Bank of Korea hebt Leitzins erstmals seit drei Jahren an
Die südkoreanische Zentralbank erhöht am 16. Juli die Zinsen auf 2,75% – angetrieben von hartnäckiger Inflation und starkem Wirtschaftswachstum.

Die Bank of Korea (BOK) steht vor ihrer ersten Zinserhöhung seit mehr als drei Jahren. Laut einer Reuters-Umfrage unter 37 Ökonomen erwarten 36 von ihnen, dass die südkoreanische Zentralbank ihren Leitzins am 16. Juli auf 2,75% anheben wird. Treiber dieser Entscheidung sind eine hartnäckig hohe Inflation sowie ein robustes Wirtschaftswachstum.
Die Verbraucherinflation in Südkorea beschleunigte sich im Juni auf 3,2% – ein 2,5-Jahres-Hoch – und lag damit den vierten Monat in Folge über dem BOK-Zielwert von 2%. Für die zweite Jahreshälfte erwarten Ökonomen eine durchschnittliche Inflationsrate von rund 3%. Für das Gesamtjahr 2026 wird eine Teuerung von 2,7% prognostiziert, für 2027 von 2,2%.
Gouverneur macht Weg für Straffungszyklus frei
BOK-Gouverneur Shin Hyun-song hat eine Zinserhöhung bereits als notwendig bezeichnet. Als Begründung nannte er die anhaltend hohe Inflation, die durch hohe Ölpreise infolge des US-israelischen Krieges gegen den Iran weiter befeuert wird. Zusätzlich belastet ein schwächerer südkoreanischer Won die Importkosten: Die Währung hat in diesem Jahr bereits mehr als 4% an Wert verloren, was die Kosten für importierte Rohstoffe erhöht.
Bum Ki Son, Ökonom bei Barclays, kommentierte die Situation wie folgt: „Dies wurde bei der letzten Sitzung, als die BOK sowohl ihre Wachstums- als auch ihre Inflationsprognosen anhob, relativ deutlich kommuniziert. Der Gouverneur machte deutlich, dass die Mandate der Bank in einer seltenen Konstellation nicht im Widerspruch standen, sondern in dieselbe Richtung für eine Anhebung deuteten."
Neben der Inflation sprechen auch makroökonomische Faktoren für eine Straffung der Geldpolitik. Die südkoreanische Wirtschaft wuchs im ersten Quartal so schnell wie seit fast sechs Jahren nicht mehr. Steigende Immobilienpreise und eine hohe Verschuldung der privaten Haushalte geben den Entscheidungsträgern zusätzlichen Spielraum für eine restriktivere Geldpolitik.
Weitere Zinserhöhungen bis Jahresende erwartet
Die Zinserhöhung vom Juli dürfte nicht die letzte bleiben. Eine deutliche Mehrheit der befragten Ökonomen – 28 von 31 – erwartet eine weitere Anhebung bis Ende des vierten Quartals 2026, wodurch der Leitzins auf 3,00% steigen würde. Ein Ökonom prognostiziert sogar 3,25%, während zwei Befragte den Leitzins bei 2,75% sehen.
Die Medianprognosen der Umfrage deuten darauf hin, dass die BOK ihren Leitzins im ersten Quartal 2027 auf 3,25% anheben und ihn mindestens bis Ende des nächsten Jahres auf diesem Niveau belassen wird. Dies entspricht einer Anhebung um 25 Basispunkte gegenüber den Prognosen der Mai-Umfrage. Auch der im Mai veröffentlichte „Dot Plot" der BOK zeigte, dass eine Mehrheit der Ratsmitglieder davon ausgeht, dass der Leitzins in den nächsten sechs Monaten 3% erreichen wird.
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Zur AktienanalyseBenson Wu, Korea-Ökonom bei BofA Global Research, hob die Währungsschwäche als zentrales Thema hervor: „Obwohl die politischen Entscheidungsträger in den letzten Wochen ihre verbalen Interventionen intensiviert und die Botschaften zwischen den Ministerien abgestimmt haben, scheint die Auswirkung auf den Won begrenzt gewesen zu sein." Wu kündigte an, genau auf Signale zu achten, die die Tür für aufeinanderfolgende Zinserhöhungen öffnen könnten – auch wenn dies nicht das Basisszenario der BofA darstelle.
Südkorea im regionalen Kontext
Südkorea reiht sich mit dieser Entscheidung in eine Reihe asiatisch-pazifischer Zentralbanken ein, die ihre Geldpolitik bereits gestrafft haben. Australien, Neuseeland, Indonesien und die Philippinen haben ihre Leitzinsen in jüngster Zeit ebenfalls angehoben. Das Wirtschaftswachstum Südkoreas wird für 2026 auf 2,8% und für 2027 auf 2,1% prognostiziert – solide Werte, die den geldpolitischen Handlungsspielraum der BOK weiter stützen.


