Axel Weber warnt vor weiteren Zinserhöhungen im Euro-Raum
Kritik an EZB-Geldpolitik, Haushaltsdebatten und die Dringlichkeit von Klimaschutzinvestitionen

Axel Weber, der ehemalige Chef der UBS, hat in einem Interview mit dem Handelsblatt weitere Zinserhöhungen im Euro-Raum für möglich gehalten. Er betonte, dass seiner Meinung nach der Zinsgipfel noch nicht erreicht sei und die Zinsen nicht bald sinken würden. Weber ist derzeit als Berater für den Vermögensverwalter Flossbach von Storch tätig.
Im Interview, das im Hauptsitz des Vermögensmanagers stattfand, äußerte Weber seine Kritik an der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Federal Reserve (Fed). Er bemängelte, dass sie die steigenden Inflationsraten unterschätzt hätten und warnte vor weiteren Verwerfungen auf den Finanzmärkten. Zudem warf er der deutschen Ampelkoalition Ablenkungsmanöver in der Haushaltsdebatte vor.
In Bezug auf die Haushaltskrise der Bundesregierung und die Aussetzung der Schuldenbremse äußerte Weber seine Bedenken. Er kritisierte die fehlende ordnungspolitische Grundlage und betonte, dass das bereits ausgegebene Geld auf sichere Rechtsgrundlagen gestellt werden müsse. Weber plädierte dafür, dass das Finanzministerium die Wirtschaftlichkeit der geplanten Ausgaben überdenken sollte.
Weiterhin sprach Weber über die Notwendigkeit von Sparmaßnahmen in der deutschen Regierung. Er betonte, dass die Koalition zu viele ineffiziente Unternehmen fördere und zu viele Subventionen und Steuergeschenke vergebe. Insbesondere kritisierte er Ausnahmen bei der Erb- und Schenkungssteuer sowie in Bereichen wie klimaeffiziente Gebäude und Mikroelektronik.
Ein weiteres wichtiges Thema des Interviews war der Klimaschutz. Weber betonte die Notwendigkeit von Investitionen in klimaneutrale Infrastruktur und schlug Lenkungssteuern wie eine CO2-Steuer oder den Emissionshandel als Finanzierungsoptionen vor. Er kritisierte jedoch, dass nur ein geringer Anteil der Emissionsrechte zu Preisen gehandelt werde, die den Pariser Klimaschutzverträgen entsprächen.
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Zur AktienanalyseAbschließend äußerte sich Weber zur aktuellen Zinspolitik und warnte vor einer Lohn-Preis-Spirale aufgrund steigender Inflationsraten. Er betonte, dass die Zinsen nicht bald wieder sinken würden und dass Null- und Negativzinsen kein normales Zinsumfeld seien. Weber kritisierte die EZB dafür, zu spät auf die Inflation reagiert zu haben, und bezeichnete dies als einen der größten Erkenntnisfehler der Geldpolitik im aktuellen Jahrhundert.

