Bank of Japan unter Druck: Zinserhöhung zur Yen-Stützung erwartet
Nach einer seltenen gemeinsamen Devisenintervention der USA und Japans richten sich alle Augen auf die Bank of Japan und ihre nächsten Zinsschritte.

Der japanische Yen steht im Mittelpunkt der globalen Finanzmärkte. Die USA und Japan haben in einer äußerst seltenen gemeinsamen Intervention Yen gekauft – ein Schritt, der Ökonomen und Investoren gleichermaßen überraschte. Selbst die Europäische Zentralbank war nicht vorgewarnt worden, dass die USA diese Maßnahme auch in Euro durchführen würden.
Das Kernproblem liegt in der erheblichen Zinsdifferenz zwischen Japan und den USA. Der Leitzins der Bank of Japan (BoJ) liegt bei lediglich 1 Prozent, während das US-amerikanische Pendant bei 3,5 bis 3,75 Prozent notiert. Diese Differenz setzt den Yen strukturell unter Druck und treibt den Dollar gegenüber der japanischen Währung nach oben.
Professor Costas Milas von der University of Liverpool hält den Yen für rund 21 Prozent unterbewertet. Die Entkoppelung des Wechselkurses von den Zinsdifferenzen sei tatsächlich aus dem Ruder gelaufen und habe die USA und Japan dazu veranlasst, den Markt als „ungeordnet" zu bezeichnen.
Analysten fordern Handeln der BoJ
Masayuki Nakajima von Mizuho gehört zu den Analysten, die eine Bewegung auf Seiten der BoJ für unumgänglich halten. Die OIS-Märkte preisten am 7. August eine Wahrscheinlichkeit von fast 70 Prozent für eine Zinserhöhung im September ein, nachdem der Yen erneut an Wert verloren hatte.
Aus binnenwirtschaftlicher Sicht bleibt die Hürde für einen Schritt im September jedoch hoch. Nach Jahrzehnten mit geringem Wachstum, niedriger Inflation und extrem niedrigen Zinsen bestehen weiterhin Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen höherer Kreditkosten auf Haushalte mit Hypotheken sowie auf kleine und mittlere Unternehmen. Mizuho sieht den Dezember daher weiterhin als natürlichsten Zeitpunkt für die nächste Zinserhöhung.
Auch Naohiko Baba und seine Kollegen von Barclays beobachten die Lage genau. Oktober bleibt ihr Basisszenario, doch sie haben ihre Wachsamkeit gegenüber einer Erhöhung im September nicht verringert. Entscheidend sei die am 10. August anstehende Zusammenfassung der Meinungen der BoJ: Sollten mehrere Mitglieder eine frühzeitige Zinserhöhung befürworten, würde die Wahrscheinlichkeit eines September-Schritts erheblich steigen.
Sollte die BoJ die Zinsen im September anheben, würde sich das Intervall zwischen den Erhöhungen auf etwa alle drei Monate verkürzen – ein Tempo, das seit der Straffungsphase am Ende der japanischen Vermögenspreisblase 1989–90 nicht mehr zu beobachten war. Dies würde einen historischen Wendepunkt in der japanischen Geldpolitik darstellen.
US-Arbeitsmarkt: Schwache Zahlen, aber kein Alarm
Parallel dazu sorgte der jüngste US-Arbeitsmarktbericht für Aufsehen. Der tatsächliche Wert von minus 23.000 Stellen lag weit unter der Prognose von rund 80.000. Zusammen mit Abwärtskorrekturen für Mai und Juni beläuft sich der gleitende Dreimonatsdurchschnitt für das Beschäftigungswachstum auf nur noch 20.000.
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Zur AktienanalyseDennoch gibt es Vorbehalte gegenüber der schwachen Schlagzeile. Die Arbeitslosenquote sank leicht auf 4,1 Prozent – die niedrigste Erwerbsbeteiligungsquote seit 2021. Der Rückgang beim Stellenaufbau war zudem größtenteils saisonal bedingt: Die Zahl der Beschäftigten im öffentlichen Bildungswesen sank um etwa 50.000, was auf die vorlesungsfreie Zeit zurückzuführen ist.
Da die Zahl der offenen Stellen weiterhin die Zahl der Arbeitslosen übersteigt, scheint der private Konsum vorerst geschützt. Skanda Amarnath von Employ America betont, die Arbeitslosenquote sei zwar „eine fehlerhafte Kennzahl, aber eine von der Fed bevorzugte" – und werde in diesem Monat durch andere Kennzahlen der Haushaltsbefragung gestützt.
Insgesamt sehen Analysten kaum Anzeichen für ernsthaften Stress am US-Arbeitsmarkt. Die Break-even-Rate der Beschäftigungsbildung liegt bei etwa null, und sowohl die Arbeitslosenquote als auch die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe bleiben sehr niedrig. Das Lohnwachstum verlangsamt sich zwar, doch dies gibt der Fed Raum, sich auf die nach wie vor zu hohe Inflation zu konzentrieren.


