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Bank of England: Mann offen für Zinserhöhung bei steigender Inflation

BoE-Ratsmitglied Catherine Mann signalisiert Bereitschaft zur Zinserhöhung, falls Inflationserwartungen durch den Iran-Konflikt steigen.

Bank of England: Mann offen für Zinserhöhung bei steigender Inflation

Catherine Mann, Mitglied des geldpolitischen Rates (Monetary Policy Committee, MPC) der Bank of England, hat am Donnerstag eine klare Botschaft gesendet: Sollten steigende Inflationserwartungen infolge des Konflikts zwischen den USA und dem Iran eine Rückkehr der Inflation zum Zielwert von 2% unwahrscheinlicher machen, wäre sie bereit, für eine Zinserhöhung zu stimmen. Dies erklärte Mann in einem Redetext, den die BoE vor einer Veranstaltung der französischen Bank Natixis veröffentlichte.

Hintergrund ist eine angespannte Inflationslage in Großbritannien. Eine Umfrage der BoE zu den Inflationserwartungen der Öffentlichkeit erreichte im Mai ein Rekordhoch. Gleichzeitig senkte die Zentralbank im vergangenen Monat ihre eigene Inflationsprognose für das Jahresende auf etwas über 3,25% – nach zuvor prognostizierten 3,6% bis 3,7% im April. Die Inflation liegt damit weiterhin deutlich über dem angestrebten Zielwert von 2%.

Warum Mann bisher nicht für eine Erhöhung stimmte

Mann erläuterte, dass sie bislang von einer Stimme für eine Zinserhöhung abgesehen habe, weil der Iran-Krieg die Marktzinsen in Großbritannien bereits in die Höhe getrieben und damit den Inflationsdruck teilweise ausgeglichen habe. Dieser Mechanismus habe eine zusätzliche geldpolitische Straffung durch die Zentralbank vorerst überflüssig gemacht.

Im vergangenen Monat stimmte Mann im Rahmen einer 7:2-Mehrheit im geldpolitischen Ausschuss dafür, die Leitzinsen bei 3,75% zu belassen. Allerdings sah sie die Aufwärtsrisiken für die Inflation deutlicher als die anderen Mitglieder, die ebenfalls für eine Beibehaltung der Zinsen votierten. Das Protokoll der Entscheidung hält zudem fest, dass die Zinsen künftig steigen müssten, sollte es zu einer „sporadischen Fortsetzung" des Konflikts zwischen den USA und dem Iran kommen, die nach dem jüngsten Rückgang zu einem erneuten Anstieg der Energiepreise führen würde.

Lohnverhandlungen und Arbeitsmarkt im Fokus

Ein besonderes Augenmerk legt Mann auf die Entwicklung der Löhne. Sie kündigte an, zu beobachten, wie sich die steigende Inflation auf die frühen Verhandlungen über die Lohnabschlüsse für 2027 auswirkt. „Angesichts der Saisonalität von Lohnverhandlungen und ihrer Abhängigkeit von der vorangegangenen Inflation sowie den Inflationserwartungen sind die Datenergebnisse der zweiten Jahreshälfte – einschließlich der Erwartungen für das kommende Jahr – für meine künftigen Entscheidungen besonders wichtig", sagte Mann.

Auch der Arbeitsmarkt steht unter Beobachtung. Detaillierte Arbeitsmarktdaten deuteten laut Mann darauf hin, dass die Lage weniger schwach sei, als es die offizielle Arbeitslosenquote von 4,9% vermuten lasse. Dies könnte den Lohndruck und damit die Inflation weiter befeuern.

Politische Unsicherheit als zusätzlicher Faktor

Neben dem geopolitischen Konflikt und dem Arbeitsmarkt könnten auch fiskalpolitische Überraschungen den Zinsausblick beeinflussen, merkte Mann an. Premierminister Keir Starmer hatte im vergangenen Monat seinen Rücktritt angekündigt. Als sein voraussichtlicher Nachfolger gilt der ehemalige Bürgermeister von Greater Manchester, Andy Burnham, von dem einige Investoren eine lockerere Haushaltspolitik erwarten. Eine expansivere Fiskalpolitik könnte den Inflationsdruck zusätzlich erhöhen und die Aufgabe der Bank of England weiter erschweren.

Für deutsche Anleger und Beobachter des europäischen Zinsumfelds ist die Entwicklung in Großbritannien von Bedeutung: Die Bank of England gilt als wichtiger Gradmesser für die geldpolitische Stimmung in westlichen Industrienationen. Manns Signale deuten darauf hin, dass der Zinssenkungszyklus in Großbritannien keineswegs gesichert ist – und unter bestimmten Bedingungen sogar umgekehrt werden könnte.

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