Bank of Canada lässt Leitzins bei 2,25 Prozent unverändert
Alle 36 befragten Ökonomen erwarten keine Zinsänderung – Inflation und Wachstumserholung halten sich die Waage.

Die Bank of Canada (BoC) wird ihren Leitzins am Mittwoch erwartungsgemäß unverändert bei 2,25% belassen. Nachlassender Kerninflationsdruck gibt den Währungshütern keinen Anlass für eine Erhöhung, während eine überraschend starke Wachstumserholung weitere Stimulierungsmaßnahmen überflüssig macht. Es wäre bereits die sechste Sitzung in Folge ohne Zinsänderung.
Alle 36 von Reuters befragten Ökonomen rechnen mit einem unveränderten Leitzins. Eine Mehrheit der Befragten prognostiziert zudem keine Änderung bis mindestens Juli des kommenden Jahres. Der aktuelle Zinssatz von 2,25% markiert das untere Ende des von der BoC geschätzten neutralen Bereichs von 2,25% bis 3,25% – auf dieses Niveau hatte die Zentralbank den Satz zuletzt im Oktober gesenkt.
Wirtschaft zwischen Rezession und Erholung
Kanadas Wirtschaft durchlief zuletzt eine technische Rezession: Sie schrumpfte im vierten Quartal 2025 sowie erneut in den ersten drei Monaten des Jahres 2026. Im April erholte sie sich jedoch stärker als erwartet. Auch der Arbeitsmarkt sendet vorsichtig positive Signale – die Arbeitslosenquote sank im Juni leicht auf 6,5%.
Pedro Antunes, Chefökonom bei Signal49 Research, bringt die Lage auf den Punkt: „Die Bank konzentriert sich eigentlich nur auf die Inflation, und wenn der Inflationsdruck weiterhin hoch ist, weiß ich nicht, ob die Bank notwendigerweise handeln würde." Obwohl die Wirtschaft weiterhin schwach sei, so Antunes, sei sie nicht schwach genug, um zusätzliche Impulse durch die BoC zu erfordern.
Inflation bleibt das zentrale Hindernis
Die Inflation ist das entscheidende Thema für die Geldpolitik der BoC. Die jährliche Inflationsrate stieg im Mai auf 3,2% und überschritt damit erstmals seit Dezember 2023 den Zielkorridor der Zentralbank von 1% bis 3%. Haupttreiber waren höhere Energiepreise, die die Haushaltskosten in die Höhe trieben.
Allerdings zeigt sich ein differenziertes Bild: Die Kerninflationsmaße – also die Inflation ohne volatile Komponenten wie Energie und Lebensmittel – blieben nahe bei 2%. Zudem sind die Benzinkosten seit Beginn des US-Iran-Krieges wieder gesunken. Vertreter der BoC erklärten, es gebe bisher nur begrenzte Anzeichen dafür, dass sich der Energieschock auf breiter Front in den Verbraucherpreisen niederschlage.
Die Ökonomen Nathan Janzen und Claire Fan von der RBC bestätigen diese Einschätzung: „Der Anstieg der Ölpreise zeigt noch keine nennenswerten Anzeichen dafür, dass er sich in einen breiteren, länger anhaltenden Inflationsschock verwandelt."
Macklem signalisiert bedingte Handlungsbereitschaft
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Zur AktienanalyseBoC-Gouverneur Tiff Macklem hatte nach der Entscheidung im Juni klargemacht, dass die Bank über den kriegsbedingten kurzfristigen Inflationsanstieg hinwegsehen werde. Er betonte jedoch, dass die Zentralbank handeln würde, falls höhere Energiepreise zu einem anhaltenden, allgemeinen Preisdruck führten. Darüber hinaus stellte Macklem in Aussicht, dass bedeutende neue Handelsbeschränkungen der USA weitere Zinssenkungen erforderlich machen könnten.
Begleitet wird die Zinsentscheidung vom vierteljährlichen Geldpolitischen Bericht der BoC, der die Prognosen für Wachstum und Inflation aktualisiert. Der Bericht vom April hatte für 2026 ein Wachstum von 1,2% und eine Inflation von 2,3% prognostiziert. Es wird erwartet, dass beide Werte in der Aktualisierung am Mittwoch revidiert werden – angesichts des Ölpreisschocks und der anhaltenden Handelsunsicherheit mit den Vereinigten Staaten.
Die Zinsentscheidung wird um 9:45 Uhr Ortszeit (ET) veröffentlicht, gefolgt von einer Pressekonferenz mit Gouverneur Macklem und der Ersten Stellvertretenden Gouverneurin Carolyn Rogers.


