Bank of Japan hält Zinsen: Falkenhafte Töne trotz Nahost-Unsicherheit
Die BoJ lässt den Leitzins bei 0,75% – doch steigende Inflation und Ölpreise könnten restriktive Signale erzwingen.

Die Bank of Japan (BoJ) wird ihre Sitzung am 28. April aller Voraussicht nach mit einer unveränderten Zinsentscheidung abschließen. Daten von Investing.com zeigen, dass der kurzfristige Leitzins bei 0,75% verbleiben dürfte. Es wäre bereits das dritte Mal in Folge, dass die Zentralbank die Zinsen nicht anhebt – nachdem sie diese im Dezember noch um 25 Basispunkte erhöht hatte.
Ursprünglich hatten die Märkte für April durchaus eine weitere Zinserhöhung eingepreist. Eine Reihe weniger falkenhafter Signale aus der BoJ dämpfte diese Erwartungen jedoch deutlich. Ausschlaggebend war vor allem die erhöhte Unsicherheit über die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Konflikts, die Wetten auf eine abwartende Haltung der Notenbank befeuerte.
Analysten uneins über den richtigen Zeitpunkt
Die Experten der ANZ-Bank sehen eine Zinserhöhung im Juni als wahrscheinlicheres Szenario. „Vor dem anhaltenden Nahostkonflikt hielten wir eine Zinserhöhung in diesem Monat für sehr wahrscheinlich, aber die jüngsten Äußerungen hochrangiger Vertreter haben die potenziellen Abwärtsrisiken für das Wachstum betont", erklärten die ANZ-Analysten in einer Mitteilung. Sie betonten zugleich, dass die BoJ angesichts hartnäckiger Inflation und starker Lohnzuwächse in Japan grundsätzlich an ihrem Straffungskurs festhalten werde.
Nicht alle Analysten teilen diese Einschätzung. Die Experten der ING wiesen darauf hin, dass ein über den Erwartungen liegender Anstieg der japanischen Verbraucherinflation im März dennoch eine Zinserhöhung im April auslösen könnte – insbesondere wenn die BoJ der Verhinderung einer Beschleunigung der Inflationserwartungen Priorität einräume. Die Analysten der OCBC erklärten, ihr Basisszenario bleibe eine Anhebung um 25 Basispunkte im April, räumten jedoch ein, dass die aktuelle Markteinpreisung eher auf ein Festhalten an den aktuellen Sätzen hindeute.
Gouverneur Ueda im Fokus der Märkte
Über die eigentliche Zinsentscheidung hinaus richtet sich der Blick der Märkte vor allem auf die Kommentare von BoJ-Gouverneur Kazuo Ueda. Ueda hatte in den vergangenen Wochen die Erwartungen an eine sofortige Zinserhöhung gedämpft, was zu einer deutlichen Umkehr der Marktwetten geführt hatte. Beobachter erwarten dennoch, dass er falkenhafte Signale aussenden wird, um die japanische Währung zu stützen.
Der japanische Yen stand zuletzt unter Druck, da die Erwartungen an eine Zinserhöhung im April gesunken sind. Das Währungspaar USD/JPY konnte sich jedoch unter der psychologisch wichtigen Marke von 160 Yen halten. Ein Überschreiten dieses Niveaus hat in der Vergangenheit zu staatlichen Interventionen an den Devisenmärkten geführt.
Die ANZ-Analysten erläuterten den Zusammenhang: „Die begrenzte Abwertung des JPY seit Beginn des Nahostkonflikts ist ein weiterer Grund, warum die BoJ bei ihrer kommenden Sitzung von einer Zinserhöhung absehen kann. Eine JPY-Schwäche würde den Inflationsdruck erhöhen, während das gesteigerte Risiko von Deviseninterventionen das Potenzial für eine baldige Zinserhöhung erhöht hätte."
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Zur AktienanalyseNikkei 225 auf Rekordniveau – aber anfällig
Japanische Aktien legten im Vorfeld der BoJ-Entscheidung deutlich zu. Der Nikkei 225 erreichte eine Reihe von Rekordhochs, getragen von der Stärke lokaler Technologie-, Banken- und Industriewerte. Spekulationen über eine Deeskalation im Iran-Konflikt trieben die Gewinne ebenfalls an, wenngleich an den Märkten weiterhin große Ungewissheit über den Ausgang des Konflikts herrschte.
Die Rekordniveaus machen den Nikkei jedoch anfällig für potenzielle Gewinnmitnahmen – insbesondere dann, wenn die BoJ während ihrer Sitzung falkenhafte Signale sendet. Wachsende Erwartungen an weitere Zinserhöhungen könnten japanische Aktien in den kommenden Monaten zusätzlich belasten. Die BoJ steht damit vor einem schwierigen Balanceakt: stabile Geldpolitik auf der einen Seite, Vermeidung einer weiteren Yen-Schwäche auf der anderen.


