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Australien kürzt Steuervergünstigungen für Immobilieninvestoren – Kurswechsel mit Folgen

Premier Albanese bricht Wahlversprechen und reformiert Kapitalertragsteuer – junge Käufer jubeln, Investoren protestieren.

Australien kürzt Steuervergünstigungen für Immobilieninvestoren – Kurswechsel mit Folgen

Die australische Labor-Regierung unter Premierminister Anthony Albanese hat im Haushalt einen bedeutenden steuerpolitischen Kurswechsel vollzogen: Der bisherige pauschale Abschlag von 50 Prozent auf die Kapitalertragsteuer (CGT) für Vermögenswerte, die länger als ein Jahr gehalten werden, wird durch einen inflationsgebundenen Abschlag ersetzt. Damit bricht die Regierung ein ausdrückliches Wahlversprechen – und löst eine der größten innenpolitischen Debatten Australiens aus.

Schatzkanzler Jim Chalmers begründete den Schritt mit der dramatischen Preisentwicklung am Immobilienmarkt. Seit der Einführung des CGT-Abschlags im Jahr 1999 seien die Hauspreise um über 400 Prozent gestiegen – mehr als doppelt so schnell wie die Durchschnittseinkommen. Chalmers räumte am Mittwoch ein, dass sich der Kurswechsel als „politisch sehr umstritten" erweisen würde.

Australien gilt weltweit als eines der teuersten Länder für Wohneigentum. Laut dem Analyseunternehmen Demographia liegen fünf der 15 unerschwinglichsten Städte der entwickelten Welt in Australien – nur das dicht besiedelte Hongkong ist teurer als Sydney. In Kombination mit jahrzehntelang sinkenden Zinsen und hoher Zuwanderung hat der CGT-Abschlag dazu beigetragen, dass Wohneigentum für den durchschnittlichen Australier ohne Erbschaft kaum noch erreichbar ist.

Generationenkonflikt am Immobilienmarkt

Die Reaktionen auf die Reform spiegeln einen tiefen gesellschaftlichen Riss wider. Sharath Mahendran, ein 24-jähriger Student aus Sydney, begrüßte die Änderungen: „Ich denke, dass die steuerliche Gestaltung in diesem Land viel zu lange massiv diejenigen begünstigt hat, die bereits über Vermögen verfügen, die bereits Vermögenswerte besitzen, die bereits Eigenheime haben, die bereits investieren."

Auf der anderen Seite steht Jack Henderson, ein 29-jähriger Investor mit 17 Immobilien im Portfolio. Er warnte, die Reform treffe vor allem Kleinanleger ohne Zugang zu professioneller Steuerberatung unverhältnismäßig hart: „Es wird den normalen ‚Mum-and-Dad'-Investor treffen, der buchstäblich nur versucht, durch den Kauf von ein oder zwei Anlageimmobilien voranzukommen – was über 80 Prozent der Immobilieninvestoren in Australien ausmacht. Das ist traurig."

Chalmers erklärte, dass durch die politischen Änderungen rund 75.000 Hauskäufer, die bislang vom Immobilienmarkt ausgeschlossen waren, nun in der Lage sein würden, Häuser zu kaufen. „Es wird immer deutlicher und zunehmend inakzeptabel, dass so viele junge Australier vom Traum vom ersten Eigenheim ausgeschlossen sind", sagte er in einem Fernsehinterview.

Politisches Wagnis nach historischem Wahlsieg

Der Schritt gilt als ungewöhnlich mutig für den sonst vorsichtigen Albanese. Noch 2019 hatte Labor eine Wahl verloren, als die Partei mit ähnlichen Reformen Wahlkampf machte. Nach dem Wahlsieg 2022 und dem deutlichen Ausbau der Mehrheit bei der jüngsten Wahl sah sich die Partei offenbar in der Lage, das politische Risiko einzugehen.

Greg Jericho, Chefökonom des Think Tanks Australia Institute, analysierte den Stimmungswandel so: „Nachdem sie mit einer so massiven Mehrheit gewonnen hatten, resultierte daraus weniger eine Bestätigung ihrer Wahlstrategie, sondern vielmehr Druck von den Wählern, die sagten: ‚Hey, ihr habt jetzt keine Ausreden mehr'."

Ein entscheidender demografischer Faktor spielt ebenfalls eine Rolle: Bei der letzten Wahl übertrafen die Wähler der Millennials und der Generation Z erstmals zahlenmäßig die sogenannten Babyboomer – jene Generation, die zwischen 1946 und 1964 geboren wurde und bisher überproportional von den Steuervergünstigungen profitiert hat. Die konservative Opposition kündigte bereits an, die Änderungen zu bekämpfen, und kritisierte die Regierung scharf für den Bruch des Wahlversprechens.

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