-Entwicklungsvorstand Hackenberg weist Betrugsvorwürfe zurück
Verteidigung sieht Mandanten als unwissend über Motorenmanipulation - Schaden von einer Milliarde Euro im Raum

Der frühere Audi-Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg wehrt sich vehement gegen die Anklage im zweiten Dieselskandal-Prozess. Seine Verteidigerin Sabine Stetter kündigte an, die Unschuld ihres Mandanten im Verlauf des Verfahrens zu beweisen. Der Prozess startete am Montag mit der mehrstündigen Verlesung der Anklageschrift.
Insgesamt stehen vier ehemalige Audi-Manager vor Gericht. Neben Hackenberg müssen sich ein weiterer Ex-Vorstand sowie ein Bereichs- und ein früherer Hauptabteilungsleiter verantworten. Allen wird vorgeworfen, in unterschiedlichem Maße an der Entwicklung, Beauftragung oder Duldung manipulierter Dieselmotoren beteiligt gewesen zu sein.
Die manipulierte Software sorgte dafür, dass die Fahrzeuge Abgasvorgaben zwar auf dem Prüfstand erfüllten, im realen Straßenverkehr jedoch deutlich überschritten. Hackenberg soll die Produktion trotz Kenntnis der Manipulationen genehmigt haben - ein Vorwurf, den die Verteidigung entschieden zurückweist.
Verteidigung: Manipulation wurde verheimlicht
Laut Stetter konnte die Staatsanwaltschaft nicht beweisen, dass Hackenberg aus Teilinformationen auf die Manipulation hätte schließen können. "Gegenüber unserem Mandanten wurde die Manipulation bei der Motorentwicklung verborgen, obwohl er für eine offene Kommunikations- und Fehlerkultur plädierte", heißt es in der Stellungnahme. Hackenberg habe aufgrund seiner anderweitigen Spezialisierung und mangelnder Informationen nichts von den Manipulationen gewusst.
Die Dimension des Skandals ist enorm: Bei Hackenberg geht es um etwa 239.000 betroffene Fahrzeuge und einen geschätzten Schaden von rund einer Milliarde Euro. Insgesamt sind bei allen vier Angeklagten sechsstellige Fahrzeugzahlen betroffen - in der Spitze über 430.000 Einheiten. Die Gesamtschäden könnten sich auf mehr als drei Milliarden Euro belaufen.
Folgen des Dieselskandals für VW-Konzern
Der Dieselskandal erschütterte 2015 die gesamte Automobilbranche. Damals wurde bekannt, dass der Volkswagen-Konzern bei Millionen Fahrzeugen illegale Abschalteinrichtungen verwendet hatte. Die Abgasreinigung funktionierte nur auf dem Prüfstand - im normalen Betrieb stießen die Diesel deutlich mehr Schadstoffe aus als zulässig.
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Zur AktienanalyseDas aktuelle Verfahren ist weniger prominent besetzt als der erste Audi-Prozess. Damals wurde Ex-Audi-Chef Rupert Stadler zu einem Jahr und neun Monaten Bewährungsstrafe sowie einer Geldauflage von 1,1 Millionen Euro verurteilt. Das Urteil ist mittlerweile rechtskräftig. Der erste Prozess zog sich über 170 Verhandlungstage, für das aktuelle Verfahren sind bereits 50 Termine angesetzt.
Neben den Münchner Verfahren gab es auch in Braunschweig bereits Urteile gegen VW-Mitarbeiter - teilweise mit Haftstrafen ohne Bewährung. Ein zweiter Prozess läuft dort bereits. Die juristischen Folgen des Dieselskandals werden den VW-Konzern und seine Tochter Audi damit noch Jahre beschäftigen.


