Bank of Japan dürfte Zinsen im Juni anheben
Ein ehemaliges BoJ-Ratsmitglied warnt: Ohne Zinserhöhung im Juni droht die Notenbank bei der Inflationsbekämpfung ins Hintertreffen zu geraten.

Die Bank of Japan (BoJ) steht laut einem ehemaligen Vorstandsmitglied vor einer wegweisenden Entscheidung. Makoto Sakurai, der dem Direktorium der japanischen Notenbank von 2016 bis 2021 angehörte, erwartet eine Zinserhöhung bei der kommenden Sitzung im Juni. Seine Einschätzung äußerte er am Freitag in einem Interview mit dem Nachrichtendienst Bloomberg.
„Sie werden die Zinsen dieses Mal wahrscheinlich anheben", sagte Sakurai unmissverständlich. Der erfahrene Notenbank-Insider betonte dabei die besondere Tragweite der bevorstehenden Sitzung für die geldpolitische Glaubwürdigkeit der BoJ.
Entscheidende Weichenstellung für die Geldpolitik
Sakurai warnte deutlich vor den Konsequenzen einer Untätigkeit. „Sollten sie dies nicht tun, würde ihre Politik ins Hintertreffen geraten", so der frühere Direktor. Er fügte hinzu: „Diese Sitzung ist von entscheidender Bedeutung." Die Aussage unterstreicht den Druck, unter dem die japanische Notenbank aktuell steht.
Der Begriff „hinter die Kurve geraten" ist in der Notenbanksprache ein ernstes Warnsignal. Er beschreibt eine Situation, in der eine Zentralbank zu langsam auf steigende Inflation reagiert und dadurch die Preisstabilität gefährdet. Für die BoJ, die jahrzehntelang gegen Deflation kämpfte, wäre dies eine historische Kehrtwende.
Japans Notenbank im geldpolitischen Wandel
Die Bank of Japan gilt als eine der letzten großen Zentralbanken, die lange an einer ultralockeren Geldpolitik festhielt. Während die US-Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank (EZB) bereits seit 2022 aggressiv die Zinsen anhoben, bewegte sich die BoJ deutlich vorsichtiger. Für deutsche Anleger und Investoren mit Engagements in Japan oder japanischen Yen ist die Zinsentscheidung im Juni daher von besonderem Interesse.
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Zur AktienanalyseEine Zinserhöhung der BoJ hätte weitreichende Folgen für die globalen Finanzmärkte. Der japanische Yen, der in den vergangenen Jahren stark unter Druck stand, könnte durch höhere Zinsen Auftrieb erhalten. Zudem sind japanische Staatsanleihen und der sogenannte Yen-Carry-Trade – bei dem Anleger günstig in Japan Kredite aufnehmen und in höher verzinste Anlagen investieren – eng mit der BoJ-Politik verknüpft.
Die Aussagen von Makoto Sakurai haben Gewicht, da er die internen Entscheidungsprozesse der BoJ aus erster Hand kennt. Seine klare Prognose einer Zinserhöhung im Juni dürfte die Erwartungen der Märkte weiter schärfen und die Aufmerksamkeit auf die kommende Notenbanksitzung lenken.


