BayWa in der Krise: Gericht soll helfen
StaRUG-Verfahren soll widerspenstige Gläubiger binden und Kursverluste abfedern

Der Agrar- und Baustoffkonzern BayWa befindet sich in einer schweren finanziellen Krise, ausgelöst durch verlustreiche Geschäfte mit Windparks und Solaranlagen. Um die rund fünf Milliarden Euro Schulden zu bewältigen, sieht ein Sanierungsplan vor, dass Gläubiger ihre Kredite und andere Schuldpapiere bis Ende 2027 verlängern. Da nicht alle Geldgeber dieser Maßnahme zustimmen, hat BayWa ein Verfahren nach dem Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz (StaRUG) eingeleitet, um die verbliebenen blockierenden Gläubiger mit gerichtlicher Hilfe einzubinden.
Das StaRUG-Verfahren, das Unternehmen die Möglichkeit gibt, sich ohne ein reguläres Insolvenzverfahren zu sanieren, erfordert lediglich die Zustimmung von 75 Prozent der Finanzgläubiger. Diese Mehrheit hat BayWa bereits erreicht. Dennoch wollte das Unternehmen diesen Schritt ursprünglich vermeiden, da ähnliche Verfahren in der Vergangenheit zu Vertrauensverlusten am Kapitalmarkt und erheblichen Kursverlusten führten. Beispiele dafür sind die Fälle von Varta, Leoni und Spark Networks, bei denen der Aktienkurs nach Bekanntgabe des StaRUG-Verfahrens stark einbrach.
Auch BayWa erlebte einen drastischen Kursrückgang. Nach der Ankündigung des StaRUG-Verfahrens fiel der Aktienkurs zunächst um ein Drittel auf 6,45 Euro, den niedrigsten Stand seit 22 Jahren. Inzwischen hat sich der Kurs jedoch wieder erholt und liegt bei über 9 Euro, nachdem das Unternehmen erklärte, dass kein Kapitalschnitt erfolgen und die Aktionäre ihre Beteiligungen behalten werden.
Das Verfahren bringt jedoch nicht nur Kursrisiken, sondern auch erhebliche Kosten mit sich. Berater, Finanzexperten, Gutachter, Anwälte und Gerichtsgebühren belasten die ohnehin angespannte finanzielle Situation des Konzerns zusätzlich. Bereits im Oktober 2024 zeichnete sich ab, dass einzelne Gläubiger des Unternehmens wenig kompromissbereit waren, insbesondere ein Investor mit kurzfristigen Schuldverschreibungen im Wert von über 100 Millionen Euro.
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Zur AktienanalyseNach längerer Unklarheit wurde bekannt, dass es sich bei diesem Gläubiger um einen 63-jährigen Unternehmer aus Norddeutschland handelt, der mit dem Bau von Windkraft- und Solaranlagen zu einem der reichsten Männer Deutschlands geworden ist. Das von ihm mitgegründete Unternehmen erzielte laut Geschäftsbericht 2021 ein Gesamtergebnis von mehr als 200 Millionen Euro und ist zudem an Immobilienprojekten in Deutschland und Dänemark beteiligt. Der Gläubiger hat bisher keine Stellungnahme zu seinem Verhalten im Sanierungsprozess abgegeben.

