BayWa setzt auf Restrukturierung mit StaRUG-Verfahren
Gläubigerstreit, Schuldenabbau und Führungswechsel prägen die Zukunft des Konzerns

Der Agrar- und Baustoffkonzern BayWa setzt auf ein StaRUG-Restrukturierungsverfahren, um seine Sanierungspläne bis 2027 zu sichern. Das Unternehmen sieht sich mit erheblichen finanziellen Herausforderungen konfrontiert und will durch die Verlängerung von Krediten sowie den Verkauf von Unternehmensteilen seine Schuldenlast reduzieren. Mehr als 95 Prozent der Gläubiger haben dem Sanierungskonzept zugestimmt, jedoch verweigern sich einige wenige, darunter ein Investor aus Norddeutschland, der sich bislang als wenig kompromissbereit zeigt.
BayWa ist mit über fünf Milliarden Euro verschuldet. Die angebotene Lösung sieht vor, dass Gläubiger auf einen Verzicht verzichten können, während gleichzeitig höhere Zinsen für die gestundeten Kredite gezahlt werden sollen. Das Unternehmen plant, den Schuldenberg um vier Milliarden Euro abzubauen, indem große Teile des Auslandsgeschäfts verkauft werden. Die Marktlage lässt jedoch offen, ob diese Maßnahmen wie geplant umgesetzt werden können. Das StaRUG-Verfahren erlaubt eine Sanierung ohne Insolvenz, sofern mindestens 75 Prozent der Gläubiger zustimmen, eine Mehrheit, die BayWa nach eigenen Angaben bereits erreicht hat.
Trotz dieser Sanierungsbemühungen zeigt sich die Unsicherheit der Aktionäre deutlich. Die BayWa-Aktie verzeichnete einen massiven Kursverlust und fiel zwischenzeitlich um ein Drittel auf 6,45 Euro, den tiefsten Stand seit 22 Jahren. Neben dem Restrukturierungsverfahren plant BayWa eine Kapitalerhöhung im Umfang von 150 Millionen Euro, deren Erfolg stark von der Marktentwicklung und der Bereitschaft der Aktionäre abhängen dürfte. Der Aktienkurs spielt hierbei eine entscheidende Rolle.
Die finanziellen Schwierigkeiten spiegeln sich auch in den Unternehmenszahlen wider. In den ersten drei Quartalen des Jahres 2024 ging der Umsatz um 11 Prozent auf 16 Milliarden Euro zurück. Zudem wurde für diesen Zeitraum ein Konzernfehlbetrag von 640,8 Millionen Euro verzeichnet. BayWa plante ursprünglich, den Jahresabschluss für 2024 am 27. März zu veröffentlichen, doch aufgrund des laufenden Sanierungsverfahrens wird sich dieser Termin voraussichtlich verzögern. Auch die für den 27. Mai angesetzte Hauptversammlung könnte verschoben werden.
Neben den finanziellen Herausforderungen steht BayWa auch vor personellen Veränderungen. Seit dem Rücktritt des bisherigen Vorstandsvorsitzenden Marcus Pöllinger Ende Oktober 2024 ist die Position unbesetzt. Zudem wird Finanzvorstand Andreas Helber das Unternehmen Ende März verlassen, nachdem er noch den Jahresabschluss verantwortet hat. Die Suche nach geeigneten Nachfolgern gestaltet sich schwierig. Bisher konnten trotz intensiver Bemühungen keine neuen Kandidaten gefunden werden.
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Zur AktienanalyseDie Unsicherheiten innerhalb des Unternehmens haben auch Auswirkungen auf die Belegschaft. Bereits im vergangenen Jahr kursierten Gerüchte über einen Stellenabbau. Im Dezember 2024 bestätigte BayWa, dass bis 2027 rund 1300 der 8000 Vollzeitstellen abgebaut werden sollen, vor allem in der Verwaltung und im IT-Bereich. Die genauen Bedingungen werden derzeit mit dem Betriebsrat verhandelt, eine Einigung wird bis Ende Februar erwartet. Kritiker sehen in den Ankündigungen eine zusätzliche Verunsicherung für die Mitarbeiter, was zu vorzeitigen Kündigungen qualifizierter Fachkräfte geführt habe. Die kommenden Monate werden zeigen, wie sich die Restrukturierungsmaßnahmen und die personellen Entwicklungen auf die Zukunft des Unternehmens auswirken.


