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Barclays warnt: Großbritannien fehlen 4,7 Milliarden Pfund für Verteidigung

Trotz angekündigter Umverteilungen klafft im britischen Verteidigungshaushalt eine erhebliche Finanzierungslücke – eine Herausforderung für den nächsten Premier.

Barclays warnt: Großbritannien fehlen 4,7 Milliarden Pfund für Verteidigung

Großbritannien steht vor einer erheblichen fiskalischen Herausforderung: Laut einer aktuellen Research-Note der Barclays Bank fehlen im diesjährigen Haushalt noch rund 4,7 Milliarden Pfund, um die geplanten höheren Verteidigungsausgaben vollständig zu finanzieren. Dies gilt trotz der bereits angekündigten Umverteilungen innerhalb des Staatshaushalts – und unterstreicht den Druck, der auf dem nächsten Premierminister des Landes lasten wird.

Die britische Regierung unter dem scheidenden Premierminister Keir Starmer und Finanzministerin Rachel Reeves hatte zusätzliche Verteidigungsausgaben angekündigt, die teilweise durch Kürzungen der Investitionshaushalte in verschiedenen Regierungsressorts finanziert werden sollen. Diese Maßnahmen decken jedoch laut Barclays nur etwa 11,3 Milliarden Pfund einer geplanten Gesamterhöhung von 15 Milliarden Pfund über die nächsten vier Geschäftsjahre ab. Die verbleibende Lücke von 4,7 Milliarden Pfund muss demnach im Haushalt 2026 durch zusätzliche politische Maßnahmen geschlossen werden.

Burnham als Favorit – und seine fiskalischen Grenzen

Die Analyse fällt in eine politisch bedeutsame Phase: Andy Burnham, der als Favorit für die Nachfolge Starmers als Premierminister gilt, skizzierte in dieser Woche seine allgemeinen politischen Prioritäten. Gleichzeitig bekräftigte er sein Bekenntnis zu den britischen Haushaltsregeln. Barclays weist jedoch darauf hin, dass Burnhams politische Schwerpunkte die Finanzierungssituation zusätzlich erschweren könnten.

Konkret nennt die Bank zwei Faktoren: Burnhams Fokus auf die Übertragung von Befugnissen an Regionalregierungen sowie seine Absicht, größere Steuererhöhungen für Unternehmen zu vermeiden. Berater aus seinem Umfeld haben laut Barclays bereits Forderungen von Gewerkschaften zurückgewiesen, Steuern für Banken und Unternehmen anzuheben, um neue Ausgaben zu finanzieren. Dies verdeutlicht die engen politischen Spielräume, innerhalb derer die künftige Regierung agieren muss.

Fiskalischer Spielraum schrumpft durch steigende Anleiherenditen

Neben der Verteidigungslücke sieht sich die britische Regierung mit einem weiteren fiskalischen Problem konfrontiert. Barclays schätzt, dass die gestiegenen Renditen für britische Staatsanleihen – sogenannte Gilts – seit den Prognosen des Office for Budget Responsibility vom März den verfügbaren Haushaltsspielraum bereits um rund 3 Milliarden Pfund verringert haben. Revidierte Bevölkerungsprognosen könnten diesen Spielraum zusätzlich einengen.

Dennoch beziffert Barclays den aktuellen Haushaltsspielraum basierend auf den derzeitigen Marktbedingungen auf etwa 15 bis 20 Milliarden Pfund. Die fiskalischen Auswirkungen der zusätzlichen Verteidigungsausgaben seien unter den geltenden Kreditaufnahme-Regeln der Regierung grundsätzlich beherrschbar, so die Bank.

Interessant ist auch die wirtschaftliche Einschätzung von Barclays zur Umschichtung von Investitionen: Die Umleitung von Mitteln aus den Bereichen Verkehr, Energie, Wohnungsbau und Bildung in Richtung Verteidigung dürfte kurzfristig nur begrenzte Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum haben, da beide Ausgabenarten ähnliche kurzfristige fiskalische Multiplikatoren aufweisen. Langfristig jedoch gelten Infrastrukturinvestitionen als produktivitätsfördernder als Verteidigungsausgaben – ein Aspekt, der für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der britischen Wirtschaft relevant ist.

Bank of England hält an restriktivem Kurs fest

Zur Geldpolitik liefert Barclays ebenfalls eine klare Einschätzung: Die jüngsten Äußerungen von Andrew Bailey, dem Gouverneur der Bank of England, bekräftigen die Erwartung, dass die Entscheidungsträger die Zinssätze in diesem Jahr trotz nachlassenden Inflationsdrucks unverändert lassen werden. Bailey erwartet, dass die Inflation im weiteren Jahresverlauf einen Höchststand von etwa 3,2 Prozent erreichen wird, und deutete an, dass Zinssenkungen vorerst vom Tisch seien.

Gleichzeitig signalisierte Bailey die Fortsetzung aktiver Verkäufe von Staatsanleihen im Rahmen des Quantitative-Tightening-Programms der Zentralbank. Für deutsche Anleger mit Blick auf britische Staatsanleihen oder das Pfund Sterling bedeutet dies: Der geldpolitische Kurs der Bank of England bleibt vorerst restriktiv, während die fiskalische Unsicherheit rund um den Regierungswechsel anhält.

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