Aurubis setzt auf Aufbruch mit neuem Chef
Kupferboom, Recyclingoffensive und Sicherheitskrise fordern den Hamburger Konzern heraus

Kupfer gilt als Schlüsselrohstoff der Energiewende – und Aurubis als Europas größter Kupferproduzent will davon profitieren. Der Konzern verarbeitet jährlich über eine Million Tonnen des Metalls und gewinnt dabei auch andere Rohstoffe wie Gold, Silber oder Zink. Fast die Hälfte des Kupfers stammt inzwischen aus recyceltem Material. Doch nach einer Reihe von Krisen, darunter einer der größten Metallraube Deutschlands, mehreren tödlichen Arbeitsunfällen und anhaltenden Diskussionen über problematische Lieferketten, steht Aurubis weiterhin unter Druck.
Seit September 2024 steht mit Toralf Haag ein neuer Vorstandschef an der Spitze des Hamburger Traditionsunternehmens. Der promovierte Betriebswirt kennt Aurubis aus früheren Jahren als Finanzvorstand. Mit ruhiger Entschlossenheit verfolgt er nun das Ziel, das Vertrauen zurückzugewinnen, das Geschäft zu stabilisieren – und auf internationaler Ebene zu expandieren. Die Zahl der Überwachungskameras am Standort Hamburg wurde verdoppelt, Zugangskontrollen verschärft und Sensibilisierungsmaßnahmen eingeführt. Auch Drohnen sollen Diebstahl und Sicherheitsrisiken eindämmen. Haag betont: Arbeitssicherheit und Werksschutz hätten oberste Priorität.
Neben den internen Herausforderungen kämpft Aurubis mit einem weltweiten Verteilungskampf um Kupferkonzentrat. Während die Nachfrage in Asien und den USA steigt und neue Schmelzkapazitäten etwa in China, Indien und Indonesien entstehen, hinkt die Erschließung neuer Minen hinterher. Das drückt auf die Margen. Im Geschäftsjahr 2023/24 lag das operative Ergebnis bei 413 Millionen Euro, für das laufende Jahr wird mit maximal 400 Millionen Euro gerechnet – trotz eines stabilen Umsatzes von rund 17 Milliarden Euro.
Eine große Hoffnung liegt in den USA. Dort errichtet Aurubis für 750 Millionen Euro ein neues Recyclingwerk im Bundesstaat Georgia. Ab Herbst soll es schrittweise in Betrieb gehen und künftig zehn Prozent der Konzernproduktion liefern. Günstige Energiepreise, ein wachsender Bedarf an lokal produziertem Kupfer sowie staatliche Anreize machen den US-Markt attraktiv. Auch in Europa strebt Aurubis eine stärkere Rohstoffsicherung an – idealerweise durch Kupferabbau vor Ort, etwa in der Lausitz.
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Zur AktienanalyseAllerdings stehen dem Unternehmen weiterhin Vorwürfe wegen problematischer Lieferbeziehungen gegenüber. Eine laufende Prüfung des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle betrifft Kupferlieferungen aus einer mexikanischen Mine. Bei Verstößen drohen hohe Bußgelder. Haag setzt auf Transparenz und Kooperation – und darauf, dass Aurubis in einem wachsenden Kupfermarkt wieder zur Ruhe kommt.


