Bank of Korea erhöht Leitzins erstmals seit dreieinhalb Jahren
Die südkoreanische Zentralbank hebt den Leitzins um 25 Basispunkte auf 2,75 % an – und kämpft gegen hartnäckige Inflation.

Die Bank of Korea (BOK) hat am Donnerstag ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 2,75 % angehoben. Es ist die erste Zinserhöhung der südkoreanischen Zentralbank seit Anfang 2023 – also seit mehr als dreieinhalb Jahren. Mit diesem Schritt reagiert die BOK auf wachsende Inflationsrisiken im Land, die sich zuletzt deutlich verschärft haben.
Die Entscheidung war von Analysten erwartet worden und fiel in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld. Gleich mehrere Faktoren treiben die Preise in Südkorea in die Höhe: steigende Energieimportkosten, Lieferkettenstörungen infolge des Krieges im Nahen Osten sowie eine anhaltende Schwäche der südkoreanischen Währung Won. Der USD/KRW-Wechselkurs hatte in diesem Jahr zeitweise ein Niveau erreicht, das zuletzt vor fast zwei Jahrzehnten verzeichnet worden war – ein erheblicher Belastungsfaktor für die Importpreise.
Inflation weit über dem Zielwert
Besonders alarmierend ist die Entwicklung beim Verbraucherpreisindex: Im Juni kletterte die Inflation auf 3,2 % – ein Zweieinhalb-Jahres-Hoch und deutlich über dem jährlichen Zielwert der BOK von 2 %. Experten gehen davon aus, dass die Teuerungsrate für den Rest des Jahres oberhalb dieses Zielwerts verbleiben wird. Das hält die Tür für weitere Zinserhöhungen offen.
Neben dem Preisdruck durch Energie und Währung spielen auch strukturelle Faktoren eine Rolle. Ein starkes Wirtschaftswachstum – angetrieben durch den globalen Boom der künstlichen Intelligenz und den damit verbundenen Aufschwung im südkoreanischen Halbleitersektor – hat die Preise zusätzlich nach oben getrieben. Hinzu kommen steigende Immobilienpreise und eine wachsende private Verschuldung, die die BOK ebenfalls besorgen.
BOK-Gouverneur Shin Hyun-song, der erst Anfang des Jahres ernannt worden war, hatte bereits im Vorfeld klargemacht, dass Zinserhöhungen angesichts der hartnäckigen Inflation und der geopolitischen Risiken – insbesondere aus dem Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran – notwendig seien.
Analysten rechnen mit weiterer Straffung
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Zur AktienanalyseDie Experten von Capital Economics sehen gute Gründe für eine Fortsetzung des restriktiven Kurses. „Es gibt gute Gründe, in den kommenden Monaten mit einer weiteren Straffung zu rechnen. Ein Hauptanliegen der BoK ist der jüngste Inflationssprung", schrieben die Analysten in einem Kommentar. Sie verwiesen zudem darauf, dass das südkoreanische Wirtschaftswachstum trotz eines schwachen Privatkonsums voraussichtlich robust bleiben werde – und dass steigende Immobilienpreise ebenfalls für eine weitere geldpolitische Straffung sprächen.
Für deutsche Anleger und Beobachter ist die Entscheidung der BOK ein weiteres Signal dafür, dass der globale Zinszyklus keineswegs abgeschlossen ist. Während die Europäische Zentralbank und die US-Notenbank Fed zuletzt eher über Zinssenkungen diskutierten, zeigt das Beispiel Südkorea, dass Zentralbanken in bestimmten Volkswirtschaften weiterhin gezwungen sein können, gegen hartnäckige Inflation anzukämpfen – mit allen Konsequenzen für Wechselkurse, Immobilienmärkte und die Realwirtschaft.


