Bank of England warnt vor globaler Aktienmarkt-Korrektur
Vize-Gouverneurin Sarah Breeden sieht Allzeithochs als gefährlich losgelöst von realen Wirtschaftsrisiken.

Die Bank of England schlägt Alarm: Die globalen Aktienmärkte sind nach Einschätzung der stellvertretenden Gouverneurin Sarah Breeden zu hoch bewertet und spiegeln die zahlreichen Risiken für die Weltwirtschaft nicht angemessen wider. In einem ungewöhnlich offenen Statement gegenüber der BBC erklärte Breeden: „Es gibt viele Risiken, und dennoch befinden sich die Vermögenspreise auf Allzeithochs. Wir gehen davon aus, dass es zu einem gewissen Zeitpunkt eine Korrektur geben wird."
Dass sich ein hochrangiges Mitglied einer Zentralbank so direkt zu möglichen Marktbewegungen äußert, ist äußerst selten. Breeden, die bei der Bank of England auch für die Finanzstabilität zuständig ist, verzichtete bewusst darauf, einen konkreten Zeitpunkt oder das Ausmaß eines möglichen Rückgangs zu prognostizieren. Ihr Ziel sei es, das Finanzsystem widerstandsfähig zu machen – für den Fall, dass eine solche Korrektur eintritt.
Mehrere Risiken könnten sich gleichzeitig entladen
Besonders besorgt zeigt sich Breeden über das gleichzeitige Auftreten mehrerer Schocks. „Was mir wirklich schlaflose Nächte bereitet, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich mehrere Risiken gleichzeitig manifestieren – ein schwerer makroökonomischer Schock, ein Vertrauensverlust bei Private Credit, eine Neubewertung von KI und anderen riskanten Bewertungen. Was passiert in einem solchen Umfeld, und sind wir darauf vorbereitet?", sagte sie.
Der US-Aktienmarkt, Heimat der weltgrößten Unternehmen, hat zuletzt eine Serie von Allzeithochs verzeichnet – trotz Warnungen der Internationalen Energieagentur, dass die Weltwirtschaft vor dem größten Energieschock ihrer Geschichte stehe. Technologiekonzerne haben hunderte Milliarden US-Dollar in KI-Infrastruktur investiert. Kritiker wie Microsoft-Gründer Bill Gates vergleichen diesen Boom bereits mit der Dotcom-Blase der späten 1990er-Jahre, als Investoren massenhaft Geld in unbewiesene Start-ups steckten, die schnell pleitegingen oder Milliarden an Wert verloren. Nvidia-Chef Jensen Huang, dessen Unternehmen als größter Chiplieferant für KI-Firmen gilt, weist solche Bedenken hingegen zurück.
Schattenbankensystem noch nie wirklich getestet
Ein weiterer Risikofaktor ist das rasant gewachsene sogenannte „Schattenbankensystem". Dabei handelt es sich um Fonds, die ähnlich wie Banken Kredite an Unternehmen vergeben – sogenannte Private-Credit-Fonds. Einige dieser Fonds haben bereits Verluste erlitten und mussten Auszahlungen an Anleger einschränken, was Sorgen über Schwachstellen im Finanzsystem ausgelöst hat.
Breeden betonte, dass dieses Segment bislang nie unter echtem Druck stand: „Private Credit ist in den letzten 15 bis 20 Jahren von Null auf 2,5 Billionen US-Dollar angewachsen. In diesem Ausmaß, mit diesem Grad an Komplexität und den Verflechtungen mit dem restlichen Finanzsystem, wurde es bisher noch nicht getestet." Die Zentralbankerin ergänzte: „Wir sorgen uns eher um eine Kreditklemme im Bereich Private Credit als um eine bankengetriebene Kreditklemme."
Auch der britische Aktienmarkt bleibt von der Entwicklung nicht unberührt: Der FTSE 100-Index liegt derzeit nur rund fünf Prozent unter seinem eigenen Allzeithoch – obwohl er nicht die Art von KI-Schwergewichten beherbergt, die die US-Märkte auf Rekordniveaus getrieben haben.
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Ein starker Einbruch der Aktienmärkte hätte weitreichende Konsequenzen. Für private Haushalte, die Aktien besitzen, bedeutet ein Wertverlust ein Gefühl des Vermögensverlustes – was die Konsumausgaben dämpfen könnte. Gleichzeitig würde es für Unternehmen schwieriger, frisches Kapital aufzunehmen, was Investitionen bremsen oder verzögern könnte. Darüber hinaus kann sinkender Börsenwert das allgemeine Vertrauen in die Wirtschaft untergraben und Unternehmen dazu veranlassen, weniger Personal einzustellen.
Breeden stellte klar, dass es nicht ihre Aufgabe sei, den genauen Zeitpunkt eines Markteinbruchs vorherzusagen: „Ich sage nicht, dass es heute, morgen oder in 12 Monaten passieren wird. Es geht darum sicherzustellen, dass das System widerstandsfähig ist, falls es passiert." Für Anleger weltweit – und damit auch für deutsche Privatanleger mit internationalen Depots – ist die Warnung aus London dennoch ein deutliches Signal, die eigenen Risiken im Portfolio kritisch zu überprüfen.


