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Aumovio-Chef fordert 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich

Philipp von Hirschheydt schließt sich wachsendem Industriechor an – und hat bei Aumovio bereits erste Schritte umgesetzt.

Aumovio-Chef fordert 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich

Der Ruf aus der deutschen Industrie nach längeren Arbeitszeiten wird lauter. Philipp von Hirschheydt, Vorstandschef des Autozulieferers Aumovio mit weltweit rund 82.000 Beschäftigten, spricht sich in der WirtschaftsWoche klar für eine Ausweitung der Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden aus – und zwar ohne Lohnausgleich. Sein Argument: „Wir müssen die Arbeitskosten in Deutschland senken, um international wieder wettbewerbsfähig zu werden."

Damit reiht sich von Hirschheydt in eine wachsende Riege von Unternehmensführern ein, die den Standort Deutschland durch mehr Arbeitsstunden stärken wollen. Bereits zuvor hatte der Chef des Gabelstaplerherstellers Jungheinrich die 40-Stunden-Forderung öffentlich erhoben. Auch beim Stuttgarter Autobauer Mercedes-Benz verdichten sich die Signale: CEO Ola Källenius konkretisierte auf einer Veranstaltung in Stuttgart, dass der Vorstand eine Liste mit Maßnahmen zur Senkung der Arbeitskosten erarbeitet habe. Diese umfasse: „40 Stunden, zurück ins Büro, Krankenstand runter."

Von Hirschheydt ließ keinen Zweifel an seiner Haltung: „Ich unterstütze die Forderung des Mercedes-Vorstandes."

Aumovio macht Ernst: Erste Tarifvereinbarungen bereits geschlossen

Aumovio bleibt dabei nicht bei Forderungen stehen, sondern hat bereits gehandelt. Management und Gewerkschaft einigten sich für die Standorte Villingen-Schwenningen und Ingolstadt auf eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit auf 38 Stunden – ebenfalls ohne Lohnausgleich. Im Gegenzug sicherte das Unternehmen Ausbildungsplätze zu und kündigte jährliche Investitionen im niedrigen zweistelligen Millionenbereich an.

Für von Hirschheydt war ein zentraler Erfolgsfaktor die Kommunikation mit der Belegschaft: „Wir haben den Mitarbeitern eine Perspektive aufgezeigt" – konkrete Projekte für die betroffenen Standorte, die andernfalls an andere Standorte vergeben worden wären. Die Botschaft an die Beschäftigten sei klar gewesen: „Sie sehen: Wenn wir mehr arbeiten, bekommen wir auch etwas zurück."

VDA-Präsidentin Müller: Tarifparteien müssen reden

Rückendeckung erhält die Forderung auch vom Branchenverband. VDA-Präsidentin Hildegard Müller, die sowohl Autohersteller als auch Zulieferer vertritt, hält eine zeitlich begrenzte Mehrarbeit ohne Lohnausgleich für einen möglichen Weg zur Stärkung des Standorts. „Die Tarifparteien müssen darüber miteinander reden, denn Ideen wie diese müssen ernsthaft diskutiert werden", so Müller.

Die Debatte trifft auf eine Automobilindustrie, die unter erheblichem Kostendruck steht. Globaler Wettbewerb, insbesondere aus Asien, sowie der strukturelle Wandel zur Elektromobilität zwingen Hersteller und Zulieferer gleichermaßen, ihre Kostenstrukturen zu überdenken.

Kritik an Bundesregierung: „Reformen bleiben rudimentär"

Von Hirschheydt richtet seinen Blick auch auf die Politik. Die Reformen der Bundesregierung seien an vielen Stellen „rudimentär" geblieben. Sein Appell: „Es muss zu mehr konkreten Maßnahmen kommen." Für Anleger, die in Automobilwerte oder Zuliefereraktien investiert sind, bleibt die Arbeitskostenfrage ein zentraler Faktor für die künftige Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Standorts.

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