Bank of Japan hebt Zinsen auf höchsten Stand seit 1995
Die BoJ erhöht ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 1,0 % – der vierte Schritt seit dem Ende der Nullzinspolitik.

Die Bank of Japan (BoJ) wird zum Abschluss ihrer zweitägigen Sitzung am 16. Juni voraussichtlich die Zinsen um 25 Basispunkte auf 1,0 % anheben. Dies wäre die vierte Zinserhöhung seit dem Ende des Ultra-Niedrigzinsregimes im Jahr 2024 und würde die japanischen Zinssätze auf den höchsten Stand seit 1995 bringen. Zuletzt hatte die BoJ die Zinsen im Dezember um ebenfalls 25 Basispunkte angehoben.
Bemerkenswert ist, dass die Sitzung voraussichtlich ohne BoJ-Gouverneur Kazuo Ueda stattfinden wird, der zuletzt wegen einer Infektion einer Leberzyste im Krankenhaus lag. Ueda hatte eine Zinserhöhung im Juni jedoch bereits im Vorfeld signalisiert – vor allem angesichts wachsender Sorgen über steigende Inflation infolge von Energieschocks durch den Konflikt zwischen den USA und Israel gegen den Iran.
Inflation und Löhne als zentrale Treiber
Die japanische Verbraucherinflation blieb in den vergangenen Monaten zwar gedämpft, da staatliche Subventionen für Kraftstoffe und Elektrizität die Auswirkungen hoher Energiepreise abfederten. Die Erzeugerinflation stieg jedoch im April und Mai kräftig an, was die Sorge schürt, dass steigende Geschäftskosten letztlich an die Verbraucher weitergegeben werden. Mehrere Vorstandsmitglieder der BoJ sprachen sich in jüngsten Sitzungen ausdrücklich für eine Anhebung aus.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist das starke Lohnwachstum nach den Frühjahrslohnverhandlungen im März. Die BoJ hat wiederholt betont, dass Inflation und Löhne ihre beiden wichtigsten Kriterien für Zinsanpassungen bleiben. Analysten von ANZ bezeichnen die Juni-Erhöhung als „vorsorglich" und begründen dies mit den steigenden Energiekosten sowie einer Kerninflation, die dauerhaft über 2,0 % liegt.
„Zusammen mit den Daten der BoJ, die zeigen, dass die Kerninflation ohne Berücksichtigung institutioneller Faktoren dauerhaft über 2,0 % liegt, halten wir eine Zinserhöhung in diesem Monat für gerechtfertigt", so die Analysten von ANZ.
Schwacher Yen erhöht den Druck auf die Zentralbank
Ein weiterer Belastungsfaktor ist die jüngste Schwäche des japanischen Yen. Das Währungspaar USD/JPY sprang im Vorfeld der Juni-Sitzung wieder über die Marke von 160 Yen – ein Niveau, das in der Vergangenheit als rote Linie für Devisenmarktinterventionen Tokios galt und bereits zu Dollarverkäufen der Regierung in Höhe von Hunderten Milliarden geführt hatte. Ein schwächerer Yen treibt die Importpreise in die Höhe und verstärkt damit den Inflationsdruck zusätzlich.
Analysten der OCBC erklärten, ein „wesentlich stärkerer Yen" würde eine „restriktivere BoJ" erfordern. Da eine Anhebung um 25 Basispunkte bereits eingepreist sei, richte sich der Fokus der Märkte nun darauf, ob die Zentralbank ein schnelleres Tempo bei den Erhöhungen in den kommenden Monaten signalisiert.
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Zur AktienanalyseAuswirkungen auf japanische Aktien
Japanische Aktien erreichten im Vorfeld der BoJ-Sitzung eine Reihe von Rekordhöhen. Sowohl der Nikkei 225 als auch der TOPIX-Index befanden sich vor der Sitzung auf Rekordniveau, angetrieben von Optimismus über ein mögliches Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran sowie Stärke im Technologiesektor.
Ein restriktiverer Ton der BoJ könnte jedoch den Weg für Gewinnmitnahmen bei lokalen Aktien ebnen. Technologieaktien und konjunktursensible Titel dürften unter Druck geraten, während große japanische Banken und Versicherer von höheren Zinsen profitieren werden. ANZ erwartet zudem, dass die BoJ die Zinsen im vierten Quartal mindestens ein weiteres Mal anheben wird – trotz eines zuletzt abgekühlten Wirtschaftswachstums.


