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Australier brauchen über eine Million für komfortablen Ruhestand

Steigende Lebenshaltungskosten und Inflation treiben das Sparziel australischer Rentner auf ein Rekordhoch.

Australier brauchen über eine Million für komfortablen Ruhestand

Australier glauben laut einer neuen Studie von Colonial First State (CFS), dass sie mehr als eine Million australische Dollar – umgerechnet rund 718.450 US-Dollar – für einen komfortablen Ruhestand benötigen. Das ist ein Anstieg von 183.000 australischen Dollar innerhalb von nur zwölf Monaten. Die jährliche Umfrage des großen australischen Renten- und Vermögensverwalters macht deutlich, wie stark Inflation und steigende Lebenshaltungskosten die Altersvorsorgeplanung belasten.

Für die Studie wurden fast 2.000 Personen befragt. Das Ergebnis zeigt eine wachsende Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit: Die Australier streben einen Renteneintritt mit 62 Jahren an, rechnen aber damit, tatsächlich bis zum Alter von 66 Jahren arbeiten zu müssen. Diese Lücke von vier Jahren verdeutlicht den finanziellen Druck, dem viele Haushalte ausgesetzt sind.

„Die Lebenshaltungskosten steigen weiter an, die Inflation ist deutlich in die Höhe geschnellt, und hinzu kommen viele andere Faktoren wie die Familie und die Unterstützung anderer, mit denen sich die Australier auseinandersetzen müssen", sagte Marissa Powe, Executive Director for Retirement and Growth bei CFS, in einem Interview mit Bloomberg. „Die Menschen beschäftigen sich intensiver mit ihrer Altersvorsorge, sie sehen ihre Kontostände und versuchen herauszufinden, wie lange das Geld reichen wird."

Milliardenschwere Rentenbranche unter Druck

Die Umfrageergebnisse fallen in eine Zeit, in der Australiens Rentenbranche mit einem verwalteten Vermögen von 4,5 Billionen australischen Dollar zu den weltweit führenden Vorsorgesystemen zählt. Trotz dieser beeindruckenden Größe wächst die Sorge der Bevölkerung um die finanzielle Absicherung im Alter. In den kommenden zehn Jahren werden voraussichtlich 2,5 Millionen Australier in den Ruhestand treten – ein demografischer Wandel, der die Branche unter Druck setzt, mehr Auszahlungsoptionen und flexible Modelle für die Entsparphase anzubieten.

Makroökonomisch verschärft die anhaltend hohe Inflation die Lage zusätzlich. Der getrimmte Mittelwert des australischen Verbraucherpreiswachstums – ein Maß, das volatile Posten ausschließt und von der Reserve Bank of Australia (RBA) besonders beobachtet wird – beschleunigte sich im April auf 3,4 Prozent. Damit liegt er klar oberhalb des Zielkorridors der RBA von 2 bis 3 Prozent. Australien hatte bereits vor dem Iran-Krieg mit erhöhter Inflation zu kämpfen.

Frauen stärker von Altersvorsorge-Stress betroffen

Besonders auffällig ist die Geschlechterdifferenz bei der Altersvorsorge-Angst: Rund 62 Prozent der befragten Frauen machen sich Sorgen, im Ruhestand nicht genug Geld für ein komfortables Leben zu haben. Bei den Männern liegt dieser Anteil mit 48 Prozent deutlich niedriger. Diese Lücke spiegelt strukturelle Unterschiede auf dem Arbeitsmarkt wider, etwa geringere Durchschnittslöhne und häufigere Erwerbsunterbrechungen bei Frauen.

Für deutsche Anleger und Sparer liefert die australische Studie einen aufschlussreichen Vergleich: Auch hierzulande wächst angesichts von Inflation und steigenden Lebenshaltungskosten die Unsicherheit über die Auskömmlichkeit der Altersvorsorge. Die Frage, wie viel Kapital für den Ruhestand tatsächlich benötigt wird, beschäftigt Sparer weltweit – und die Antwort fällt von Jahr zu Jahr höher aus.

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