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Bayer gewinnt Roundup-Prozess: Aufspaltung des Konzerns rückt näher

Ein Urteil des US-Supreme Court schützt Bayer vor Milliardenklagen und befeuert Spekulationen über eine Trennung von Agrar- und Pharmageschäft.

Bayer gewinnt Roundup-Prozess: Aufspaltung des Konzerns rückt näher

Der US-amerikanische Oberste Gerichtshof hat am Donnerstag ein wegweisendes Urteil zugunsten von Bayer gefällt. Das Gericht schützt den deutschen Pharma- und Agrarkonzern künftig vor Klagen, in denen dem Unternehmen vorgeworfen wird, nicht ausreichend vor potenziellen Krebsrisiken des Unkrautvernichtungsmittels Roundup gewarnt zu haben – obwohl die Regulierungsbehörden das Produkt als sicher eingestuft hatten. Für Bayer, dessen Aktie (BAYN) unter dem jahrelangen Rechtsstreit massiv gelitten hat, ist dies ein bedeutender Wendepunkt.

Bayer sieht sich derzeit zehntausenden Klagen im Zusammenhang mit Roundup gegenüber. Laut Unternehmensangaben haben Kläger das Argument der unzureichenden Warnhinweise in der überwiegenden Mehrheit dieser Fälle angeführt. Das Urteil des Supreme Court dürfte daher einen erheblichen Teil dieser Klagewelle eindämmen und dem Konzern finanzielle sowie operative Entlastung verschaffen.

Monsanto-Übernahme als teures Erbe

Der Ursprung des Rechtsstreits liegt in Bayers umstrittener Übernahme von Monsanto, dem US-amerikanischen Biotech-Saatgut- und Pestizidhersteller, der Roundup ursprünglich entwickelt hat. Bayer zahlte für die Akquisition 63 Milliarden US-Dollar – eine Summe, die von Analysten und Investoren vielfach als zu hoch kritisiert wurde. Die Übernahme gilt seither als eine der schlechtesten Unternehmenstransaktionen aller Zeiten, da die damit verbundenen Rechtsrisiken den erhofften strategischen Mehrwert bei Weitem überschatteten.

Roundup ist heute das weltweit am häufigsten eingesetzte Unkrautvernichtungsmittel. Trotz des kommerziellen Erfolgs des Produkts hat der jahrzehntelange juristische Sturm rund um mögliche Gesundheitsrisiken das Management von Bayer massiv beansprucht und das Unternehmen Milliarden von US-Dollar gekostet. Die gewonnene Rechtssicherheit durch das Supreme-Court-Urteil verändert nun die strategische Ausgangslage des Konzerns grundlegend.

Aufspaltung: Agrar gegen Pharma

Mit der neuen Klarheit im Roundup-Komplex rückt eine seit Jahren diskutierte Strukturreform wieder in den Fokus: die Trennung von Bayers Agrarsparte und dem Pharmageschäft. Das Pharmaportefeuille umfasst bekannte Produkte wie das Schmerzmittel Aspirin, den Gerinnungshemmer Xarelto und das Allergiemittel Claritin. Eine solche Aufspaltung wird von einem Teil der Bayer-Investoren bereits seit Jahren gefordert, da beide Geschäftsbereiche fundamental unterschiedliche Risikoprofile und Wachstumsdynamiken aufweisen.

Die Entscheidung des Supreme Court könnte dem Konzern nun den nötigen Spielraum verschaffen, diese strukturellen Überlegungen ernsthaft voranzutreiben. Solange die Roundup-Haftungsrisiken unkalkulierbar waren, galt eine Aufspaltung als schwer umsetzbar – denn die Verteilung der Verbindlichkeiten auf zwei eigenständige Unternehmen wäre rechtlich und finanziell hochkomplex gewesen.

Für deutsche Privatanleger ist die Entwicklung bei Bayer von besonderer Bedeutung: Der Leverkusener Konzern ist ein Schwergewicht im DAX und gehört zu den meistbeobachteten deutschen Aktien überhaupt. Die Kombination aus juristischer Entlastung und möglicher Konzernrestrukturierung könnte die Bayer-Aktie mittelfristig neu bewerten lassen – vorausgesetzt, das Management nutzt den gewonnenen Handlungsspielraum konsequent.

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