Barclays: Dollar-Yen bleibt wegen Kapitalabflüssen nahe 160
Barclays erwartet den Dollar-Yen-Kurs dauerhaft um 160 – politische Risiken und strukturelle Kapitalabflüsse belasten den Yen weiter.

Die britische Großbank Barclays erwartet, dass der Wechselkurs zwischen US-Dollar und japanischem Yen weiterhin um die Marke von 160 verharren wird. Als Hauptgründe nennt die Bank politische Risiken in Japan sowie anhaltende Kapitalabflüsse, die Bemühungen um Devisenmarktinterventionen neutralisieren. Damit rückt das 2024er-Hoch von 162 Yen je Dollar wieder in greifbare Nähe.
Barclays zufolge hat die sogenannte „High-Pressure-Economy"-Politik der Takaichi-Regierung in Kombination mit höheren Ölpreisen den Dollar-Yen-Kurs deutlich über seinen geschätzten fairen Wert getrieben. Diesen fairen Wert verortet die Bank im Bereich der Mitte 140. Die Abweichung erklärt Barclays mit einer Inflationsrisikoprämie, die sich im Kurs widerspiegelt.
Strukturelle Kapitalabflüsse belasten den Yen
Ein zentrales Problem für die japanische Währung sind die strukturellen Devisenströme. Auslandsinvestitionen japanischer Anleger belaufen sich auf rund 40 Billionen Yen und übersteigen damit den Leistungsbilanzüberschuss von etwa 20 Billionen Yen deutlich. Dieser Überhang erzeugt einen anhaltenden Verkaufsdruck auf den Yen.
Besonders ins Gewicht fallen dabei die Umschichtungen japanischer Haushalte in ausländische Vermögenswerte. Allein über sogenannte NISA-Konten – steuerlich begünstigte Anlagekonten in Japan, vergleichbar mit dem deutschen Depot mit Sparerpauschbetrag – fließen jährlich rund 10 Billionen Yen ins Ausland. Hinzu kommen starke ausländische Direktinvestitionen japanischer Unternehmen im Ausland. Barclays geht davon aus, dass diese Kapitalabflüsse auf einem hohen Niveau bleiben werden.
Interventionen dürften kaum Wirkung zeigen
Die Bank zweifelt zudem an der Wirksamkeit möglicher Devisenmarktinterventionen der japanischen Behörden. Angesichts der restriktiven Markterwartungen gegenüber der US-Notenbank Federal Reserve dürften Interventionen den übergeordneten Trend beim Dollar-Yen kaum umkehren. Gleichzeitig erwartet Barclays, dass die Bank of Japan ihren Zinserhöhungszyklus nicht beschleunigen wird – ein weiterer Faktor, der den Yen unter Druck hält.
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Zur AktienanalyseSollten die japanischen Behörden auf Interventionen verzichten oder eine wahrgenommene Unwilligkeit zum Eingreifen signalisieren, könnte der Kurs laut Barclays sogar noch weiter nach oben getrieben werden. Das 2024er-Hoch von 162 Yen je Dollar gilt damit nicht als Deckel, sondern möglicherweise als nächste Etappe.
Für deutsche Anleger ist die Entwicklung des Yen relevant, da ein schwacher Yen japanische Exportwerte verbilligt und die Wettbewerbsfähigkeit japanischer Unternehmen auf dem Weltmarkt stärkt. Gleichzeitig erhöht ein schwacher Yen die Importkosten für Japan, was die Inflation im Land weiter anheizen kann – ein Dilemma für die Bank of Japan bei ihrer Geldpolitik.


