Bankenfusionen im Angesicht des Fachkräftemangels
Die Herausforderung der Personalbeschaffung und andere Treiber für den Wandel im Bankensektor Deutschlands

Die Fusionen von Sparkassen und Volksbanken haben 2023 eine deutliche Zunahme erlebt, und der Fachkräftemangel spielt dabei eine entscheidende Rolle. Laut einer Erhebung der Beratungsfirma Zeb, die für das Handelsblatt durchgeführt wurde, gab es bis kurz vor Weihnachten 35 Fusionen unter den Genossenschaftsbanken, darunter sogar vier Fälle, in denen jeweils drei Banken fusionierten. Dies führte dazu, dass die Anzahl der genossenschaftlichen Geldinstitute auf knapp 700 sank. Ende 2022 zählte der Lobbyverband BVR noch 737 Banken. Auch bei den Sparkassen gab es 2023 sieben Fusionen, darunter eine Fusion von drei Sparkassen, was die Gesamtzahl auf 353 reduzierte.
In Deutschland existieren vergleichsweise viele Banken, hauptsächlich aufgrund der Tatsache, dass Sparkassen und Genossenschaftsbanken meist in regional begrenzten und teilweise kleinen Geschäftsbereichen tätig sind. Diese Vielfalt bringt jedoch auch ihre Herausforderungen mit sich. Hans-Gerd Stickling, Partner bei Zeb, betont: "Wir sehen als maßgebliche Treiber für Fusionen die weiter zunehmende Regulatorik und die Demografie, die zu einem Fachkräftemangel führt. Beide Faktoren sind eng verbunden." Immer mehr Banken verweisen explizit auf den Fachkräftemangel als Begründung für geplante Fusionen.
Kleinere Banken stehen vor der Herausforderung, Positionen wie Kreditspezialisten, Compliance-Experten, Treasurer und neuerdings auch Nachhaltigkeitsexperten zu besetzen, insbesondere aufgrund der verschärften regulatorischen Anforderungen. Dies gestaltet sich für sie zunehmend schwierig, während größere Banken besser dazu in der Lage sind. Dennoch ringen auch große Geldinstitute darum, ausreichend qualifiziertes Personal zu finden. Die Commerzbank steht vor der Aufgabe, aufgrund des demografischen Wandels und der steigenden Fluktuation in den nächsten zehn Jahren mehr als die Hälfte ihrer Belegschaft auszutauschen.
Auch Sparkassen und Volksbanken sind von diesem Problem betroffen. Es wird geschätzt, dass bis 2030 etwa 30 bis 40 Prozent der Mitarbeiter in Regionalbanken in den Ruhestand gehen werden. In der gesamten Branche ist die Nachfrage nach offenen Stellen und Ausbildungsplätzen deutlich gestiegen, wie Erhebungen der Personalmarktforschung Index zeigen.
Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) nennt neben dem Fachkräftemangel auch andere Gründe für Fusionen, darunter das jeweilige Wettbewerbsumfeld, hohe regulatorische Belastungen und die begrenzte Kreditvergabefähigkeit kleiner Banken im Vergleich zu größeren Instituten. Fusionen sind schon lange ein anhaltendes Phänomen im genossenschaftlichen und öffentlich-rechtlichen Bankensektor, mit einem langjährigen Rückgang der Anzahl von Sparkassen und Genossenschaftsbanken.
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Zur AktienanalyseIn den nächsten Jahren werden weitere Fusionen erwartet, da die Banken nach Möglichkeiten suchen, den Herausforderungen des Fachkräftemangels und anderer Faktoren zu begegnen. Während einige sehr große Banken bereits fusioniert haben, planen andere noch größere Fusionen, um ihre Position im Markt zu stärken und die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Der Bankensektor in Deutschland befindet sich zweifellos in einem ständigen Wandel, angetrieben von dem Bestreben, in einem zunehmend komplexen Umfeld erfolgreich zu agieren.


