Australische Firmen planen Ausbau in den USA
Niedrige Kosten, Subventionen und Sicherheitsaspekte locken Produzenten kritischer Mineralien

Australische Produzenten seltener Erden und Graphit richten ihren Blick zunehmend auf die Vereinigten Staaten, wo sie trotz der strategischen Bestrebungen der eigenen Regierung, die heimische Industrie zu stärken, neue Verarbeitungsanlagen planen. Eine Delegation mehrerer Unternehmen besuchte in der vergangenen Woche Washington und New York, um sich mit Regierungsvertretern und Investoren auszutauschen. Unter den Teilnehmern waren börsennotierte Firmen wie Australian Strategic Materials, Ionic Rare Earths und International Graphite, die ihre Expansionspläne für den US-Markt voranbringen wollen.
Besonders die Größe des amerikanischen Kundenstamms erweist sich als Anziehungspunkt. Die stark wachsende Elektroautoindustrie, die Rüstungsbranche sowie die fortschreitende Entwicklung im Bereich der Hochtechnologie bieten für die australischen Unternehmen attraktive Absatzmärkte. Hinzu kommen vergleichsweise niedrige Energiekosten und umfangreiche Subventionen, die von staatlicher Seite in Aussicht gestellt werden. Australian Strategic Materials prüft derzeit konkrete Standorte in Oklahoma und South Carolina. Für die Unternehmensführung ist nicht nur die finanzielle Unterstützung entscheidend, sondern auch die klare Zusage, ein komplettes Ökosystem im Bereich kritischer Mineralien aufzubauen.
Für manche Firmen ist die Nähe zu amerikanischen Kunden eine Frage der nationalen Sicherheit. Das gilt etwa für Ionic Rare Earths, das seine in Belfast entwickelte Recyclingtechnologie für Magnetmaterialien in den USA vervielfältigen will. Das Unternehmen führt bereits fortgeschrittene Gespräche in Tennessee. Niedrige Energiekosten, geringere Löhne und die Bereitschaft von Bund und Bundesstaaten, erhebliche Mittel bereitzustellen, verstärken den Reiz. International Graphite, das derzeit eine Verarbeitungsanlage in Westaustralien baut, prüft ebenfalls den Aufbau von Kapazitäten in den USA und in Europa, um die Anforderungen seiner Kunden besser erfüllen zu können.
Ein weiterer Treiber der Entwicklung sind die chinesischen Exportbeschränkungen für Seltene Erden, die im Frühjahr eingeführt wurden. Sie haben die USA dazu bewegt, ihre eigene Industrie massiv auszubauen. Gestiegene Preise im Westen wecken das Interesse von Investoren und erleichtern die Finanzierung neuer Projekte. Allerdings zeigt sich auch ein harter Wettbewerb um die staatliche Förderung. So hatte Lynas Rare Earths jüngst davor gewarnt, dass sein Werk in Texas möglicherweise nicht umgesetzt wird, nachdem die US-Regierung milliardenschwere Mittel an einen Konkurrenten vergeben hatte.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseFür Australien verdeutlicht dieser Trend die Schwierigkeiten, eine eigenständige Wertschöpfung über die reine Rohstoffgewinnung hinaus aufzubauen. Hohe Energie- und Arbeitskosten sowie langwierige Genehmigungsprozesse bremsen die Entwicklung. Zudem fehlt es an einer starken verarbeitenden Industrie, nachdem die heimische Autoindustrie bereits in den 2010er Jahren ihre Tore geschlossen hat. Zwar hat die Regierung im Februar eine Produktionssteuergutschrift von 17 Milliarden australischen Dollar beschlossen, die ab 2027 eine zehnprozentige Entlastung für Verarbeiter bringen soll. Auch internationale Partnerschaften mit Japan, Indien und Großbritannien sollen dazu beitragen, den Zugang zu neuen Märkten zu sichern.


