Australien kürzt Steuervergünstigungen für Vermieter zugunsten junger Käufer
Australiens Labor-Regierung reformiert die Immobilienbesteuerung – die weitreichendsten Änderungen des Landes in diesem Jahrhundert.

Australiens Mitte-links-orientierte Labor-Regierung hat im fünften Bundeshaushalt von Schatzkanzler Jim Chalmers weitreichende Steuerreformen für den Immobilienmarkt angekündigt. Die Änderungen betreffen das sogenannte „Negative Gearing" – die steuerliche Verlustverrechnung bei Immobilieninvestitionen – sowie die Kapitalertragsteuer. Ziel ist es, jungen Australiern den Erwerb von Wohneigentum zu erleichtern.
Es handelt sich um die bedeutendsten Änderungen bei der Immobilienbesteuerung, die Australien in diesem Jahrhundert erlebt hat. Da bestehende Investoren einem Bestandsschutz unterliegen, erwarten Ökonomen zunächst nur geringfügige Auswirkungen auf Immobilienpreise und Mieten. Die Commonwealth Bank of Australia hat ihre Prognose für den Anstieg der Immobilienpreise in diesem Jahr von 5% auf 3% nach unten korrigiert.
Stimmen aus der Gesellschaft: Unterstützung und Skepsis
Die Reaktionen auf die Reformen fallen gespalten aus. Justin Simon, Vorsitzender der Sydneyer Interessengruppe Sydney YIMBY, begrüßt die Maßnahmen ausdrücklich: „Dies beendet 25 Jahre, in denen die Bundesregierung versucht hat, das Wohnungsproblem durch eine künstliche Steigerung der Nachfrage zu lösen. Man erkennt nun, dass man ein Feuer nicht löscht, indem man mehr Benzin hineingießt." Simon hebt besonders hervor, dass die eingesparten Mittel nun in die Ausweitung des Wohnungsangebots investiert werden sollen.
Auch junge Australier reagieren positiv. Sharath Mahendran, ein 24-jähriger Student aus Sydney, erklärt: „Ich denke, dass das Steuersystem in diesem Land viel zu lange diejenigen massiv begünstigt hat, die bereits über Vermögen, Sachwerte und Immobilien verfügen." Für ihn steht das Thema Wohneigentum im Mittelpunkt: „Hier liegt meine Zukunft – ich möchte ein Eigenheim besitzen und eine Familie gründen."
Investoren warnen vor unbeabsichtigten Folgen
Auf der anderen Seite warnt Ben Kingsley, Vorsitzender des Property Investors Council of Australia, vor möglichen Risiken: „Es besteht das reale Risiko, dass viele Investoren gleichzeitig entscheiden, ihre Gewinne zu realisieren, nur um dann festzustellen, dass alle anderen dieselbe Idee hatten." Kingsley befürchtet, dass in regionalen Märkten Werte in Milliardenhöhe vernichtet werden könnten – eine unbeabsichtigte Folge, die keine Regierung während ihrer Amtszeit erleben möchte.
Immobilieninvestor Jack Henderson, der den Großteil seiner 17 Immobilien in einer Unternehmensstruktur hält, sieht sich persönlich kaum betroffen. Da Negative Gearing und Kapitalertragsteuer nur für Privatpersonen gelten, werde sich für ihn wenig ändern. Er kritisiert die Reform dennoch scharf: „Ich halte das absolut für eine neue Steuerquelle. Sie wissen, dass sie sich ein Billionen-Dollar-Schuldenloch gegraben haben und nun versuchen, dort wieder herauszukommen."
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Zur AktienanalyseImmobilienmakler beobachten wachsenden Verkaufsdruck
David Murphy, Immobilienmakler in Sydneys Lower North Shore, berichtet von einem zunehmenden Verkaufsdruck unter Investoren – ausgelöst nicht nur durch den Haushalt, sondern auch durch Änderungen im Mietrecht. „Ich denke, dass derzeit ein erheblicher Abwärtsdruck auf den Preisen lastet", sagt Murphy. Er erwartet, dass die Preise in den nächsten zwei Quartalen nachgeben werden, und sieht weder einen Regierungswechsel noch Zinssenkungen als kurzfristige Marktstütze.
Die australische Immobilienreform verdeutlicht ein Spannungsfeld, das auch in anderen westlichen Ländern bekannt ist: Zwischen dem Wunsch junger Menschen nach erschwinglichem Wohneigentum und den Interessen etablierter Immobilieninvestoren, die von bestehenden Steuervorteilen profitieren. Wie stark die Reformen den Markt tatsächlich verändern werden, bleibt angesichts des Bestandsschutzes für bestehende Investoren vorerst abzuwarten.

