BASF kämpft mit Sparprogramm gegen die Branchenkrise
Kosteneinsparungen, Anlagenschließungen und Stellenabbau zur Bewältigung der Herausforderungen

Der neue BASF-Chef Markus Kamieth steuert den weltgrößten Chemiekonzern mit einem umfassenden Sparprogramm durch die derzeitige Branchenflaute. Das Unternehmen plant, bis Ende 2026 jährlich 2,1 Milliarden Euro einzusparen, wobei bis Ende dieses Jahres bereits 800 Millionen Euro an Kosteneinsparungen erwartet werden. Trotz der Einsparungen steht BASF weiterhin vor Herausforderungen: Im zweiten Quartal 2024 sank der Umsatz um knapp sieben Prozent auf 16,1 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr, während der bereinigte Betriebsgewinn mit zwei Milliarden Euro konstant blieb.
Am Aktienmarkt reagierten Anleger zunächst negativ, die BASF-Aktie sank am Freitagvormittag um gut drei Prozent und war das Schlusslicht im DAX. Während die Schweizer Großbank UBS die unveränderten Jahresziele als positiv bewertete, äußerten sich die Analysten von Jefferies enttäuscht über die schwächeren Ergebnisse. Insbesondere der Landwirtschaftsbereich zeigte Schwächen, wobei sowohl die Preise als auch die verkauften Mengen des Unkrautvernichters Glufosinat-Ammonium zurückgingen.
In Reaktion auf die schwierige Marktlage kündigte BASF Mitte Juli an, die Wirkstoffproduktion für Unkrautvernichter in Deutschland einzustellen und zwei Anlagen in Frankfurt und Knapsack bei Köln zu schließen, was ab 2025 zu einem schrittweisen Abbau von 300 Arbeitsplätzen führen wird. Dies ist Teil eines umfassenden Sparprogramms, das bereits 2023 unter Kamieths Vorgänger Martin Brudermüller gestartet wurde und den Abbau von weltweit 2.600 Stellen vorsah, davon rund zwei Drittel in Deutschland. Anfang 2024 verschärfte BASF diesen Kurs weiter und kündigte die Schließung weiterer energieintensiver Anlagen an, insbesondere am Standort Ludwigshafen, um bis Ende 2026 eine zusätzliche Milliarde Euro einzusparen.
Die gesamte Chemieindustrie leidet unter hohen Energiekosten in Deutschland. Das erste Halbjahr 2024 verlief laut dem Verband der chemischen Industrie (VCI) zwar besser als erwartet, doch der erhoffte Wachstumsschub für das zweite Halbjahr blieb aus. Konzerne wie Lanxess haben ebenfalls Kosten gesenkt und ihre Effizienz verbessert, was sich positiv auf ihre Betriebsergebnisse auswirkte.
Die Auslastungsrate der Chemiebranche lag im ersten Halbjahr bei 79 Prozent, was für viele Unternehmen jedoch bedeutet, dass sie mit Verlusten produzieren, da die Rentabilitätsschwelle zwischen 82 und 85 Prozent liegt. Eine Umfrage des VCI zeigt, dass die Hälfte der Mitgliedsunternehmen mit einer Erholung des Chemiegeschäfts in diesem oder spätestens im nächsten Jahr rechnet, während gut 20 Prozent eine Erholung frühestens ab 2026 erwarten.
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Zur AktienanalyseBASF bleibt trotz der Herausforderungen zuversichtlich, die Jahresziele zu erreichen. Das Betriebsergebnis vor Sondereinflüssen soll zwischen acht und 8,6 Milliarden Euro liegen. Der Konzern erwartet, in der zweiten Jahreshälfte die Preise anheben zu können und sieht sich gut aufgestellt, obwohl das dritte Quartal saisonal schwächer sein dürfte. Im Bereich der Batteriechemie pausiert BASF ein groß angelegtes Batterierecycling-Projekt in Spanien aufgrund der rückläufigen Nachfrage nach Elektroautos, ist jedoch bereit, das Projekt wieder aufzunehmen, sobald der Markt sich erholt.


