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Bank of Canada hält Zinsen stabil – kaum Anzeichen für breite Inflation

Zum fünften Mal in Folge belässt die Bank of Canada ihren Leitzins bei 2,25 % – trotz steigender Energiepreise durch den Iran-Krieg.

Bank of Canada hält Zinsen stabil – kaum Anzeichen für breite Inflation

Die Bank of Canada (BoC) hat ihren Leitzins erneut unverändert bei 2,25 % belassen. Es ist bereits die fünfte Sitzung in Folge ohne Zinsänderung. Als Hauptgründe nennt die Zentralbank die komplexen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, darunter der von den USA unterstützte Krieg mit dem Iran sowie Unsicherheiten rund um den nordamerikanischen Freihandel.

Gouverneur Tiff Macklem machte jedoch deutlich, dass die Bank of Canada bei Bedarf nicht zögern werde, die Zinsen anzuheben, um die Inflation unter Kontrolle zu halten. „Vorerst hält die Beibehaltung des Leitzinses diese Risiken im Gleichgewicht", sagte Macklem in seinen einleitenden Worten vor Journalisten. Die Entscheidung entsprach den Erwartungen: Eine Reuters-Umfrage unter 34 Ökonomen hatte mehrheitlich eine abwartende Haltung prognostiziert, und mehr als 80 % gehen davon aus, dass der Zinssatz das gesamte Jahr über unverändert bleibt.

Energiepreise belasten Haushalte, aber keine breite Inflation

Der Iran-Krieg hat die Benzinpreise in die Höhe getrieben und belastet die Haushaltsbudgets kanadischer Verbraucher. Kanada profitiert als Nettoexporteur von Rohöl zwar von höheren Einnahmen, doch die Auswirkungen auf die Gesamtinflation sind bislang begrenzt. „Bisher gibt es nur begrenzte Anzeichen für eine breit angelegte Weitergabe der höheren Energiepreise an andere Verbraucherpreise", erklärte die Bank in ihrer offiziellen Zinsmitteilung.

Kanadas Gesamtinflationsrate stieg im April auf 2,8 %. Macklem erwartet, dass sie sich zunächst um die 3 % bewegen werde, bevor sie allmählich in Richtung des Zielwerts von 2 % sinke. Der Gouverneursrat will kurzfristige Inflationseffekte durch den Krieg zwar tolerieren, aber eine dauerhafte Inflation durch höhere Energiepreise verhindern. Sollten die höheren Energiepreise zu einer allgemeinen Inflation führen, „könnten aufeinanderfolgende Erhöhungen des Leitzinses erforderlich sein", so die Bank.

Arbeitsmarkt und geldpolitisches Dilemma

Auf dem Arbeitsmarkt zeigte sich zuletzt eine leichte Erholung: Die kanadische Arbeitslosenquote sank im Mai auf ein Fünfmonatstief, da die Einstellungsbereitschaft zunahm. Macklem relativierte diesen Befund jedoch und wies darauf hin, dass die Daten schwankend gewesen seien und es seit Januar kaum Veränderungen gegeben habe.

Macklem beschrieb die aktuelle Lage als geldpolitisches Dilemma: Zinserhöhungen zur Inflationsbekämpfung könnten die Wirtschaft weiter verlangsamen, während Zinssenkungen zur Wachstumsstützung das Risiko dauerhaft höherer Inflation erhöhen würden. Ökonomen sehen die bevorstehende Überprüfung des United States-Mexico-Canada Agreement (USMCA) – des nordamerikanischen Freihandelsabkommens – als die größte Unsicherheit für die kanadische Wirtschaft. Macklem bekräftigte, dass die Bank die Zinsen möglicherweise senken müsste, falls die USA bedeutende neue Handelsbeschränkungen gegen Kanada verhängen sollten.

Reaktion an den Märkten

Der kanadische Dollar reagierte positiv auf die Entscheidung und hielt seine früheren Gewinne. Gegenüber dem US-Dollar legte er um 0,3 % zu und notierte bei C$ 1,3903 beziehungsweise 71,79 US-Cent. Die Geldmärkte preisen unterdessen weiterhin eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte im Dezember ein – ein Zeichen, dass Marktteilnehmer trotz der aktuellen Pause mittelfristig mit einer strafferen Geldpolitik rechnen.

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